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Notel

In der Notschlafstelle für obdachlose Drogenabhängige in Köln (NOTEL) erhalten die Gäste jede Nacht eine warme Mahlzeit, eine Dusche, die Möglichkeit, ihre Wäsche waschen zu lassen und ein Bett.

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Impuls zum fünften Fastensonntag 2021: „Es geht anders!“

„Es geht anders!“ Das ist eine Erfahrung, die wir in der Zeit der Corona-Pandemie machten und immer noch machen. „Die Corona-Krise hat wie ein Brennglas gezeigt, wo Veränderung nötig ist, von Strukturen nicht dem Leben und der Sicherheit dienen; sie hat Ungerechtigkeiten noch einmal mehr in den Fokus gerückt und vertieft“, so beschriebt es Andreas Paul von Misereor in Aachen.

Pater Michael Wegner, CSSp

Pater Michael Wegner, CSSp

Die Pandemie hat gelehrt: Es geht anders!

„Es geht anders!“ mit diesem Leitwort lädt uns die diesjährige Misereor-Fastenaktion ein zu einer Neuausrichtung unserer Lebensweise, zur Solidarität mit den Armen und Notleidenden im Amazonas-Tiefland von Bolivien und zum Mitwirken am sozialen und ökologischen Wandel in unserer Welt und Zeit.

Dass es anders geht und anders gehen muss, das hat uns das Leben und der Alltag in dieser Pandemie gelehrt. Wir mussten lernen, ganz anders mit Einschränkungen und Einsamkeit, mit Krankheit, Leiden und Tod, mit Verlusten und Existenzkrisen umzugehen. Wir durften aber auch lernen und erfahren, wie anders und besser unser Leben in der eigenen Familie und in der Gesellschaft insgesamt gelingen kann: mit mehr Solidarität und Verständnis, Achtsamkeit und Aufmerksamkeit füreinander, mit mehr Geduld und Versöhnungsbereitschaft; kurzum: mit mehr Nächsten-, Gottes- und Eigenliebe.

Im Tod Jesu Christi leuchtet die Kraft der Liebe auf

„Es geht anders!“ Das lehrt uns auch das heutige Evangelium (Joh 12, 20-33). Es ist die letzte öffentliche Rede Jesu vor den Griechen beim Paschafest in Jerusalem. Er beginnt sie mit dem Satz: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird!“ Mit diesen Worten fasst Jesus das Ziel seines Lebens zusammen. Sein Weg führt durch Leiden und Tod zum Licht der Auferstehung, das das Leben aller Menschen neu erhellen soll.

Der Menschensohn wird „verherrlicht“. Mit diesem Wort von der Herrlichkeit, vom göttlichen Lichtglanz, der so ganz anders - in einem irdischen Leben - sichtbar wird, spricht Jesus die Sehnsucht der Griechen und wohl auch unsere Sehnsucht an. Die Griechen waren vor allem schauende Menschen. Sie liebten das Schauspiel, um darin das Geheimnis des Lebens zu entdecken. Doch es kommt ganz anders: Am Kreuz dürfen sie all das schauen, wonach sie sich gesehnt haben. Ausgerechnet in der Passion, im grausamen Sterben eines Menschen am Kreuz, werden sie Gottes Licht und Gottes Liebe schauen“ (Anselm Grün: Das große Buch der Evangelien, S. 538 ff). Um die Herr-lichkeit Gottes im Kreuz erkennen zu können, brauchten die Griechen damals und brau-chen wir heute „ganz andere Augen“.

Jesus selbst öffnet uns die Augen mit dem Bildwort vom Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt und reiche Frucht bringt. So erklärt Jesus die Wirkung seines Todes. In seinem Sterben am Kreuz werden große Kräfte freigesetzt, die die ganze Welt verwandeln und die zeigen: es geht anders – auch wenn es paradox erscheint: Es ist die Kraft der Liebe, die in seinem Tod aufleuchtet. Die Liebe, die am Kreuz sichtbar wird, schlägt in den Seelen vieler Menschen Wurzeln und wird fruchtbar.

Das Leben wird sich durchsetzen ...

„Das Bild vom Weizenkorn erklärt sehr schön, worum es geht: Wer nur an sich selbst denkt und seinen eigenen Vorteil im Blick hat, wer sein Herz nur an irdische Güter hängt, an Dinge, die es auf dieser Welt gibt und die man kaufen kann, der ist arm dran. Wer dagegen glaubt, dass sein Leben von Gott kommt, und dass der Sinn seines Lebens nicht vom Erfolg oder vom Reichtum abhängt, der hat nichts zu befürchten“ (Renate Brosseder in: Prediger und Katechet Nr. 2/2009, S. 276). Der Mensch, der wie Jesus seiner Überzeugung treu bleibt und ohne Angst das tut, was vor Gott richtig ist, der lebt anders, der hat das Leben in Fülle.

Die am Kreuz aufstrahlende Herrlichkeit, die Auferstehung Jesu, der wir entgegen gehen, ermutigt uns: Es geht anders! Das Leben wird sich durchsetzen, ein Wandel ist möglich, es gibt auch ein anderes, „normales“ Leben nach der Pandemie. Wir haben einen Gott an unserer Seite, der uns auf den Wegen des Lebens und auf dem Weg der Veränderung begleitet. In diesem Vertrauen dürfen wir voll Zuversicht in die fünfte Woche der Fastenzeit gehen, dem Licht und der Freude der Auferstehung entgegen.

P. Michael Wegner CSSp.


19.03.2021

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