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"Missionarinnen und Missionare auf Zeit" (MaZ) bringen sich entsprechend ihrer Fähigkeiten in bestehende Projekte ein.

Meist sind es Projekte im sozialen, medizinischen oder pastoralen Bereich, wie zum Beispiel in Kinderheimen, Krankenstationen, Schulen, Behindertenwerkstätten, Altenpflege...

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Impuls zum 31. Sonntag B

Menschen, Lebenszusammenhänge und Ereignisse sehen wir immer durch eine Brille – egal ob wir eine tragen oder nicht! Unsere Augen, die Pupillen, die sind diese Brille, unser inneres Auge, das dafür sorgt, dass wir sehen, was wir sehen wollen, oder wie wir es sehen wollen. Es kommt also darauf an, das innere Auge zu schulen, damit es richtig sehen kann.

Die Brille des Hörens

Auch im heutigen Evangelium geht es um das rechte Sehen. Im Gespräch Jesu mit den Schriftgelehrten steht die unterschiedliche Sichtweise der Liebe im Zentrum. Es lohnt sich, nacheinander drei verschiedene Brillen aufzusetzen, durch die wir diese Liebe betrachten, ihr ein wenig nachspüren wollen:

Die erste Brille ist die Brille des Hörens: Gottes Liebe zu uns Menschen ist davon geprägt, dass er liebend auf das hört, was wir ihm zu sagen haben. Gott zu lieben, das bedeutet, dass wir ihm alles anvertrauen, was unser Leben ausmacht, dass wir ihm unser ganzes Sein hin-halten und dass wir spüren, dass wir von ihm, von seinem hörenden Herzen verstanden sind. Die Konsequenz daraus besteht für uns im Hinhören auf das Wort Gottes, vor allem aber im Hinhören auf den anderen, im Wahrnehmen, im Zwischentöne Hören und ganz Ohr sein für den anderen.

Die Brille der Sprache

Die zweite Brille ist die des Nächsten oder der Sprache. Die Liebe zu meinem Nächsten ent-faltet sich in der Kommunikation. Diese Kommunikation zwischen uns Menschen ermöglicht es, den eigenen Blick zu weiten und auf den anderen Menschen zuzugehen, ihn ernst zu nehmen, so wie er ist, eine Brücke zwischen ihm und mir zu bauen.

 

Die Brille des Handelns

Die dritte Brille ist die des Handelns. Mit ihr schauen wir auf uns selbst. Denn mein Handeln ist immer ein Spiegelbild meiner Einstellungen, meiner Gedanken und meiner Gefühle. Diese Brille ermöglicht es mir, mich selbst mit Liebe anzuschauen. Nur dann können mein Inneres und mein Äußeres im Einklang sein. Und nur dann kann ich dem anderen mit liebendem Blick, mit einem sehenden Herzen begegnen. Nicht umsonst weist Jesus uns darauf hin, dass wir Gott und den Nächsten lieben sollen wie uns selbst!

Die drei Brillen helfen, den Dreiklang der Liebe zu sehen und zu hören!

Die drei Brillen haben uns geholfen, den Dreiklang der Liebe zu sehen und zu hören. Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe – was für ein wunderbarer Dreiklang – oder besser ge-sagt „Einklang“! Bemühen wir uns darum, diesen in unserem Alltag immer wieder zu hören und immer wieder neu zum Klingen zu bringen.

Das war auch das Anliegen vom Martin Luther, als er vor über 500 Jahren, am Vorabend des Festes Allerheiligen 1517, seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg heftete.

Mit einem geschärften Blick durch die Brille hatte Luther damals erkannt, dass es in der Kirche einen Reformstau gab und dass da ein enormer Handlungsbedarf ist. Dies erkennen und fordern heute auch viele Christen, das erkennt und fordert Papst Franziskus, das erkennen mittlerweile auch viele Verantwortliche und Würdenträger. Sie setzen (hoffentlich) die richtige Brille auf und machen sich gemeinsam auf den synodalen Weg, den wir alle aufmerksam und im Gebet begleiten sollten.

Es liegt an uns, auf die Stimme Gottes in unserem Leben zu hören. Sie wahrzunehmen durch das Dickicht des Alltags und des Stresses. Es liegt an uns, genau hinzuschauen und die Stimme zu erheben für unsere Nächsten, ja zusammen mit ihnen, damit die Liebe Gottes auch in unserer heutigen Welt deutlich, sichtbar, spürbar und hörbar wird.

Pater Michael Wegner, CSSp


30.10.2021

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