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NOTEL

Im NOTEL,  der Notschlafstelle für Drogenabhängige, ist die kleine Kapelle spirituelles Zentrum für Mitarbeiter und Gäste.

Ziel ist nicht Bekehrung, sondern als Christen präsent zu sein und aufgrund des Glaubens Hoffnung zu vermitteln.

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Impuls zum 27. Sonntag B: Erntedankfest 2021

Bei Gott sind alle Menschen willkommen: Arme und Reiche, Große und Kleine, Junge und Alte, Gesunde und Kranke. Alle dürfen ihr Vertrauen auf den Herrn setzen, alle dürfen sich bei ihm geborgen und sicher wissen. Und dieses Vertrauen, ja dieses kindliche Ver-trauen, mündet dann ein in unseren Lobpreis und unseren Dank, auch wenn uns dieser Dank heute, am Erntedank-Sonntag 2021 vielleicht nicht gerade leicht über die Lippen kommt: im Jahr der Corona-Pandemie, nach all den Auswirkungen des Klimawandels und den verheerenden Flutkatastrophen und vielleicht auch noch nach einem persönlichen Schicksalsschlag. Der Dank ist und bleibt dennoch wichtig und lebens-notwendig! Er ist unverzichtbar, um unser Vertrauen zu stärken und uns Mut für die gemeinsame Zukunft zu geben.

Zwei unterschiedliche Szenen werden uns im heutigen Evangelium (Mk 10. 2-16) vorge-stellt, die auf den ersten blick scheinbar gar nichts miteinander zu tun haben. Zunächst ist vom Starrsinn der Pharisäer die Rede, die unbedingt erreichen wollen, dass Jesus dem „Recht“ der Ehescheidung zustimmt, das eigentlich gar kein Recht ist, sondern eher die Willkür des Mannes. Nur der Mann konnte nach damals „geltendem Recht“ die Frau aus der Ehe entlassen. So einem Denken kann Jesus nicht zustimmen. Er beruft sich da auf den Schöpfungs – und Heilsplan seines Vaters, an den wir in der Lesung aus dem Buch Genesis (2, 18-24), erinnert werden.

Mitverantwortung für die Schöpfung

Der Text benennt deutlich das Mitwirken des Menschen an und seine Mitverantwortung für die Schöpfung. Der Mensch gibt allem von Gott Geschaffenen einen Namen. Und der Name drückt Respekt, Ehrfurcht und Verantwortung aus. Gott erkennt, dass der Mensch allein damit überfordert ist. Da nützt auch die Erschaffung der vielen verschiedenen Tiere nichts. Der Mensch bleibt einsam. Bis Gott schließlich einen zweiten Menschen schafft. Dieser ist ihm eine „Hilfe, die ihm entspricht!“ Hier wird das gleiche hebräische Wort ge-braucht, das auch die Hilfe Gottes bezeichnet.

Nach der Erschaffung dieser Hilfe ist dann in der Bibel nicht mehr vom Menschen, sondern von Mann und Frau die Rede. Beide ergänzen und unterstützen sich gegenseitig. Die Geschichte der Menschheit wird also, wenn man so will, zu einer Liebesgeschichte. Und Gott selbst ist der Dritte im Bunde. Die Grundlage dieser Liebesgeschichte ist das Vertrauen: Vertrauen in den Partner, Vertrauen in Gott und Vertrauen in sich selbst. Genau dieses Vertrauen wird im zweiten Teil des heutigen Evangeliums deutlich. Es ist gewissermaßen das Bindeglied, das die beiden Szenen miteinander verbindet.

Erntedank-Sonntag: Der Dank ist wichtig und lebensnotwendig!

„Man brachte Kinder zu Jesus, damit er sie segne “. Hinter diesem „man“ stehen vermutlich die Mütter, die so ihr tiefes Gottvertrauen zum Ausdruck bringen. Doch von den Jüngern werden sie schroff abgewiesen. Auch das kann Jesus nicht zulassen. Auch das entspricht nicht dem Heilsplan seines Vaters. Bei Gott sind alle Menschen willkommen: Arme und Reiche, Große und Kleine, Junge und Alte, Gesunde und Kranke. Alle dürfen ihr Ver-trauen auf den Herrn setzen, alle dürfen sich bei ihm geborgen und sicher wissen. Alle Menschen, auch wir, haben seit dem ersten Tag des Lebens Gottes unumstößliche Hilfe, seine unauslöschliche Liebe an unserer Seite. Er geht mit uns durch Dick und Dünn, durch Freud und Leid. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er unser Vertrauen, das wir in ihn setzten, nie enttäuscht wird.

Und dieses Vertrauen, ja dieses kindliche Vertrauen, mündet dann ein in unseren Lob-preis und unseren Dank, auch wenn uns dieser Dank heute, am Erntedank-Sonntag 2021 vielleicht nicht gerade leicht über die Lippen kommt: im Jahr der Corona-Pandemie, nach all den Auswirkungen des Klimawandels und den verheerenden Flutkatastrophen und vielleicht auch noch nach einem persönlichen Schicksalsschlag. Der Dank ist und bleibt dennoch wichtig und lebensnotwendig! Er ist unverzichtbar, um unser Vertrauen zu stärken und uns Mut für die gemeinsame Zukunft zu geben.

Vielleicht können wir uns bei unserem Dankeschön auch der Worte von Matthias Claudius bedienen. Er hat im Jahr 1783 ein „Lied vom Erntefest auf dem Lande“ geschrieben:

Im Anfang war’s auf Erden nur finster, wüst und leer; und sollt was sein und werden, musst es woanders her. Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, und hofft auf ihn!

Pater Michael Wegner, CSSp


01.10.2021

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