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Kein Mitleid - sondern Gerechtigkeit!

Nicht allein die Symptome mildern, sondern die Ursachen verändern.

Die Not vieler Menschen ist die Folge von Ungerechtigkeit.

Als Spiritaner engagieren wir uns für gerechtere Strukturen in der Welt.

Impuls zum Evangelium (Mk 6, 1b-6): 14. Sonntag B

Viele Bibelworte sind im Laufe der Jahrhunderte zu sprichwörtlichen Redewendungen geworden. Eine solche Redewendung ist die eher ernüchternde Feststellung Jesu im heutigen Evangelium: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Landsleuten! Jesus hat das am eigenen Leib so erfahren.

Der Heimatauftritt gerät zum Flop!

Jesus kommt in seine Heimatstadt. Hinter ihm liegt eine Zeit eindrucksvoller Erfolge: Viele Menschen haben seine Wunderkraft erfahren, Unzählige drängten sich um ihn, um seine Botschaft vom Anbruch der Gottesherrschaft zu hören. Auch wenn Nazareth, seine Heimatstadt etliche dutzend Kilometer davon entfernt liegt, ist sein Ruf bereits bis dorthin durchgedrungen.

Wieder zu Hause, in seiner Heimat, geht Jesus – wie gewohnt – am Sabbat in die Synagoge. Doch das ist mehr als nur eine fromme Gewohnheit. In der Synagoge, in der er selbst die Thora zu lesen gelernt hat, tritt er als Prediger auf.

Jesus hat offensichtlich die Schrifttexte, die er vorgelesen hat, nicht einfach nur kommentiert, sondern sie auch auf sich selbst und seine Botschaft vom Reich Gottes bezogen. Dass die Zuhörer bei solch einer Art von Predigt erst einmal perplex sind, das ist nachvollziehbar. Umso mehr, als sie den Prediger doch als den Buben des ortsansässigen Zimmermanns kennen. Ja, sie kennen ihn seit seiner Kindheit und Jugend. Das Ganze scheint also ein Heimspiel zu sein für Jesus. Doch der Heimatauftritt gerät zum Flop! Ablehnung und Misstrauen schlägt ihm entgegen! Woher hat er das? Weisheit und Wunder – wie kommt er dazu? Woher nimmt er das Recht, so zu reden? Wir wissen doch, woher er kommt!

Wo Menschen Jesus göttliche Macht nicht zutrauen, da ist seine Wunderkraft wie gelähmt!

Die ihn von Kindesbeinen an kennen, können in ihm nicht den religiösen Lehrer sehen, in seinen Taten nicht göttlichen Willen. Das übersteigt ihren engen Horizont. Sie können es nicht fassen, dass einer aus ihren Reihen herausgehoben und von Gott bevorzugt wird. Ihre Ablehnung ihm gegenüber richtet sich somit auch gegen Gott und damit im Grunde gegen den eigenen Glauben. Jesus hat keine Chance. „Er konnte dort keine Wunder tun“ stellt Markus nüchtern fest. Wo Menschen ihm göttliche Macht nicht zutrauen, da ist Jesu Wunderkraft wie gelähmt – er scheint machtlos!

Jesus war traurig und enttäuscht über ihr Verhalten. Daher zog er weiter „in die benachbarten Dörfer und lehrte dort“. Die eigenen Landsleute haben ihn im Stich gelassen. Das muss Jesus sehr weh getan haben!

Kein Mensch kann auf Dauer ohne Heimat leben, ohne das Gefühl, akzeptiert und geborgen zu sein. „Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern da, wo man verstanden wird“ so sagt es Christian Morgenstern. Und verstanden wird Jesus von seinen Landsleuten in seiner Heimat gerade nicht. Und Papst Johannes XXIII. sagte einmal: „Wenn Wind oder gar Sturm aufkommt, braucht der Mensch einen rettenden Hafen, ein Stückchen Heimat!“ Auch dieser rettende Hafen, dieser Rückhalt fehlt Jesus offenbar.

Wie mag es hier und heute jenen zumute sein, die ihre Heimat verlassen mussten?

Angesichts der aktuellen Weltlage dürfen wir uns fragen: Wie mag es hier und heute jenen zumute sein, die ihre Heimat verlassen mussten: den Flüchtlingen, den Vertriebenen, den Asylanten, den Aussiedlern? Wo finden sie neue Geborgenheit? Sind wir fähig und bereit, ihnen Heimat zu schenken?

Jesus hatte seine „geographische“ Heimat Nazareth verloren, aber er ist deshalb nicht heimatlos. Er hat eine neue Heimat gefunden im Vertrauen auf seinen himmlischen Vater, in seinem Verwurzelt sein in ihm. Das ist auch eine Einladung, eine Chance für uns: Jesu Beispiel, seine Worte wollen auch für uns anstößig sein! Ein Anstoß, sie im Herzen zu bewegen und als Wort Gottes zu erfahren. Ein Anstoß, um Gott als Vater zu erkennen, der uns liebt, der uns versteht und bei dem wir geborgen sein dürfen in allen Stürmen der Zeit und des Lebens.

Pater Michael Wegner, CSSp


03.07.2021

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