Suche

Kein Mitleid - sondern Gerechtigkeit!

Nicht allein die Symptome mildern, sondern die Ursachen verändern.

Die Not vieler Menschen ist die Folge von Ungerechtigkeit.

Als Spiritaner engagieren wir uns für gerechtere Strukturen in der Welt.

Impuls zum Sonntagsevangelium (Joh 5, 1-15): 17. Sonntag B

Das heutige Evangelium verleitet dazu, nur mit halber Aufmerksamkeit hinzuhören mit dem Gedanken: „Die wunderbare Brotvermehrung – das kenne ich schon. Jesus wirkt ein Wunder. Alle werden satt von einer Handvoll Lebensmittel. Schade, dass es heute nicht mehr so funktioniert. Da hätten wir auf der Welt ein paar Sorgen weniger.“ Aber, was wäre das für ein Wunder, das nur ein einziges Mal den Hunger der Menge stillt?

Das Evangelium nennt die Begebenheit auch nicht „Wunder“, sondern „Zeichen“. Jesus setzt ein Zeichen. Er geht dabei vor wie ein guter Lehrer, der seine Schüler auf die Spur setzt, damit sie die Lösung selber finden. Jesus fragt den Philippus, wo man für so viele Leute Essen kaufen kann. Philippus knurrt ganz verzweifelt: „Das bisschen Geld, das wir bei uns haben, reicht hinten und vorne nicht aus. Und selbst wenn wir 200 Denare (ca. 150 Goldmark) hätten, es würde nirgends hinlangen.“ Andreas macht einen Jungen aus-findig, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische bei sich hat. Aber was ist das für so viele? Das kenn man doch vergessen!

Diese Reaktion offenbart die Denk- und Sichtweise der Jünger, die wohl auch typisch ist für die meisten von uns. Wenn es eine Krisensituation gibt oder eine Notlage: das Erste, was wir sehen, ist der Mangel., sind die Probleme und dann kommt die Feststellung: Dafür bin ich zu schwach, da habe ich keine Möglichkeiten, dafür fehlen mir die Mittel, dafür bin ich zu alt, zu weit weg … Doch wenn alle Gedanken und Gefühle nur darauf beschränkt werden, wie schlimm alles ist, was alles fehlt und nicht geht, dann ist es kein Wunder, wenn sich Angst und Resignation breit macht.

Es geht auch anders!

Dass es auch anders geht, das hat sich bei der Hochwasserkatastrophe in den vergangenen Tagen gezeigt. Da haben sich viele Menschen verhalten, wie Jesus es seinen Jüngern und uns vorgemacht hat. Sie haben nicht auf den Mangel geschaut, auf das was fehlt, sondern auf das, was da ist und all das haben sie zusammengetragen: Sachspenden, Geldspenden und vor allem Zeit, Nähe und Arbeitskraft, jeder so viel (oder so wenig) sie / er kann. Durch diese Solidarität, durch das Teilen in kleinen Stücken und Schritten konnte nicht nur der materielle Hunger der Betroffenen gestillt werden; auch ihre Hoffnung und ihr Mut konnten gestärkt werden – zumindest vorerst.

Offene Augen für das Kleine

Kehren wir noch einmal zurück zum Apostel Andreas. Er hatte offene Augen für das Kleine. Der kleine Junge ist die Voraussetzung dafür, dass Jesus dieses Zeichen bewirken kann. Von Andreas können wir lernen, offene, wertschätzende Augen zu haben für das Kleine, das Freude macht, für die kleinen Fortschritte und Freundlichkeiten, für die kleinen Dinge, die Nöte und Sorgen unserer Mitmenschen lindern können. Andreas macht uns vor, all das Kleine dem Herrn in die Hände zu geben. Er lädt uns ein, das bisschen, das wir haben, dem Herrn anzuvertrauen und dann die Erfahrung der Kraftvermehrung zu machen. Die Erfahrung, dass uns Jesus hilfreich unter die Arme greift! So geschieht „Brotvermehrung“ auch heute: Vermehrung der Hoffnung und der Zuversicht, Steigerung der Lebensfreude.

Die Botschaft des Johannes im heutigen Evangelium ist eine zweifache: Erstens: Das Verhalten Jesu soll auch typisch sein für uns als Christen. Das Wenige, das wir miteinander teilen, ist sehr wertvoll. Es reicht für alle, weil eine ungeheure Lebenskraft darin steckt. Lassen wir uns immer wieder neu davon überraschen, welche Kraft von Jesus Christus ausgeht und wie viel neues Leben aus seinem Wort und seinem Geist wächst.

Zweitens: Das Brot, das Jesus mit uns teil, ist kein süßes Brot, es schmeckt nicht nach Nürnberger Lebkuchen oder Aachener Printen. Es ist das lebendige Brot seiner Liebe, der göttliche Liebe, also doch ein süßes Brot, das Jesus großzügig verschenkt, damit auch wir es miteinander teilen.

Pater Michael Wegner, CSSp


24.07.2021

zurück...

facebook

powered by webEdition CMS