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Missionarin auf Zeit

Im Projekt "MissionarIn auf Zeit" (MaZ) bietet jungen Menschen die Möglichkeit in einem zeitlich befristeten Aufenthalt mit einer religiös geprägten Lebensgemeinschaft Erfahrungen in einer anderen Kultur zu machen.

Der Aufenthalt kann als Freiwilligendienst im Ausland angerechnet werden.

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Pfingstimpuls 2021 : Erlauben wir uns einen Webfehler!

Ostern, Weihnachten, Pfingsten: das sind die drei großen Feste unserer Kirche. Dabei hat Pfingsten von allen scheinbar das geringste Profil. Ein zusätzlicher „Feiertag“ wird uns am Pfingstmontag geschenkt und das nutzen viele aus für Kurzurlaube, Ausflüge, Partys – soweit es die Pandemie zulässt.

(c) P. Heinz Sand, CSSp (Pfingsten 2021)

(c) P. Heinz Sand, CSSp (Pfingsten 2021)

Pfingsten: das Geburtsfest der Kirche

Pfingsten ist das Geburtsfest der Kirche, das Fest des Heiligen Geistes. Aber mit ihm tun wir uns schwer, er ist so wenig greifbar, ganz anders als Jesus Christus, der den Menschen begreifbar war im wahrsten Sinne des Wortes. Er wurde Mensch, ein Kind in der Krippe. Als Mensch, greifbar und erfahrbar, hat er unter uns Menschen gelebt. Den Jüngern und den Menschen seiner Zeit war er sichtbar, manchem auch unbequem.

Als er zurückkehrte zum Vater hinterließ er uns als Zeichen seiner bleibenden Nähe den Heiligen Geist. Daran erinnern wir uns an Pfingsten. Wer oder was aber ist dieser Heilige Geist? Wie spüren und erfahren wir diese bleibende Nähe Gottes?

Der Heilige Geist: eine Leben spendende Kraft

Einen ersten Antwortversuch könnten wir damit wagen, was uns die Heilige Schrift über den Heiligen Geist sagt. Sie spricht von ihm in ganz unterschiedlichen Bildern. Von einem heftigen Sturm ist in der Apostelgeschichte die Rede – aber auch vom Hauch, mit dem Jesus seinen Jüngern seinen Geist weitergab. Wir hören von Zungen wie von Feuer, die den Aposteln und Maria erschienen – aber auch von unsichtbaren Wirkungen dieses Geistes, der die verschiedenen Gaben zu einer Gemeinschaft zusammenführt.

Einen zweiten Erklärungsversuch könnten wir unternehmen mit den Worten eines Pfingstliedes in dem es heißt: „Du stille Macht, du verborgne Kraft“, so wird der Heilige Geist im Pfingstlied besungen. Der Geist, die stille Macht, ist die Kraft Gottes, die alles ins Leben ruft, die am Leben erhält und zum Leben zurückführt. Er ist die Kraft Gottes, die in allen Menschen wirkt, die für das Leben Gottes und seine Weisungen eintreten und diese den Menschen nahe bringen.

All diese Erklärungsversuche zeigen uns: Der Heilige Geist lässt sich nicht theoretisch erklären, der Heilige Geist wird erfahren. Seine Wirkungen sind spürbar. Der Heilige Geist ist ein Geschenk, eine Leben spendende Kraft, eine innere Erregung, er verändert die Wirklichkeit, indem er Menschen Dinge tun lässt, die sie aus sich selbst heraus nicht zu tun imstande wären. Er befähigt uns zur Hingabe, zur Überschreitung unserer eigenen Grenzen. Er stiftet Beziehungen, haucht wahres Leben ein. Er ist also eine ganz dynamische Kraft.

Das nordamerikanische Indiovolk der Navajos hat diese Dynamik des Geistes erkannt. Wenn sie einen Teppich herstellen, dann weben sie bewusst in einer Ecke einen kleinen Webfehler ein. Den betrachten sie als die Stelle, an der der Geist in den Teppich hinein- und aus ihm herausgeht: Dort, wo das exakte Muster unterbrochen wird, bekommt der Geist eine Chance. Treffender kann man das Wirken des Geistes doch kaum beschreiben!

„Am Anfang steht ein Webfehler!“

„Der hat einen Webfehler.“ Das sagen auch wir manchmal von einem Menschen, den wir für etwas verrückt halten. An Pfingsten – als der Geist Jesu, der Heilige Geist einen Zugang zu den Aposteln fand, als sie begeistert das Evangelium von Jesus Christus verkündeten – da sagten die anderen: „Die haben einen Webfehler! Die sind nicht ganz bei Verstand! Die sind verrückt oder gar betrunken!“

Die Geschichte der Kirche beginnt also mit einem Webfehler. Am Anfang steht nicht eine konstituierende Mitgliederversammlung, bei der sich die Jünger unter der Leitung von Petrus auf eine für alle Völker und alle Zeit unverändert gültige Verfassung geeinigt hätten. Am Anfang steht nicht das exakte Muster – Grundsätze, die man bewahren und vor jeder Veränderung schützen muss –, sondern ein Webfehler: Das Hereinbrechen des Heiligen Geistes in das Haus und in die Menschen, die im Vertrauen auf Jesus dort warten: Ängstliche bekommen Mut, Zögernde geraten in Bewegung, Unsichere werden Zeugen.

Es waren und sind immer Menschen mit kleinen Webfehlern, begeisterte und begeisternde Christen, die der Kirche zu neuen Aufbrüchen, zu einem neuen Pfingsten verholfen haben. Und dazu gehören auch wir.

Erlauben wir uns einen Webfehler!

Machen wir’s also wie die Navajos – erlauben wir uns einen Webfehler im oft so eintönigen Muster unseres Alltags! Gönnen wir uns kleine Auszeiten für Stille und Gebet, für etwas, das uns begeistert und erfüllt! Erlauben wir uns einen Webfehler im oft so festgefahrenen Umgang mit anderen Menschen! Durchbrechen wir das geistlose Verhaltensmuster, immer mehr haben und immer besser sein zu wollen. Machen wir uns selbst die Freude, unsere Talente für andere einzusetzen!

Wenn wir, begeistert vom Geist und in der Kraft des Geistes so zu leben versuchen, und wenn dann jemand von uns behauptet, wir hätten einen Webfehler, dann können wir stolz darauf sein und lächelnd antworten: „Hoffentlich!“ oder „Gott sei Dank – in der Kraft des Geistes!

Pater Michael Wegner, CSSp


23.05.2021

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