15.03.2026
Freude mitten in der Fastenzeit? Freude mitten in unserer derzeit von Leid, Krieg, Unruhen und Hass gefüllten und geprägten Zeit, in der man nur noch Schwierigkeiten und Krisen im Blick hat?
Die vierte Fastenwoche beginnt mit dem Sonntag „Laetare“, dem Sonntag der vorösterlichen Freude. Freude mitten in der Fastenzeit? Freude mitten in unserer derzeit von Leid, Krieg, Unruhen und Hass gefüllten und geprägten Zeit, in der man nur noch Schwierigkeiten und Krisen im Blick hat?
Die Schrifttexte des vierten Fastensonntags bestätigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass wir trotz allem, was um uns herum geschieht und uns eher traurig stimmt, allen Grund zur Freude haben. Und zwar deswegen, weil wir „Kinder des Lichtes“ sind.
„Einst wart ihr Finsternis, jetzt seid ihr Licht des Herrn. Lebt als Kinder des Lichts!“ So ruft uns der Apostel Paulus zu (Eph 5,8). Das Evangelium nach Johannes (9, 1-41) berichtet von der Heilung des blind geborenen, der nicht nur das Licht seiner Augen, sondern auch das Licht seines Herzens wiederfindet. Das erinnert uns vielleicht an die Worte des kleinen Prinzen bei Saint-Exupéry: „Man sieht nur mit dem Herzen gut; das Wesentliche bleibt den Augen verborgen!“
Ein Mann, der von Geburt an blind war, wird sehend. So berichtet uns der Evangelist Johannes. „Dieses Sehend-Werden wird als ein Prozess dargestellt, der eine ganz eigene Dynamik entfaltet. Es beginnt äußerlich mit dem Eröffnet-Werden der Augen und vollzieht sich dann schrittweise in einem spirituellen Sinne weiter, bis hin zum Augenblick des Erleuchtet-Seins. Der Blinde, dem Jesus die Augen geöffnet hat, dass er sehend wurde, er bekennt schließlich in seiner zweiten Begegnung mit Jesus den Menschensohn: Ich glaube, Herr! Und er bekennt ihn als einen Mann, der die Wahrheit sagt, der im Licht der Wahrheit die Werke der Finsternis aufdeckt.“ So schreibt Sr. Kerstin Kellermann in ihrer Auslegung zu den Texten des vierten Fastensonntags (Siehe Konradsblatt, Kirchenzeitung Erzbistum Freiburg, Nr. 11/2026, S. 14 u. 15).
Der Prozess, der Weg des blind geborenen hin zum sehend und glaubend werdenden Menschen ist auch unser Weg durch die Fastenzeit, dem Licht und der Freude von Ostern entgegen. Im Vertrauen auf die unbegrenzte Güte Gottes gehen wir den Weg durch diese Fastenzeit auf Ostern zu. Wir dürfen dabei immer wieder bewusst unser Leben in den Blick nehmen – mit allem Schönen, Gelungenem, mit allem erfreulichen Wachstum, aber auch mit allen Schattenseiten, den Schwächen oder auch der Schuld. Gott bestärkt uns in allem Guten; in Jesus Christus streckt er uns die versöhnende, die heilende Hand entgegen.
Mit Hans-Dieter Hüsch können wir so immer wieder sagen:
„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit,
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit!“
Autor: Pater Michael Wegner, CSSp
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