Suche
Notel

In der Notschlafstelle für obdachlose Drogenabhängige in Köln (NOTEL) erhalten die Gäste jede Nacht eine warme Mahlzeit, eine Dusche, die Möglichkeit, ihre Wäsche waschen zu lassen und ein Bett.

weitere Infos...

„Mit einem starken Willen und unerschütterlichen Glauben bewaffnet“

Pater João Luis Dimba ist verstorben

João Luis Dimba musste aufgrund eines Bürgerkriegs in seinem Land wie Millionen anderer Menschen seine Heimat verlassen. In einem Flüchtlingslager lernte er die Spiritaner kennen und wurde von ihrem einfachen Lebensstil und ihrem Dienst an den Armen angezogen. Nach einem neunzehnjährigen Engagement als Ordenspriester und Missionar wurde er am 24. März 2021 im Alter von 51 Jahren von Gott heimgerufen. Er stand im 27. Jahr seines Ordenslebens. Das Requiem fand am Dienstag, den 20. April 2021, um 11.00 Uhr im Generalat der Spiritaner in Rom statt.

Pater João Luis Dimba, C.S.Sp (c) Spiritanroma

„Nicht die Jahre in unserem Leben zählen, sondern das Leben in unseren Jahren.“ Dieser Spruch eines amerikanischen Juristen, Politikers und Diplomaten, Adlai Ewing Stevenson II. (1900 – 1965), hat sich im Leben unseres Mitbruders João Luis Dimba bewahrheitet. Zwar ist er im jungen Alter von 51 Jahren heimgegangen, aber es ist ihm gelungen, das Leben vieler Menschen auf unterschiedliche Art und Weise zu berühren und zu prägen. Er war einfach ein Segen für alle, die ihm nah kamen.

Geboren am 19. Mai 1969 in Nkhame, im Angonia Distrikt der Nordwestprovinz von Mosambik, musste er mit 17 Jahren aus seiner Heimat fliehen und getrennt von seinen Eltern leben. Er hatte gerade sein Abitur erfolgreich abgeschlossen und beschäftigte sich schon mit dem Gedanken, Priester zu werden. Leider konnte er zu diesem Zeitpunkt seinem Traum nicht nachgehen, denn sein Land befand sich in einem Bürgerkrieg. Damals kämpften die Anhänger der Rebellengruppe „Renamo“ (eine Abkürzung für die „Mosambikanische Nationale Widerstandsbewegung) gegen die regierende Partei „Frelimo (Mosambikanische Befreiungsfront). Aufgrund dieser blutigen Auseinandersetzung „wurden viele Menschen getötet. Die Rebellen griffen kleine Städte an und plünderten Sachen. […] Viele meiner Freunde, Verwandten und Lehrer wurden getötet. Mehr als eine Million Menschen starben während der 17 Jahre des Bürgerkrieges“, schrieb Pater Dimba in der Zeitschrift „Spiritan Horizons“ (Siehe: Dimba, J. L. (2007). From Mozambican Refugee to a Spiritan Missionary Spiritan Horizons, 2(2). Retrieved from https://dsc.duq.edu/spiritan-horizons/vol2/iss2/17).

Trauerfeier von Pater João Luis Dimba, C.S.Sp

Trauerfeier von Pater João Luis Dimba, C.S.Sp

Kampf ums Überleben in einem fremden Land

Um den Angriffen der Rebellen zu entfliehen, musste er sich auf eine risikoreiche Reise begeben. „Ich schaffte es durch den Wald drei Tage und drei Nächte hindurch. Letztendlich gelangte ich nach Malawi mit nichts außer einer Hose, einem Hemd und mir selber“, erklärte er. In diesem neuen Land war er auf sich allein gestellt und musste im Flüchtlingslager allein zurechtkommen. Er versuchte sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Jedoch „wollten viele Leute meine Geschichte nicht hören. Viele glaubten, ich würde lügen, um ein leichtes Leben zu erreichen. […] Ich war Zielscheibe und Gegenstand des Spotts inmitten der beleidigenden Menschenmenge von Malawi geworden“, erinnerte er sich.

Zum Glück gab es auch eine handvoll netter Menschen, die unserem Mitbruder mit Rat und Tat zur Seite standen. „Ich werde gewiss nicht die Freundlichkeit der Herren Ceasario Kabango, Boniface Kunyengana und Malisela Kasala in Dedza West vergessen, die genau verstanden, was ich litt, und mir Mut und Hoffnung gaben. Es ist durch die Gespräche mit ihnen, dass der Entschluss reifte, Englisch zu lernen mit dem Ziel, in einen Orden einzutreten. Ich hatte mit ihnen meine Geschichte geteilt und sie hatten sie wirklich verstanden“, bemerkte Pater Dimba.

Pater John Fogarty, C.S.Sp (Generaloberer)

Pater John Fogarty, C.S.Sp (Generaloberer)

„Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade!“

Bewaffnet mit einem starken Willen und unerschütterlichen Glauben suchte er nach Möglichkeiten, um den Englischsprachkurs zu absolvieren. „Ich ging in die Grenzwälder von Mosambik, fünf Kilometer vom Flüchtlingslager entfernt, wo ich etwas Feuerholz aufsammelte, das ich den Lehrern in den Schulen der Gegend verkaufte. Ich tat dies mehrmals und brachte es fertig, die erforderlichen 8,00 U.S.D für die Einschreibung zu bekommen“, bekräftigte er. Anschließend konnte er sechs monatelang den Englischkurs verfolgen, und dann wurde er der Schule verwiesen. Denn bei einer zufälligen Kontrolle durch die malawische Polizei konnte er weder eine gültige Aufenthaltserlaubnis noch eine Studienerlaubnis vorweisen. Aber wie heißt es in einem Sprichwort: „Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade.“ Durch dieses für ihn enttäuschende Erlebnis lernte er den aus Irland stammenden Spiritanerpater, Conor Kennedy, kennen. Pater Kennedy kümmerte sich um Flüchtlinge und deren Belange. Dank seiner Unterstützung konnte Pater Dimba eine Studienerlaubnis erhalten und seinen Englischsprachkurs an der vom P. Kennedy gegründeten Schule fortsetzen. Auch mit Hilfe dieses Spiritanermissionars gelang es ihm, seine Eltern und Geschwister nach mehr als drei Jahren der Trennung ausfindig zu machen.

Vom Flüchtling zum Spiritanermissionar

Am Ende des dreijährigen Englischsprachkurses, den er mit einem Stipendium der UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) belegte, entschied er sich, Spiritaner zu werden. „Mich hat insbesondere Pater Kennedys unermüdlicher Eifer und sein Engagement den Flüchtlingen aus meiner Heimat und den Armen seiner Gemeinde gegenüber sehr inspiriert und angezogen“, sagte Pater Dimba. Im Jahre 1988 besuchte er P. Kennedy und erzählte ihm von seiner Sehnsucht nach einem Leben als Ordensmann. Der Missionar aus Irland hörte ihm gut zu und beriet ihn, sich Zeit zu nehmen, um sein Vorhaben gewissenhaft zu prüfen. Nach acht Monaten des Abwägens und des intensiven Gebetes kehrte er zurück und war sehr überzeugt, dass dieser Weg für ihn der richtige sei. „Ich wollte nicht den Spiritanern beitreten, weil P. Kennedy mir geholfen hatte, sondern weil ich so hilfreich zu anderen sein wollte, auf einem spiritanischen Weg, wie er hilfreich war zu so vielen leidenden Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt worden waren“ gab er zu erkennen.

Ende 1990 wurde er im Postulat der Spiritaner aufgenommen, und im darauffolgenden Jahr ging er nach Südafrika, um das zweijährige Vornoviziats-Programm zu absolvieren. Dieses Programm sollte den Teilnehmern helfen, sich über ihre Berufung klar zu werden. Insgesamt 11 Jahre dauerte seine priesterliche Ausbildung. Seine Ausbildungsjahre führten ihn nach Südafrika, Kenia, Uganda, Tansania und Zambia. „Während der vielen Jahre meiner Ausbildung traf ich Persönlichkeiten aller Art. Einige waren misstrauisch gegenüber meiner Berufung und fragten offen, ob ich mich nicht den Spiritanern angeschlossen hatte, um ein besseres Leben zu haben. Einige interpretierten alle meine Fehler, sogar diese allgemein menschlichen Fehler, als eine Nachlese meiner Flüchtlingsjahre in Malawi. Andere pflegten, mir so viele Fragen im Hinblick auf meine Situation zu stellen, nicht weil sie etwas Positives daraus lernen wollten, sondern, um mich zu verspotten. All dies führte zu meinen Gefühlen der Unsicherheit, Zurückweisung und Beleidigung“, fasste er zusammen.

Trotz dieser bedrückenden Erfahrungen gab P. Dimba die Hoffnung nicht auf, stattdessen gewann er eine tiefe Selbsterkenntnis: „Zwar können die Menschen eigene Meinung über mich haben, aber nur ich habe die letzte Wahl, die Person zu werden, die ich werden wollte.“ Beflügelt durch diese neue Erkenntnis sowie von den Berufungsgeschichten des Moses, Jesaja, Jeremia usw. hielt er bis zum Ende durch. So wurde er nach einem einjährigen Diakonats-Praktikum in Sambia am 18. Mai 2002 in Südafrika zum Priester geweiht. Das war der schönste Tag seines Lebens.

Missionseinsatz und Tod

Nach seiner Priesterweihe sammelte er Erfahrungen in der Gemeindeseelsorge in Malawi und war Leiter des Postulats der Spiritaner. P. Dimba war ein ausgebildeter und erfahrener Exerzitienbegleiter, dem man gerne zuhörte. Er beherrschte sieben Bantusprachen sowie Englisch und Portugiesisch. Von 2006 bis 2011 wählten ihn seine Mitbrüder zum Superior der Spiritaner in den südafrikanischen Gebieten, wo der Orden tätig ist. Kurz danach wurde er im Jahre 2013 der Obere der Spiritaner in Malawi. Er blieb im Amt, bis er 2017 von der Generalleitung der Kongregation gebeten wurde, sich dem Generalrat in Rom anzuschließen.

Mitglieder der Generalleitung der Spiritaner.

Mitglieder der Generalleitung der Spiritaner.

In Rom war Pater Dimba zuständig für Kommunikation und die Vorbereitung der Seligsprechungsprozesse der Ordensmitbrüder. Zudem war er auch die Ansprechperson für die Spiritanerprovinzen in Angola, Kap Verde, Malawi, Mosambik, Südafrika, Sambia, Simbabwe. Am 24. März 2021 starb er im Alter von 51 Jahren in Rom. Sein plötzlicher Tod hinterlässt eine große Lücke.

Wir danken Gott für sein Leben und seinen Dienst und bitten darum: Er möge ihm eine nicht enden wollende Heimat in seinem Reich der Liebe und des Friedens schenken. Amen

Pater Samuel Mgbecheta, CSSp


22.04.2021

zurück...

facebook

powered by webEdition CMS