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Notel in Köln

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Impuls zum Sonntagsevangelium (Mk 6, 7-13): 15. Sonntag B

Ferienzeit, Urlaubszeit, Reisezeit. Viele packen da ihre Koffer oder haben sie schon gepackt. Dabei kommt immer wieder die Frage auf: „Was müssen wir alles mitnehmen? Was dürfen wir auf gar keinen Fall vergessen?“ Der Rat, den Jesus im Evangelium seinen Jüngern gibt, die er auf Reisen schickt, d.h. aussendet, scheint uns da weniger gelegen und hilfreich: Er fordert sie auf, nichts mitzunehmen, außer einem Wanderstab und an den Füßen nur Sandalen!

Jesus will mit dieser Aufforderung seine Jünger von allem Ballast befreien, der vom Wesentlichen ablenkt, der dem Ziel und Auftrag im Wege steht. Er schickt seine Jünger – und damit meint er auch uns, sozusagen mit leeren Händen auf den Weg. Aber das stimmt nicht so ganz! Den Wanderstab, den haben sie, den haben wir noch; daran können sie / wir uns festhalten, vielleicht auch klammern wie an den letzten Strohhalm.

Der Wanderstab weist darauf hin, dass Jesus seine Jünger eben nicht unbedacht und nicht unvorbereitet aussendet. Sie sind ja schon einige Zeit mit ihm unterwegs und haben so manches Nützliches und Hilfreiches gelernt für ihre Reise, für ihren Sendungsauftrag. Im Zusammensein mit Jesus haben sie zunächst die Fähigkeit der Begegnung mit sich selbst gelernt. Im Licht des vergebenden Gottes können sie sich selbst nicht nur offen und ehrlich wahrnehmen, sie können sich selbst auch annehmen. Und das gibt ihnen die tragfähige Basis, sich zu seinen Zeugen zu entwickeln.

Eine Vollmacht, aus der Vertrauen erwächst!

Auch die Fähigkeit zur Begegnung mit anderen konnten sich die Jünger aneignen. Am Begegnungsverhalten, das Jesus ihnen gegenüber zeigt, lernen sie Liebe zu erfahren, anzunehmen und weiterzugeben. Sie lernen die Sprache der Liebe, die die einzige Fremdsprache ist, die alle Menschen verstehen.

Und schließlich eröffnet Jesus ihnen ein neues Verhältnis zu Gott. Sie erkennen, wie ein neues Leben mit Gott möglich ist, ein Leben, geprägt von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, Versöhnung und Frieden, Freude und Trauer, Leben und Sterben.

Aus diesen Fähigkeiten, die sie im Zusammensein mit Jesus gelernt haben, erwächst den Jüngern die Vollmacht, mit der sie Jesus dann sendet. „Vollmächtig“ können sie losziehen, ohne alles, ohne einen anderen Halt, einen anderen Luxus als ihren Gott. Eine Vollmacht, aus der Vertrauen erwächst: Vertrauen in Gott und sein Reich und vertrauen in sich selbst.

In Gott geborgen dürfen wir loslassen!

Ja, Jesus vertraut seinen Jüngern, sie sollen das tun, was er auch tut. Er traut ihnen zu, dass sie seinen Auftrag gut ausführen. Dieses Vertrauen schenkt Jesus auch uns. Durch uns wirkt Christus. Wir sind von ihm gesandt, von ihm bevollmächtigt, von ihm gestärkt. Auch wir sind dazu berufen, seine Zeugen zu sein. Ob uns dieser Auftrag gelingt, wissen wir nicht. Aber wenn wir den Wanderstab ergreifen, den Jesus uns reicht, wenn wir auf ihn vertrauen und wenn wir uns mit gestärktem Selbstvertrauen auf den Weg machen, dann dürfen wir gewiss sein: Er gibt uns Kraft für unseren Auftrag und er geht mit uns. Diese Sicherheit ist wertvoller als alles Gepäck und aller Ballast, den wir oft mit uns herumschleppen. Den dürfen wir loslassen. In Gott geborgen, von Jesus Christus gestärkt und gesandt, dürfen wir loslassen und uns ganz frei – wie neu geboren fühlen.

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen!“ so schrieb Matthias Claudius vor 250 Jahren. Wenn wir als Jünger, als Gesandte Jesu eine Reise tun, dann tun wir dies in großer Offenheit für die unkonventionellen Pläne Gottes und für die Menschen, denen wir begegnen. Und in diesen Menschen begegnen wir auch immer wieder uns selbst. Ist das nicht wunderbar befreiend und erlösend?

Pater Michael Wegner, CSSp


10.07.2021

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