03.08.2026
Bruder Maria Paul Heinz, der drittälteste Spiritaner in Deutschland, feiert im August seinen 90. Geburtstag. Sein Lebensweg führte ihn vom kleinen Eifeldorf Brecht über Tansania, Südafrika und Rom tief in die weltweite Mission des Ordens hinein. Heute blickt er dankbar auf Jahrzehnte zurück, in denen er mit stillem, beständigem Dienst die Gemeinschaft geprägt hat.
Wenn Br. Maria‑Paul Heinz heute auf neun Jahrzehnte zurückblickt, dann schaut er auf ein Leben, das von Entbehrung, Neugier, Mut und tiefem Glauben geprägt ist. Geboren am 6. August 1936 als Fünftes von sechs Kindern im kleinen Eifeldorf Brecht bei Bitburg, erlebte er schon früh die Härten der Zeit. Nur drei Jahre nach seiner Geburt begann der Zweite Weltkrieg. Sein Vater wurde eingezogen und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Die Mutter musste die Familie allein versorgen. Gemeinsam mit ihren Kindern bewirtschaftete sie den kleinen Acker und den Gemüsegarten, um das Überleben zu sichern. Als der Vater im Juli 1945 heimkehrte, war es ein Moment großer Erleichterung und Freude.
Auch seine Schulzeit stand unter den Vorzeichen des Krieges. 1942 begann er die Volksschule in seinem Heimatdorf, doch der Unterricht wurde unterbrochen und konnte erst 1948 wieder aufgenommen werden. Nach dem Schulabschluss 1950 arbeitete er zunächst auf dem elterlichen Hof. Ab 1952 folgte eine Lehre als Anstreicher und Tapezierer. Drei Jahre später war er Geselle und arbeitete in verschiedenen Firmen in Bitburg. Doch die Arbeit erfüllte ihn nicht. „Ich hatte Sehnsucht nach etwas Mehr“, erinnert er sich heute. Was dieses „Mehr“ sein könnte, wusste er damals noch nicht.
Die entscheidende Wende brachte ein Gespräch mit einem Freund, der von einer Begegnung mit dem Spiritanerpater Rudolf Schnettler erzählte. Sie fand bei einer Veranstaltung für Langjugend auf der Marienburg an der Mosel statt. Die Schilderung beeindruckte ihn so sehr, dass er dem Missionar schrieb und sich nach dem Orden erkundigte. Die Antwort ließ keinen Zweifel aufkommen: „Als ich seinen Brief las, war ich mir sicher: Das ist mein Weg. Ich gehe hin.“
Mit seinem Motorrad fuhr er im Sommer 1957 nach Knechtsteden, lernte die Spiritaner kennen und traf seine Entscheidung. Er kündigte seine Arbeitsstelle und trat im September 1957 in den Orden ein. Gemeinsam mit den späteren Mitbrüdern Joachim Seifert und Gerhard Ofer absolvierte er unter Pater Stellberg das Postulat und anschließend das Noviziat. Am 8. Dezember 1959 legte er in der Basilika von Knechtsteden seine erste Profess ab.
Schon früh verband Bruder Maria‑Paul seine handwerklichen Fähigkeiten mit seinem Ordensleben. Nach ersten Einsätzen in Knechtsteden und Donaueschingen führte ihn sein Weg 1964 nach Speyer. Dort war er 15 Jahre lang für Hausmeisterdienste, Reparaturen und den Unterhalt des Gebäudes des Spiritanerinternats verantwortlich.
Ein neuer Lebensabschnitt begann Ende der 1970er Jahre, als er nach Magamba in Tansania entsandt wurde, wo sich das Spiritaner‑Noviziat befindet. Die fremde Kultur und Sprache stellten ihn vor große Herausforderungen, doch er stellte sich ihnen und lernte sogar etwas Swahili. In dieser Zeit unterstützte er Pater Josef Merk beim Umbau einer Kirche, bei Renovierungen sowie bei der Vorbereitung des Neubaus der Hauptpfarrkirche in Manolo.
Nach eineinhalb Jahren folgte der nächste Ruf – diesmal nach Südafrika. Der damalige Provinzial, Pater Albert Claus, fragte ihn, ob er sich einen Einsatz dort vorstellen könne. Hintergrund war die Bitte von Pater Franz Moldan, der in Leribe (Lesotho) an einer Handwerkerschule unterrichtete und Unterstützung für den von ihm gegründeten Betrieb suchte. Br. Maria‑Paul sagte zu. Er übernahm die Leitung des Werkstattbetriebs, organisierte die Materialbeschaffung und führte das Team.
Später wurde er nach Glen Ash bei Bethlehem versetzt, dem Hauptsitz der Spiritaner‑Mission in Südafrika. Dort setzte er seine handwerklichen und technischen Aufgaben weitere sieben Jahre fort. Seine Zuverlässigkeit machte ihn zu einer tragenden Säule der Mission.
Während seines Einsatzes in Südafrika besuchten der damalige Generalobere Pater Pierre Haas und der Generalökonom Pater Jean-Michel Jolibois die Mission. Pater Jolibois war beeindruckt von der Arbeit des deutschen Bruders und fragte ihn, ob er sich eine Mitarbeit im Generalrat in Rom vorstellen könne. Nach Rücksprache mit seinem Oberen, Pater Heinz Kuckertz, kehrte Br. Maria‑Paul nach Deutschland zurück, bereitete sich vor und schloss sich im März 1990 der Gemeinschaft in Rom an.
In Rom wartete erneut eine große Herausforderung. Die internationale Gemeinschaft bestand aus 24 Mitbrüdern aus 12 Nationen. Da nicht alle Englisch sprachen, wurde Italienisch zur Alltagssprache – eine weitere Sprache, die er in dieser Zeit erlernte. Sieben Jahre lang sorgte er im Generalat für den Gebäudeunterhalt und die technischen Belange und prägte das Gemeinschaftsleben durch seine ruhige, zuverlässige Art.
Bruder Maria-Paul kehrte im Jahr 1997 nach Deutschland zurück. Seitdem lebt er in der Knechtstedener Gemeinschaft. Er blickt dankbar auf die Wege zurück, die ihn mit der Spiritaner‑Familie verbunden haben und die seinen Blick auf Kirche und Welt erweitert haben. „Ich bin dankbar, dass ich ein klein wenig meinen Beitrag zur weltweiten Spiritanermission leisten durfte,“ so er.
Dabei stand Bruder Maria‑Paul nie im Mittelpunkt. Er wirkte meist dort, wo praktische Hilfe gebraucht wurde – oft im Hintergrund, aber immer mit großer Hingabe. Mit seinem handwerklichen Können, seiner Bescheidenheit und seiner Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, hat er die weltweite Mission der Spiritaner unterstützt. Zudem ist Bruder Maria-Paul ein zutiefst spiritueller Mensch, der sein geistliches Leben durch Gebet, geistliche Lektüre und Eucharistie nährt.
Mit seinem 90. Geburtstag blickt Bruder Maria‑Paul Heinz auf ein Leben zurück, das eindrucksvoll zeigt: Auch stille Treue kann weitreichende Wirkung entfalten. Für diesen jahrzehntelangen Dienst danken ihm die Spiritaner von Herzen und wünschen ihm Gottes reichen Segen, Gesundheit und weiterhin erfüllte Jahre in der Gemeinschaft von Knechtsteden.
Autor: Pater Samuel Mgbecheta, CSSp
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