18.04.2026
Wer sich bisher gefragt hat, warum es gegenüber der Klosterkirche in Knechtsteden einen Soldatenfriedhof gibt, obwohl bis zum Ende des 2. Weltkrieges dort keine offenen Kriegshandlungen stattfanden, findet die Antwort in dem neuen Roman der Schriftstellerin Ute Wegmann. Ihre Großmutter gehörte zu den zahlreichen jungen Frauen aus der Region Dormagen und Rommerskirchen, die in der Zeit von 1941 bis 1945 in Knechtsteden arbeiteten, nachdem die Nazis nach Himmlers Anordnung das Kloster beschlagnahmt hatten (der sogenannte Klostersturm) und ein Lazarett für hirnverletzte Soldaten einrichteten.
Der Roman „Alles soll sehr weiß sein“ erzählt von einer jungen Frau, die in der Wäscherei des Knechtstedener Lazaretts tätig ist. Ihr kleines Mädchen nimmt sie mit ins Kloster. Das Kind ist alleine auf dem Gelände unterwegs und sieht, wie auf dem Friedhof täglich neue Gräber entstehen.
Die Mutter bangt wie viele Frauen um den Ehemann, der als Soldat irgendwo an der Front im Osten ist.
„Viele, die über Monate nichts von ihren Männern oder Söhnen hörten, hatten die Hoffnung aufgegeben.“ Als ihr Mann drei Jahre nach Kriegsende aus Russland heimkehrt, hatten ihn Krieg und Gefangenschaft verstummen lassen.
Hertha erzählt.
„Max sprach nicht viel. Er konnte nicht. Er wollte zuhören. /…/ Und ich berichtete: Vom Klostersturm der Nazis in Knechtsteden und der Vertreibung der Patres. Vom SS-Mann. Vom Lazarett, das man von vierhundertfünfzig auf neunhundert Betten aufgestockt hatte /…/
Von den Krankheiten, dem Blut, den Schreien und dem Tod sprach ich nicht.“
Der Roman umfasst die Jahre 1930 bis 1990, im Wechsel erzählen drei Frauen aus drei Generationen und zeigen, was die Menschen erlitten, aber auch welche Kraft sie aufbrachten, um zu überleben.
Im Rahmen des Knechtstedener Bibliotheksabend am Mittwoch, 29. April 2026 um 20 Uhr in der Historischen Klosterbibliothek stellt die Autorin Ute Wegmann aus Köln ihren Roman vor und liest aus dem kürzlich erschienenen Werk.
Weil viele Leute aus der Region Dormagen/Rommerskirchen sich noch an Erzählungen ihrer Großeltern über die Lazarettzeit in Knechtsteden erinnern, könnte der Abend in Knechtsteden auch dem Austausch von erzählten Erinnerungen dienen.
Autor: Pater Hermann-Josef Reetz, CSSp
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