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Begegnung, die verändert – von Jesus lernen

09.03.2026

3. Fastensonntag – Joh 4,5–42

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Wirkliches Leben entsteht dort, wo Menschen einander wahrnehmen, zuhören und sich zuwenden. Wo wir einem Menschen echte Aufmerksamkeit schenken, wächst Beziehung – und oft wird gerade dort etwas von Gottes Liebe spürbar.

Viele Kontakte – wenige echte Begegnungen

Wann haben Sie zuletzt erlebt, dass eine Begegnung Ihr Herz wirklich berührt hat? Vielleicht ein Gespräch mit einem Freund, ein ermutigendes Wort im Alltag, ein Lächeln im Bus oder ein kurzer Austausch an der Supermarktkasse. Unser Leben ist voller solcher Momente – Begegnungen mit Gott, mit uns selbst und mit anderen Menschen. Manche sind geplant, andere geschehen überraschend: auf der Straße, beim Arzt oder im zufälligen Gespräch mit einem Fremden.

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Termine, Nachrichten, E-Mails und soziale Medien bestimmen unseren Alltag. Vieles läuft parallel: Wir telefonieren und beantworten nebenbei Nachrichten. Wir sprechen miteinander und schauen gleichzeitig aufs Handy. Wir hören zu – und denken schon an das, was als Nächstes ansteht. Wir sind ständig beschäftigt, aber nicht immer wirklich präsent.

Das prägt auch unsere Beziehungen. In Familien fehlt oft die Ruhe für echte Gespräche. Am Arbeitsplatz dominieren Effizienz und Zeitdruck. In Schulen und Ausbildungsstätten ist der Leistungsdruck groß. Begegnungen gibt es viele – doch sie bleiben häufig oberflächlich, weil Aufmerksamkeit und Zeit fehlen.

Gerade deshalb klingt ein Gedanke des jüdischen Philosophen Martin Buber heute besonders aktuell: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Wirkliches Leben entsteht dort, wo Menschen einander wahrnehmen, zuhören und sich zuwenden. Wo wir einem Menschen echte Aufmerksamkeit schenken, wächst Beziehung – und oft wird gerade dort etwas von Gottes Liebe spürbar.

Die Begegnung am Jakobsbrunnen

Im heutigen Evangelium begegnet Jesus am Jakobsbrunnen einer Frau aus Samarien – einer ganz gewöhnlichen Frau mit einer schwierigen Lebensgeschichte, mit Fehlern, Verletzungen und vielleicht auch mit Scham. Doch Jesus sieht sie an. Er nimmt sie wahr. Er kennt ihre Geschichte – und spricht sie dennoch an. Ohne Vorwurf, ohne Verurteilung, mit Respekt.

In diesem Moment geschieht etwas Entscheidendes: Die Frau spürt, dass sie gesehen und angenommen ist. Sie entdeckt ihren Wert vor Gott. Diese Begegnung verändert ihr Leben. Sie kehrt in ihr Dorf zurück, erzählt von Jesus – und viele beginnen aufgrund ihres Zeugnisses zu glauben. Eine einzige Begegnung richtet ihr Leben neu aus und wirkt weit über sie hinaus.

Nicht die Dauer zählt, sondern die Tiefe

Die Geschichte zeigt: Nicht die Länge einer Begegnung ist entscheidend, sondern ihre Qualität. Ein Gespräch kann lange dauern und dennoch oberflächlich bleiben. Und manchmal genügt ein kurzer Moment, um einen Menschen tief zu berühren – ein Satz zur rechten Zeit, ein verständnisvoller Blick, ein echtes Zuhören.

Was macht die Qualität einer Begegnung aus?

Aufmerksamkeit

Jesus hört der Frau wirklich zu. Er ist ganz bei ihr. In einer Welt voller Ablenkungen ist das selten. Eine echte Begegnung beginnt dort, wo wir innerlich anhalten und dem anderen unsere volle Aufmerksamkeit schenken. Wo jemand spürt: Du hörst mir wirklich zu, entsteht Vertrauen.

Offenheit und Ehrlichkeit

Die Frau versteckt ihre Geschichte nicht. Wo Menschen ehrlich sprechen können – ohne Angst vor Verurteilung – wächst Nähe. Begegnung wird dann mehr als ein Austausch von Worten; sie wird zu einem Raum, in dem Menschen sich zeigen dürfen.

Präsenz und Zeit

Jesus nimmt sich Zeit. Das Evangelium berichtet sogar, dass er zwei Tage bei den Samariterinnen und Samaritern bleibt. Es geht nicht nur um Minuten oder Stunden, sondern darum, wirklich da zu sein. Ein Blick, ein Lächeln, ein ehrliches Wort können mehr bewirken als ein langes Gespräch voller Ablenkung.

Wo Aufmerksamkeit, Ehrlichkeit und Präsenz zusammenkommen, spürt ein Mensch: Ich werde gesehen. Ich werde ernst genommen. Ich bin nicht allein. In solchen Momenten kann etwas aufscheinen, das größer ist als wir selbst – Hoffnung, Vertrauen und vielleicht eine Spur von Gottes Gegenwart.

Begegnung mit Christus führt zur Sendung

Die Begegnung der Frau mit Jesus bleibt nicht ohne Folgen. Sie geht zurück in ihr Dorf und erzählt von ihm. Aus der Suchenden wird eine Zeugin. Ihre Erfahrung verändert nicht nur sie selbst – sie bewegt auch andere.

Das ist kein Zufall: Eine echte Begegnung mit Christus bleibt nie privat. Wer ihm begegnet, spürt den Wunsch, diese Freude zu teilen. Die Frau am Brunnen erfährt Annahme – und diese Erfahrung wird zur Kraft, anderen von Jesus zu erzählen.

Eine Einladung an uns

Das Evangelium lädt auch uns ein: Alles beginnt mit der Begegnung mit Christus. Aus ihr wächst die Kraft, den Menschen um uns herum neu zu begegnen – in der Familie, am Arbeitsplatz, im Alltag.

Auch wir können solche Begegnungen schenken:

  • wenn wir jemandem wirklich zuhören, ohne aufs Handy zu schauen
  • wenn wir ehrlich sagen, wie es uns geht
  • wenn wir einem Menschen Zeit schenken, obwohl unser Tag voll ist

Oft sind es kleine Gesten – ein offenes Ohr, ein ehrliches Wort, ein aufmerksamer Blick. Doch gerade sie schaffen Vertrauen und Nähe. Solche Begegnungen verändern mehr, als wir ahnen.

Wer Christus begegnet, begegnet auch anderen anders: aufmerksamer, geduldiger, liebevoller, offener. Und manchmal teilen wir – ganz schlicht – die Freude, die wir selbst erfahren haben.

Wie die Frau am Brunnen sind auch wir eingeladen, weiterzugeben, was wir empfangen haben: Freude, Hoffnung und Liebe aus der Begegnung mit Jesus. So kann auch heute eine Begegnung zu einem Ort werden, an dem Gottes Liebe sichtbar wird – mitten im Alltag, vielleicht durch uns.

Autor: Pater Samuel Mgbecheta, CSSp

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