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Missionarin auf Zeit

Im Projekt "MissionarIn auf Zeit" (MaZ) bietet jungen Menschen die Möglichkeit in einem zeitlich befristeten Aufenthalt mit einer religiös geprägten Lebensgemeinschaft Erfahrungen in einer anderen Kultur zu machen.

Der Aufenthalt kann als Freiwilligendienst im Ausland angerechnet werden.

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Impuls zum 32. Sonntag B

Jesus lädt uns ein, uns zu hinterfragen, wo ich selbst reich bin, was mir zum Hindernis werden könnte für meine Offenheit für Gott und für den Nächsten. Viele der Heiligen, deren wir in den letzten Tagen und Wochen des Kirchenjahres gedenken, haben uns dies vorgelebt.

„Zeugin dafür, wie viel Gutes eine Geldspende vermag, ist jene Frau, die mit den zwei gespendeten kleinen Münzen so reiche Frucht brachte, dass sie alle Silbertalente der Könige in den Schatten stellte. Wie reich war doch die Armut der Witwe! Wie herrlich war ihr Glaube, der solches hervorbrachte! Denn siehe, so wenig Geld, in einem Winkel verborgen, hat die Erde erfüllt und ist zum Himmel hinaufgestiegen.“ So betete die Kirche des Mittelalters zum Text des heutigen Evangeliums.

Die Witwen waren zur Zeit Jesu eine besonders bedürftige Gruppe. Sie waren in keinster Weise sozial abgesichert. Starb der Mann, so starb auch der Versorger der Familie. Um sich und ihre Kinder zu ernähren, mussten sie in fremden Familien für einen Hungerlohn arbeiten. Besaßen sie Häuser, so mussten sie diese häufig zu Wucherzinsen beleihen, um zu überleben. Viele Reiche zur Zeit Jesu verdankten ihren Reichtum dieser Einnahmequelle. Zu ihnen zählten auch Schriftgelehrte und Pharisäer, die aus der Not der Witwen Kapital schlugen und sie ins Elend stürzten. Vielleicht können wir in unseren Tagen das Los der vielen Menschen, die von der Altersarmut bedroht sind oder bereits in Altersarmut leben, mit dem Los der Witwen zur Zeit Jeus vergleichen.

Jesus kritisiert das Verhalten der Reichen, der Ausbeuter sehr klar und scharf. Sie gaben nur etwas von ihrem Überfluss. Die arme Witwe dagegen hat alles gegeben, was sie hatte. Die zwei kleinen Münzen sind ihr ganzer Tageslohn. Somit bleibt ihr an diesem Tag nichts mehr zum Leben.

Ist das nicht etwas unvernünftig und blauäugig? In unseren Augen sicherlich Ja! Aber Jesus lobt in aller Öffentlichkeit das Verhalten dieser Frau. Sie hat für Gott und den Nächsten ihren ganzen Besitz abgegeben, ohne sich über ihre weitere Existenz Sorgen zu machen. Sie legt so ihr Schicksal in Gottes Hand. Er wird für sie sorgen. Sie hat offensichtlich ein großes Gottvertrauen.

Sie setzte ihr ganzes Vertrauen auf Gott

Die Witwe, die weder Geld noch Ansehen in der Gesellschaft hatte, setzte ihr ganzes Vertrauen auf Gott. Ihm hat sie alles übergeben, ihren letzten Cent. Und Jesus knüpft daran eine Lehrstunde für seine Jünger: Mögen die Reichen noch so viel von ihrem Überfluss hergegeben haben, das Opfer der Witwe war sehr viel größer. Sie hat sich selbst verschenkt, und das ist es, was bei Gott zählt: nicht Güter, nicht Besitz, nicht Reichtum, sondern die Gesinnung.

Durch den Vergleich macht Jesus seinen Zuhörern deutlich, dass vor Gott nicht das äußere Tun zählt, sondern die innere Haltung. Es geht schließlich um das Gottvertrauen. Jesus selbst hatte das absolute Gottvertrauen, das er bei der armen Witwe sah. Auch wir könnten in unserem Leben großzügiger sein, hingabefreudig, wenn wir glauben könnten, dass wir das Leben gewinnen, wenn wir es Gott anvertrauen. Das Streben nach Geld und Besitz lässt uns engherzig werden. Wer aber glaubt, wer auf Gott vertraut, der liebt und lebt, weil er keine Angst hat, zu kurz zu kommen.

Jesus lädt uns ein, uns zu hinterfragen, wo ich selbst reich bin, was mir zum Hindernis werden könnte für meine Offenheit für Gott und für den Nächsten. Viele der Heiligen, deren wir in den letzten Tagen und Wochen des Kirchenjahres gedenken, haben uns dies vorgelebt. Nehmen wir da z.B. den heiligen Martin oder die Heilige Elisabeth zum Vorbild.

Pater Michael Wegner, CSSp


06.11.2021

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