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NOTEL

Im NOTEL,  der Notschlafstelle für Drogenabhängige, ist die kleine Kapelle spirituelles Zentrum für Mitarbeiter und Gäste.

Ziel ist nicht Bekehrung, sondern als Christen präsent zu sein und aufgrund des Glaubens Hoffnung zu vermitteln.

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Impuls zum Ostersonntag 2021

Ostern ist das unverwechselbare Gütesiegel, dass Gottes Liebe auch im Dunkel des Todes standhält, dass das tragende Netz der Nähe und Zuwendung Gottes auch durch Hass, Gewalt und Egoismus und durch keine noch so große Sinn- und Lebenskrise zerrissen werden kann. Das durfte Maria von Magdala am Ostermorgen als erste erfahren, das durften die Jünger erfahren. Und das dürfen auch wir immer wieder neu erfahren. Und so dürfen wir einstimmen in den österlichen Jubelruf: Halleluja! Jeus lebt! Und auch wir werden leben, geborgen in seiner Liebe.

Maria Magdalena, „Apostelin der Apostel“.

Maria Magdalena, „Apostelin der Apostel“.

Ostererzählungen: „Liebesgeschichten“

Im Evangelium vom Ostermorgen (Joh 20, 1-18) erklingen für mich verschiedene Liebesgeschichten. Eine Frau sucht verzweifelt einen Mann; sie weint, sie klagt, sie fragt nach ihm: „Ich suche den, den meine Seele liebt! Ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. – Sag mir, wohin hast du ihn gelegt?“

Die Frau, die klagt und weint, die so fragt und spricht, ist Maria von Magdala, auch Maria Magdalena genannt: Die „Apostelin der Apostel“, denn ihr ist als erste der Auferstandene erschienen. Ausgerechnet ihr, mit ihrer so dunklen Vergangenheit. Jahrzehntelang musste sie sich mit dem Makel der geläuterten Prostituierten herumschlagen. Und das, weil man sie mit jener Maria, der „Sünderin“ verwechselte, die Jesus die Füße mit kostbarem Nar-denöl salbte und mit ihren Haaren abtrocknete. Hören Sie, welch wunderbare Liebesgeschichte auch hier durchklingt?

Maria Magdalena hat Jesu Vollmacht und Liebe am eigenen Leib erfahren!

Maria von Magdala wurde auch als die heimliche Geliebte Jesu angesehen. Und das ist nicht einmal ganz so verkehrt. Ja, sie hat ihn geliebt! Sie hat Jesu Vollmacht und Liebe am eigenen Leib erfahren! Sieben böse Geister hat er ihr ausgetrieben – er hat sie geheilt! Maria von Magdala bestätigt dies: „Ja, diese Begegnung mit Jesus hat mein Leben völlig verändert. Ich habe mich ihm angeschlossen, bin mit ihm und seiner Schar durchs Land gezogen, um das Reich Gottes zu verkünden. Ich konnte gar nicht anders! Ich bin ihm nachgefolgt. Ich tat es gern, aus Liebe zu Jesus. Darum ging ich am Morgen nach dem Sabbat auch zum Grab, um ihn zu salben – das Einzige, was ich noch tun konnte. Ja, ich habe ihn geliebt. Keiner kann ermessen, was er für mich bedeutet hat. Ich, die nichts war; eine, die sich so leer fühlte - er war meine Erfüllung! Das Grab war für mich der beste Ort, um bei ihm zu sein und um ihn zu trauern. Doch: O Schreck! Das Grab war offen, der Stein war weggenommen! Man hatte ihn nicht nur umgebracht, sondern ihn offensichtlich auch beseitigt. Selbst meinen geliebten Toten haben sie mir geraubt!“

Maria Magdalena: „Apostelin der Apostel“

Wie wahnsinnig vor Schmerzen, mit Tränen in den Augen und im Herzen lief Maria von Magdala zu Simon Petrus und zum Jünger, den Jesus liebte (wir vermuten, dass damit Jo-hannes gemeint ist). Also noch eine Liebesgeschichte, an die wir an diesem Ostermorgen erinnert werden.

Nachdem Maria von Magdala den beiden Jüngern erregt berichtet hatte, was geschehen war, liefen diese – von der Liebe zu Jesus regelrecht angestachelt – um die Wette zum Grab, fast so, wie im Wettlauf des Lebens! Sie wollten sich selbst davon überzeugen, dass Maria Magdalena die Wahrheit gesagt hat. Und tatsächlich: sie finden das leere Grab vor – fein säuberlich aufgeräumt! Und zumindest vom Lieblingsjünger heißt es: „Er sah und glaubte!“

„Maria, halte mich nicht fest, ich bin nicht deine Vergangenheit, ich bin deine Zukunft..."

Und wie geht die Liebesgeschichte der Maria Magdalena weiter? Sie steht draußen vor dem Grab und weint sich die Seele – die gebrochene Seele – aus dem Leib! Ihre Augen waren von den Tränen so verschleiert, dass sie Jesus, den Auferstandenen, nicht sehen und schon gar nicht erkennen konnte, als er hinter ihr stand. Sie spürt, dass da einer steht und dann hört sie wie von fern ihren Namen: „Maria!“

Sie ist erschrocken, sie wendet sich um, wendet sich innerlich dieser so liebevoll klingen-den Stimme zu, die da ruft: „Maria!“ Sie schaut ihm ins Gesicht – und sie hat keinen Zwei-fel: „Du bist es, Freund, du bist es, Meister meiner Seele! Du lebst“ – ruft sie voll Freude mit heißerer und zitternder Stimme. Welch ein Liebesdrama! Um den Hals fallen möchte sie ihm. Aber er weicht zurück und sagt zu ihr: „Maria, halte mich nicht fest. Ich bin nicht deine Vergangenheit, ich bin deine Zukunft. Ich gehöre nicht dir allein, sondern allen, die leben wollen und die mich lieben!“

So werden auch wir hineingenommen in dieses Liebesdrama. Ostern, die Auferstehung, wird zu unserer Liebesgeschichte mit Jesus: Er liebt uns – bis in den Tod, und wir dürfen ihn lieben, unser Leben lang, in Freud und Leid, in hellen und in dunklen Stunden.

Ostern: Die große und niemals endende Liebeserklärung Gottes an uns Menschen

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, dass Ostern die große und niemals endende Liebeserklärung Gottes an uns Menschen ist! Aus Liebe zu uns Menschen gab er seinen Sohn dahin. Aus Liebe zum Vater und zu uns Menschen hat Jesus Christus Leiden und Tod auf sich genommen. Diese Liebe ist stärker als der Tod, heller und strahlender als das dunkle Grab! Das Licht dieser Liebe strahlt uns am Ostermorgen neu auf und erfüllt uns mit neuem Mut, neuer Hoffnung, mit neuem Leben, mit neuer Lebensfreude, die auch dann stand hält, wenn sie im Alltag von dunklen Wolken verdeckt wird.

Ostern ist das unverwechselbare Gütesiegel, dass Gottes Liebe auch im Dunkel des Todes standhält, dass das tragende Netz der Nähe und Zuwendung Gottes auch durch Hass, Gewalt und Egoismus und durch keine noch so große Sinn- und Lebenskrise zerrissen werden kann. Das durfte Maria von Magdala am Ostermorgen als erste erfahren, das durften die Jünger erfahren. Und das dürfen auch wir immer wieder neu erfahren. Und so dürfen wir einstimmen in den österlichen Jubelruf: Halleluja! Jeus lebt! Und auch wir werden leben, geborgen in seiner Liebe.

P. Michael Wegner CSSp.


04.04.2021

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