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Heilig-Geist-Gymnasium, Broichweiden / Würselen

Kompetenzen fördern - Leistung fordern - Persönlichkeit formen - Glauben leben. Das sind die Säulen des Heilig-Geist-Gymnasium in Broichweiden / Würselen.

Auf der Grundlage des christlich-spiritanischen Welt- und Menschenbildes erhalten die Schülerinnen und Schüler ganzheitliche und exzellente Bildung und Erziehung.

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Impuls zum ersten Fastensonntag 2021 - 1

Auf der richtigen Spur

Die Fastenzeit ist ja traditionell eine Zeit des Verzichtes. Aber haben wir in diesen Zeiten der Corona-Pandemie nicht schon genug verzichtet? Ist es nicht allmählich genug? Haben wir nicht genug Lock-down? Worauf sollen wir denn noch verzichten – dürfen wir denn überhaupt keine Lebensfreude mehr haben?

Pater Michael Wegner, CSSp

Pater Michael Wegner, CSSp

Wenn wir so fragen, dann sind wir auf der falschen Spur! Der emeritierte Erzbischof von Freiburg, Robert Zollitsch, kann uns dabei helfen, auf die richtige Spur zu kommen. In sei-nem Begleiter für die Fasten- und Osterzeit (2010) schreibt er: „Die Tage der österlichen Bußzeit laden dazu ein, sich den Grundfragen des Lebens zu stellen und die eigenen Ant-worten daraufhin zu prüfen, ob sie sich als tragfähig erweisen.“ (Zollitsch: Weit mehr als wir für möglich halten. Ein Begleiter für die Fasten- und Osterzeit. Herder, Freiburg, 2010, S. 11). Ich denke, das ist ein gu-tes Rezept für die „etwas andere“ Fastenzeit im Pandemie-Jahr 2021.

Die Grundfrage, die sich stellt, lautet: „Ist dir, Mensch, eigentlich klar, dass dein Leben endlich ist, dass du sterblich bist?“ (Zollitsch: Weit mehr als wir für möglich halten. Ein Begleiter für die Fasten- und Osterzeit. Herder, Freiburg, 2010, S. 11). Die Corona-Pandemie stellt uns angesichts der zahl-reichen Todesopfer weltweit die Endlichkeit des Lebens deutlich vor Augen. Ohne an die-ser Tatsache zu verzweifeln dürfen wir uns fragen: „Kann ich mein Leben wie bisher wei-terleben, wenn ich mir meine Sterblichkeit (meine Grenzen) eingestehe? Sind meine Prio-ritäten richtig gesetzt? Und worauf zielt meine Hoffnung?“ (Zollitsch: Weit mehr als wir für möglich halten. Ein Begleiter für die Fasten- und Osterzeit. Herder, Freiburg, 2010, S. 13). Fragen, die sich uns auch im Blick auf die Zeit nach der Pandemie stellen.

Papst Franziskus hilft uns mit seiner Fastenbotschaft ebenfalls auf die richtige Spur. Er bezeichnet die Fastenzeit als eine Zeit der Erneuerung von Glaube, Hoffnung und Liebe. „Die Fastenzeit dient dazu, den Glauben zu vertiefen, beziehungsweise Gott in unser Le-ben einzulassen und ihm zu erlauben, bei uns Wohnung zu nehmen (vgl. Joh 14,23). … Die Fastenzeit ist dazu da, um zu hoffen, um von neuem den Blick auf die Geduld Gottes zu richten. … Die auf den Spuren Christi in Aufmerksamkeit und Mitgefühl gegenüber jedem Menschen gelebte Liebe ist der höchste Ausdruck unseres Glaubens und unserer Hoff-nung. … Eine Fastenzeit der Liebe leben heißt, sich um den kümmern, der aufgrund der Covid-19 Pandemie eine Situation des Leidens, der Verlassenheit oder Angst durchmacht. … Die Fastenzeit will uns helfen, den Glauben, der vom lebendigen Christus kommt, die Hoffnung, die vom Hauch des Heiligen Geistes beseelt wird, und die Liebe, deren uner-schöpfliche Quelle das barmherzige Herz des Vaters ist, zu erneuern.“(Fastenbotschaft von Papst Franziskus, Vatikan, 2021.)

Auch das Evangelium des ersten Fastensonntags (Mk 1,12-15) will uns auf die rechte Spur bringen. Da finden wir Jesus in der Wüste, wo er vom Satan in Versuchung geführt wird. Worin diese Versuchungen bestehen, das schildert uns Markus, der Evangelist, nicht. Er stellt nur kurz und knapp fest: Jesus „lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm“ (1,13). Welch ein Kontrast! Es ist genau der Kontrast, die Spannung, in der auch wir leben. Jede und jeder von uns hat seine eigenen „wilden Tiere“, die ihn umgeben, große und kleine Sorgen: Einsamkeit; Krankheit, Trauer, Arbeitslosigkeit… Das sind Herausforde-rungen, mit denen wir umgehen müssen, ohne daran zu zerbrechen. Wie Jesus, so müssen auch wir sie erkennen, akzeptieren und mit ihnen leben lernen. Dann werden in schwieri-gen Zeiten auch für uns Engel erkennbar werden, die uns als Gottes Gesandte den siche-ren Weg der Hoffnung, des Vertrauens und der Liebe zeigen. Und wer weiß – vielleicht können wir selbst ja für andere Menschen solche Engel sein. So also sieht die Spur aus, der wir in der „etwas anderen“ Fastenzeit 2021 folgen können. So dürfen wir diese Zeit annehmen als Geschenk Gottes an uns, denn: „Nur in der ge-schenkten Zeit kann wachsen, was das Leben reich und lebenswert macht.“(Martin Rohner in: Prediger und Katechet Nr. 2/2021, S. 207).

So dürfen wir beten, bekennen und bitten: „Allmächtiger Gott, überall bist du bei uns, beim Feiern und im Alltag. Du schenkst uns die heiligen vierzig Tage als eine Zeit der Umkehr und der Buße. Wir können neu beginnen und heil werden. Gib uns durch ihre Feier die Gnade, dass wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten, dass Jesus unser Freund wird, damit wir im Gespräch sind, und die Kraft seiner Erlösungstat durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen. Denn auch wir können zuhören, begegnen, Zeit verschenken, Lasten miteinander tragen und Licht in die Welt bringen, wie er es uns lehrt. Darum bitten wir durch ihn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt, liebt und wirkt in alle Ewigkeit. Amen.“(Regina Groot Bramel: Aktualisiertes Tagesgebet am 1. Fastensonntag, in: Predigten Plus, Lesejahr B, Herder, Freiburg, 2020, S. 64).

P. Michael Wegner CSSp.

1. Fastensonntag B - Auf der richtigen Spur!


21.02.2021

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