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Predigtimpuls Katharina von Siena

„Sie war klein von Gestalt, aber groß von Geist und Würde“, so beschreibt sie Theodor Schnitzler. Schon zu ihren Lebzeiten war sie eine große und bekannte Frau, die scheinbar Unvereinbares in sich verband: Strenge Selbstzucht (Askese) mit tätiger Liebe zu ihren Mitmenschen; politisches Engagement mit tiefer Mystik. Die 1347 in Siena geborene Katharina war sicher keine einfache Frau – aus damaliger wie aus heutiger Sicht.

Pater Michael Wegner, C.S.Sp

Pater Michael Wegner, C.S.Sp

Wer kennt sie nicht? Asterix und Obelix und das kleine Hündchen Idefix und natürlich den Zauberer Mirakulix! Der kennt das Geheimrezept, um den Zaubertrank zuzubereiten, der den beiden und ihren Freunden ungeahnte Kräfte und Fähigkeiten verleiht, mit denen sie ihre Feinde besiegen und alle Unannehmlichkeiten aus dem Weg räume können. Und lässt die Kraft des Zaubertrankes einmal nach, dann wird eben wieder nachgeschöpft, aufgetankt.

Was aber, um Gottes Willen haben Asterix, Obelix und Mirakulix mit der heiligen Katharina von Siena zu tun? Auf den ersten Blick natürlich nichts. Aber auf den zweiten Blick schon eine ganze Menge! Denn auch die heilige Katharina von Siena kennt ein Geheimrezept: Innige Liebe zu Jesus Christus und zu den Mitmenschen.

„Sie war klein von Gestalt, aber groß von Geist und Würde“, so beschreibt sie Theodor Schnitzler. Schon zu ihren Lebzeiten war sie eine große und bekannte Frau, die scheinbar Unvereinbares in sich verband: Strenge Selbstzucht (Askese) mit tätiger Liebe zu ihren Mitmenschen; politisches Engagement mit tiefer Mystik.

Die 1347 in Siena geborene Katharina war sicher keine einfache Frau – aus damaliger wie aus heutiger Sicht. Von frühester Kindheit an war sie mit einer intensiven Liebe zu Christus erfüllt. Mit fünfzehn Jahren schloss sie sich dem dritten Orden der Dominikaner an, und sie war gerade zwanzig Jahre alt, als sie sich Christus mystisch vermählte: Die tiefe Vertrautheit mit dem Herrn gab ihr die Kraft, sich zusammen mit anderen Frauen um die Armen und unversorgten Kranken zu kümmern, aber auch den Mut, sich einzumischen in die Probleme der Zeit. Sie trat für die innere Erneuerung der Kirche ein, redete Würdenträger und Kirchenfürsten ins Gewissen und bewog den Papst, sein Exil in Avignon zu beenden.

Katharina verwendete sich unermüdlich für die Lösung der vielfältigen Konflikte, von denen die Gesellschaft ihrer Zeit zerrissen wurde. Streitende zu versöhnen war wohl ihr Lieblingswerk. Ihre Bemühungen, Frieden zu stiften, erreichten europäische Herrscher wie Karl. V. von Frankreich und andere Größen ihrer Zeit. Könige und weltliche Herrscher erinnerte sie daran, dass sie nicht regieren könnten, als wäre das Königreich ihr Eigentum; vielmehr sollten sie sich bewusst sein, dass sie Gott über die Machtausübung Rechenschaft geben müssen. Die Herrschergewalt sei nicht von der Nächstenliebe zu trennen. Mit derselben Eindringlichkeit wandte sich Katharina auch an die Geistlichen jeden Ranges. Im Garten der Kirche, sagte sie, müssten die faulenden Pflanzen ausgerissen und durch frische, duftende neue Pflanzen ersetzt werden! Sie scheute sich nicht, selbst den Papst mit aller Offenheit auf den Willen Gottes hinzuweisen.

Die Nähe zum Herrn machte Katharina anziehend für viele Menschen. Obwohl sie nicht schreiben konnte, hinterließ sie über 380 Briefe, die sie alle Briefeschreibern diktiert hatte. Ihre Briefe verbreiteten sich über ganz Europa. Denn die junge Frau aus Siena traf mit sicherem Ton und glühenden Worten den Kern der kirchlichen und gesellschaftlichen Probleme ihrer Zeit. „Kämpft nicht mit Waffen, sondern mit Güte!“ das riet sie den weltlichen und kirchlichen Machthabern immer wieder.

Auch für uns heute zeigt sich Katharina als eine interessante, faszinierend selbstbewusste Frau, die sich um der Liebe zu Jesus Christus und seiner Kirche willen eingesetzt hat für Gott und die Welt. Als sie am 29. April 1380, mit nur 33 Jahren, starb, sagte sie auf dem Sterbebett: „Seid gewiss, meine Lieben, dass ich das Leben für die heilige Kirche hingegeben habe.“

Die mystische, innige Liebesbeziehung zu Jesus Christus, das war der „Zaubertrank“, die Kraftquelle der heiligen Katharina von Siena. Für dieses Beispiel dürfen wir ihr dankbar sein. Die innige Liebesbeziehung zu Jesus Christus, die sie uns vorgelebt hat, will und kann auch unsere Kraftquelle im Alltag, in Zeit und Welt von heute sein.

Der Kirchenmusiker Peter Gerloff würdigt das Lebenswerk der Heiligen in einem Hymnus so:

1. Katharina, Quell und Leuchte, Hand, die Gott der Kirche reichte in verheißungsarmer Zeit. Klein an Wuchs, doch groß im Wesen, Stachel für die Macht des Bösen, Lehrerin der Christenheit.

2. Tief betrübt von Not und Fragen brachst du auf, dein Wort zu wagen vor Gelehrten, Fürst und Papst. Rings umdrängt von Pest und Seuchen halfst du mutig ohnegleichen, bis du selbst dein Leben gabst.

3. Ohne Schonung, ohne Muße, riefst du Gottes Volk zur Buße, und Erneuerung begann. Katharina, weck aufs Neue Liebe, Mut und Christustreue, fang in unseren Herzen an!

Pater Michael Wegner, C.S.Sp


29.04.2021

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