Suche
Notel

In der Notschlafstelle für obdachlose Drogenabhängige in Köln (NOTEL) erhalten die Gäste jede Nacht eine warme Mahlzeit, eine Dusche, die Möglichkeit, ihre Wäsche waschen zu lassen und ein Bett.

weitere Infos...

„Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf…“

Jesus weiß, was ihn in Jerusalem erwartet, dennoch zieht er mit Entschiedenheit und großem Gottvertrauen hin. Er ist sich bewusst, dass die Stunde gekommen ist, um seinen Auftrag zu erfüllen, und er bejaht es. Bei seinen Jüngern sieht es jedoch anders aus.

Br. Johannes Chrysostomus Stopp, CSSp

Br. Johannes Chrysostomus Stopp, CSSp (1903-1979), Kreuzigung Jesu.

Das biblische Zitat, das als Überschrift dient, ist der Leidensankündigung Jesu nach Markus entnommen. In den kommenden Tagen gilt es, sich ernsthaft mit dieser Aussage Jesu zu befassen. Dreimal versuchte Jesus seinen Jüngern einen tiefen Einblick in das Geheimnis seiner Person, seiner Sendung und seiner Nachfolge zu verschaffen (vgl. Mk 8,31-33; 9,30-32; 10,32-34). In der dritten Leidensansage heißt es: „Da versammelte [Jesus] die Zwölf wieder um sich und kündigte ihnen an, was ihm bevorstand. Er sagte: Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf; dort wird der Menschensohn den Hohepriestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert; sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden übergeben; sie werden ihn verspotten, anspucken, geißeln und töten. Aber nach drei Tagen wird er auferstehen“. (vgl. Mk 10,32-34).

Jesus weiß, was ihn in Jerusalem erwartet, dennoch zieht er mit Entschiedenheit und großem Gottvertrauen hin. Er ist sich bewusst, dass die Stunde gekommen ist, um seinen Auftrag zu erfüllen, und er bejaht es. Bei seinen Jüngern sieht es jedoch anders aus. Denn schon nach der ersten Ankündigung nimmt ihn Petrus beiseite und versucht ihn von seinem Leidensweg abzubringen. Für ihn kommt das nicht in Frage. Und kurz nach der zweiten Leidensansage streiten sich die Jünger miteinander, wer unter ihnen der Größte sei.

Sich mit dem bitteren Schicksal und dem grausamen Tod Jesu am Kreuz auseinandersetzen

Daraus ist abzuleiten, nach den Worten von Anselm Grün, dass „die Jünger den Weg Jesu nach Jerusalem, seinen Tod und seine Auferstehung gründlich missverstehen. Es geht ihnen nur um sich, um die eigenen Vorstellungen von ihrem Weg (8,32), um die eigene Größe innerhalb der Gemeinde (9,34) und um die Vorrangstellung gegenüber anderen (10,37). Sie kreisen immer nur um die eigenen Bedürfnisse, um das eigene Leben, die eigene Größe, die eigene Macht. Das Kreuz ist jedoch gerade das Gegenteil: die Hingabe des Lebens, sich Gott überlassen, sich loslassen, sich auf Gottes Willen einlassen. Nur so gelingt wahres Leben“ (Anselm Grün: Das große Buch der Evangelien, Kreuz Verlag, Freiburg im Breisgau, 2010, S. 243-244).

Die Einladung Jesu an seine Jünger, mit ihm nach Jerusalem zu gehen, gilt auch uns. Wir müssen uns nicht buchstäblich nach Jerusalem begeben; aber geistig und geistlich sind wir eingeladen, uns während dieser Kartage mit seinem bitteren Schicksal und seinem grausamen Tod am Kreuz auseinanderzusetzen. Was bedeutet es für mich heute, dass er ganz bewusst seinem Leiden und seinem grauenvollen Sterben entgegengegangen war? Hat das noch einen Sinn für mich oder eine Auswirkung auf mein alltägliches Leben? Wie sieht es mit meiner Nachfolge aus, vor allem, wenn ich mit dem Ernst des Weges Jesu konfrontiert werde? Ist mir die Radikalität dieses Weges bewusst? Wenn mich Schicksalsschläge unvorbereitet treffen, wie reagiere ich darauf? Was kommt mir in den Sinn? Wie weit kann ich mit Jesus auf dem Leidensweg des Lebens gehen, um so ins österliche Leben zu gelangen?

Osterfreude blendet die Verwundungen nicht aus

Für den Limburger Pfarrer Klaus Nebel ist Ostern keine billige Vertröstung auf das Jenseits. „Die Freude über die Auferstehung, die Osterfreude, blendet die Verwundungen nicht aus; im Gegenteil: sie nimmt sie in den Blick. Die Freude von Ostern […] übergeht nicht die Sorgen und die Not unserer Welt. Die Freude von Ostern ist eine Freude, die auch dann noch trägt, wenn es im Leben nichts zu lachen gibt. Denn das Ostern Jesu gab es nicht ohne den Karfreitag. Das Licht von Ostern leuchtet nicht an der Not unserer Welt vorbei, sondern in sie hinein. Jesus ist kein Strahlemann, der über alle Sorgen und Fragen des Menschen hinweggeht und davon nichts wissen will; nein: er tritt in die Not des Menschen ein und erfährt sie am eigenen Leib. […] Christus hat das Licht dorthin gebracht, wo es dunkel ist, bis hinein in die Finsternis des Todes. Und so ist es hell geworden. Dafür hat er sich verwunden lassen. Dafür ist er am Kreuz gestorben – und auferstanden.“ Pfarrer Klaus Nebel, Ostern ist das Fest der Freude in „Gemeindebrief“, 9. April 2020).

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familienangehörigen, dass Sie mitten in den Herausforderungen und Problemen unserer Zeit auch die Gegenwart des gekreuzigten und auferstandenen Herrn erfahren und sich von seiner Botschaft der Freude, der Liebe, der Hoffnung und des Lebens leiten lassen.

Gesegnete Kar- und Ostertage wünscht Ihnen

P. Samuel Mgbecheta, CSSp

 

* Quelle: Samuel Mgbecheta, "Wir gehen jetzt nach Jerusalem..." in Nachrichten der Spiritaner, Ausgabe 1/2021, S.3-4).


29.03.2021

zurück...

facebook

powered by webEdition CMS