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Spiritaner in Haiti

Die Mehrzahl der Menschen in Haiti leben seit Jahrzehnten in großer Armut. Das schwere Erdbeben 2010 hat diese Situation nochmals verschärft.

Wir Spiritaner sind bereits seit langer Zeit in Haiti tätig. Mit materieller und seelsorglicher Hilfe versuchen wir die schlimmste Not der Menschen zu lindern.

Spiritaner-Einsatz für Flüchtlinge in Tansania und Zentralafrika

Die Verantwortlichen für die Pastoral in den verschiedenen ruandischen Flüchtlingslagern haben im Jahre 1995 den Spiritanern der Provinz Tansania die Flüchtlings-Lager im äußersten Nordwesten des Landes anvertraut. Es handelt sich um die Lager von Kagenyi und Rubwera mit rund 45.000 Flüchtlingen, die hauptsächlich aus dem Grenzgebiet Tansanias stammen.

Autor: Pater Gabriel Myotte-Duquet, CSSp

Die Verantwortlichen für die Pastoral in den verschiedenen ruandischen Flüchtlingslagern haben im Jahre 1995 den Spiritanern der Provinz Tansania die Flüchtlings-Lager im äußersten Nordwesten des Landes anvertraut. Es handelt sich um die Lager von Kagenyi  und Rubwera mit  rund 45.000 Flüchtlingen, die hauptsächlich aus dem Grenzgebiet Tansanias stammen. Obwohl ich gerade die zentralafrikanische Republik verlassen hatte, bat mich der französische Provinzial, diese Aufgabe der Solidarität mit den Flüchtlingen in Tansania zu übernehmen.

Jeden Morgen  gingen  die Patres  Gervase, Josaphat und ich selbst in eines der beiden Lager. Wir besuchten die Flüchtlinge, die unter einer Plane lebten, die sie vor Regen und Sonne schützt. Der Grundsatz war, dass jeder die Möglichkeit hatte, seine Geschichte dem „Pater“ zu erzählen, mit ihm sein Leid, seine Trauer, seine Enttäuschungen, manchmal sogar seinen Hass zu teilen, aber auch seine Hoffnungen.  Da zu sein für die, die uns am Eingang ihrer bescheidenen Behausung empfingen, das aufmerksame und mitleidende Ohr zu sein, dass nicht urteilt, sondern  das Wort, das befreit und ermöglicht, seine eigene Geschichte besser zu lesen, die seines Landes, um besser das Warum zu verstehen und um einen Schritt zu Versöhnung und Frieden zu machen.

Im Laufe der Zeit wird die Hoffnung neu geboren und das Leben dieser christlichen Gemeinschaft, die geboren ist aus der schmerzhaften Frucht des Hasses, organisiert sich, selbst wenn ihnen von allen Seiten gesagt wird, sich nicht „niederzulassen“ , sondern sich auf eine Rückkehr vorzubereiten. Viele baten uns, die kirchliche Trauung vorzunehmen, oder ihre Kinder oder sie selbst zu taufen.  Diejenigen, die in ihrer Pfarrei Katecheten waren, übernahmen mit Freude und Begeisterung einen Dienst, für den sie eine solide Ausbildung erhalten  hatten. Die Gruppen für die Vorbereitung auf die Sakramente begannen und arbeiteten gut. Die Lehrer improvisierten eine Schule für die Kinder. Die zahlreichen Nichtregierungsorganisationen betreuten das Leben der Flüchtlinge. Jene, die für die Gesundheit und die Beschaffung von Trinkwasser verantwortlich sind, zeigten sich besonders wirksam. Andere beschäftigten sich mit anderen wichtigen Aspekten des täglichen Lebens in den Lagern, wie zum Beispiel die Familienzusammenführung, die Nahrung und den Abfall, usw.

Die gute Erziehung und das schulische Niveau der Gesamtheit der Flüchtlinge gaben ihnen eine Offenheit, die ich anderswo nicht kennen gelernt hatte. Mit Hilfe der französischen Botschaft in Daressalam  und französischen Freunden habe ich persönlich  zwei Büchereien errichtet, die es ihnen erlaubte, ihr literarisches und wissenschaftliches Wissen zu kultivieren und zu vervollständigen.

Im Laufe der Zeit gewannen die Flüchtlinge Sicherheit und wurden widerspenstig gegenüber den örtlichen Verwaltungen. Da sie in verschiedenen Bereichen unterstützt wurden, schuf dies Eifersucht. Es gab mehrfach willkürliche Verhaftungen unter ihnen, gefolgt von einer Gefängnisstrafe: lange Monate verliefen ohne Gerichtstermin. Da  wir selbst sie nicht besuchen konnten, haben wir die Familien unterstützt, die in doppelter Weise getroffen sind. Sehr schnell missfiel unsere Begleitung der Flüchtlinge. Die NGOs (eine Nichtregierungsorganisation), die verantwortlich waren, die Ruander anzuspornen zurückzukehren, klagten uns an und forderten uns auf, unsere Arbeit zu beenden. Wir fühlten uns gedemütigt, aber wir haben das gemeinsam getragen. Unsere Einheit und unsere Solidarität in der Prüfung waren unsere Stärke.

Wider Erwarten wurden im Dezember 1996 die Flüchtlinge von der tansanischen Regierung gezwungen, nach Hause zurückzukehren: Nach einer Begleitung von nur 15 Monaten wurde unsere Mission an ihrer Seite, die für uns Freunde geworden waren, brutal beendet.

20 Jahre sind vergangen: Dieudonné Nzapalainga, Erzbischof von Bangui, bittet die Spiritaner um Mithilfe im Dienste der Solidarität für die Binnenflüchtlinge des Krieges in seiner Diözese. Von den vier Spiritanern, die in der Flüchtlingsarbeit unter den Ruandern in Tansania tätig waren, haben zwei von ihnen sich für den Aufbau dieses neuen Projektes entschieden. Aber dieser  Dienst ist nicht vergleichbar mit dem oben beschriebenen Projekt in Tansania. Wenn die Menschen unter dem Druck der Gewalt, der Tötungen und des Diebstahl geflohen sind, dann haben sie nicht ihr Land verlassen und sind auch oft nicht weit aus ihrer Heimat geflohen. Sie bleiben in einem bekannten  Gebiet unter ihresgleichen. Sie behalten ihre Schlupfwinkel. Man kann sie nicht ausweisen.

In der Mehrheit haben die Vertriebenen Zuflucht in den Kirche, den Seminaren und den religiösen Institutionen in der Stadt oder am Stadtrand gefunden. Der wichtigste Ort ist am Rande der Startbahn des Flughafens. Tagsüber kehren einige von ihnen nach Hause zurück, um der Plünderung vorzubeugen, was darauf hinweist, dass sie den Wunsch haben zurückzukehren, sobald es die Sicherheit erlaubt.

Wie viele Vertriebene haben wir im Oktober 2014 in Bangui und Umgebung vorgefunden? Eine Zahl zu nennen ist schwierig, denn die Zahl ändert sich von einem auf den anderen Tag entsprechend des Grades der Unsicherheit, die in Bangui und im gesamten Land herrscht. Bei unserer Ankunft gab es 12 bis 15.000 Flüchtlinge am Flughafen, im letzten Januar hatte sich die Zahl verdoppelt, bevor sie dann in den folgenden Monaten wieder zurückging. Das große Seminar der Diözese beherbergte 7600 von ihnen, heute sind es noch etwas weniger als 2.000. In der Pfarrei St. Sauveur und St. Paul des rapides sind keine Flüchtlinge mehr. Und heute denken viele der Organisationen, dass der Friede und die Sicherheit zurückgekehrt sind und dass die bewaffneten Überfälle die einzigen Fakten der Ganoven sind: sie wären, nach den Organisationen zu urteilen, an den Konflikten der letzten Jahre nicht beteiligt.

Den Satz, den wir bei unseren Besuchen vorwiegend hören, ist: „Wir haben Hunger“. Diese Aussage haben wir auch 1995 in Tansania gehört. Aber das Welternährungsprogramm kann nicht allen eine ausreichende und vielfältige Nahrung anbieten.

Die verschiedenen Orte wurden von den sehr zahlreichen NGO übernommen, die aus der ganzen Welt kamen, in einem trostlosen Land, das vollständig desorganisiert ist als Folge der Meutereien und der wiederholten Staatsstreiche. 2012 und 2013 hat eine Horde von Plünderern , die aus dem Tschad und dem Sudan kamen und von den Zentralafrikanern unterstützt wurden, die Auflösung der Staates erreicht: die massive Zerstörung der Wohnhäuser, die Brandschatzung der Dörfer, die Plünderung des Eigentums der Verwaltung und der Einzelpersonen, das Massaker an der Bevölkerung in großem Umfang, ohne die Möglichkeit, sich zu verteidigen. Eine systematische Plünderung des Landes war die Folge. Die Bewohner haben noch nie seine solche Flut an Gewalt, Verachtung und Hass erfahren. Die NGOs hatten somit viel mit den Menschen zu tun, die alles verloren haben. Sie haben ein  Gesundheitsprogramm gestartet, ein Schulprogramm für die Kinder, die Sorge um die traumatisierten Erwachsenen, die schwangeren Frauen und/oder mit HIV infiziert. Sie haben örtliche Vereine geschaffen im Dienste des Friedens und der Versöhnung.

Der Dienst, der uns,Pater Paul Flamm, einem amerikanischer Spiritaner, und mir anvertraut wurde, ist eine Arbeit des Anwesendseins, des Zuhörens, des Mitleids und der Heilung. Wir haben sehr schnell festgestellt, dass die Mehrzahl der Flüchtlinge im Bereich der Pfarreien lebten und seelsorglich von den Pfarrern und den pfarrlichen Gruppen betreut wurden: Sie wurden bereits gut von ihnen spirituell begleitet. Unser Tun sollte deshalb nicht das überlagern, was bereits geschah und gut getan wurde und wird. Im Hinblick auf diese Situation haben wir uns auf zwei Bereiche konzentriert: auf den Flughafen Bangui und auf das ehemalige Militärlager „Camp Beal“, wo die ehemaligen Seleka leben, welches sich auf dem Gelände der Pfarrei Notre Dame d´Afrique befindet, wo ich wohne. Pater Paul verwendet mehr als die Hälfte seiner Zeit zur moralischen und spirituellen Unterstützung des Flüchtlinge, die am Flughafen leben: er hört ihnen zu, spricht mit ihnen, feiert Gottesdienste, hört Beichte, tauft Menschen und besucht die Kranken.

Erzbischof Nzapalainga hat uns gebeten, ein besonderes Augenmerk auf den Schulbesuch der Kinder zu legen und sicher zu stellen, dass alle die Schule besuchen. Denn die große Mehrheit unter ihnen ist seit zwei oder drei Jahren nicht mehr zur Schule gegangen: „Falls wir nichts für sie heute tun“, sagt er, „dann sind diese Kinder in einigen Jahren Nachfolger derjenigen, die heute jegliche Versöhnung und Rückkehr zum Frieden, zum sozialen Zusammenhalt und der Stabilität des Landes verhindern.“ Aber die Schule ist teuer. Sie ist ein Luxus, den wenige der Vertriebenen für ihre Kinder zahlen können. Die Spenden der Wohltäter ermöglicht es uns, dass wir rund 150 Kinder in der Schule in der Nachbarschaft einschreiben konnten. Die Caritas Bangui hat die Kinder mit den notwendigen Materialien ausgestattet für eine bessere Schulzeit.

In Verbindung mit einem örtlichen Verein der Jugendlichen, dem „Komitee für den Frieden des 4. Arrondissements“, wurde es den Jugendlichen ermöglicht, ihr Studium an der Realschule, am Gymnasium und an der Universität fortzusetzen.

Zum Schluss einige Bemerkungen

  • Die oft sehr angespannte Situation in Bangui hat einen systematischen Besuch der Orte nicht ermöglicht, so wie wir es geplant hatten, als wir den ersten Kontakt aufgenommen haben und wie wir es in Tansania gemacht haben. Dies geschah aus Vorsicht, denn die Risiken waren da und die Bedrohung real.
  • Heute ist das Klima in Bangui entspannt, und viele der Vertriebenen kommen und gehen in ihre Stadt, um dort ihre Rückkehr vorzubereiten, Handel zu betreiben oder ihre Eltern zu besuchen.
  • Eine gewisse Anzahl der Vertriebenen, die aus der Provinz kamen, um in Bangui Schutz zu suchen, haben mich in der Pfarrei aufgesucht und mit mir überlegt, wie sie in ihre Heimatregion zurückkehren können. Einige von ihnen sind bereits gegangen, zu Fuß oder durch eine Mitfahrgelegenheit.  Andere wissen, dass ihr Ort noch immer in den Händen der rivalisierenden Gruppierungen ist und geteilt ist. Sie müssen sich in Geduld üben.
  • Unsere vertriebenen Freunde wissen noch nicht klar, worin ihre Zukunft besteht, was sie manchmal nervös macht, manchmal distanziert, oft apathisch, wenig entschieden, etwas zu unternehmen, selbst dann, wenn dies ein besseres Leben oder einen Fortschritt im sozialen Zusammenhang bieten würde. Mehrfach hatte ich den Eindruck, dass eine gewisse Zahl von ihnen sich verabschiedet hatte und sie nichts mehr interessierte, als ihre Waffen in die Hand zu nehmen. Sicherlich ein falscher Eindruck, aber wer sagt etwas über die tiefgreifenden Verletzungen jedes einzelnen und die Angst, die sie mitnehmen beim Blick auf den Anderen!
  • Falls die Rückkehr in den Herkunftsort eines Tages stattfindet, welchen Empfang bereitet man ihnen?  Wer kümmert sich um ihre Wiedereingliederung? Oder sind sie sich selbst überlassen?
  • Schließlich, welche ist die Zukunft für diese Aufgabe? Es scheint mit, dass diese Aufgaben gut mit dem Charisma und der spiritanischen Berufung korrespondiert. Es ist wichtig für den Mitbruder in dieser Aufgabe, dass er in der Pfarrgemeinde lebt und sich nicht nur um die Vertriebenen kümmert, sondern auch um das Personal der NGO. Dazu fehlte uns die Zeit.  Man kann sie in Gruppen wie auch als Einzelpersonen treffen, wenn sie dies wünschen. Der Kontakt könnte von großem Interesse sein für die Mitarbeiter der Nichtregierungsorganisationen, wie für den Mitbruder, der in der Flüchtlingsarbeit tätig ist, und für die Ortskirche!


02.11.2015

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