Suche
Kloster Knechtsteden

Das Missionshaus Knechtsteden mit der romanischen Basilika ist für viele Menschen aus der Region und darüber hinaus ein Anziehungspunkt.

Gerne lassen sich die Besucher gefangen nehmen von dem Dreiklang "Religion - Natur - Kultur", der heute die mittelalterliche Klosteranlage prägt.

weitere Infos...

11. Sonntag im Jahreskreis B: "Gegen allen Anschein wird Gott das unendliche Wunder vollbringen!"

Das „Wunder von Bern“- gemeint ist damit der legendäre WM Sieg der deutschen Nationalmannschaft 1954 in der Schweiz - daran glauben viele. Wie aber sieht es aus mit dem „Wunder vom Reich Gottes“, das uns Jesus nahebringen will?

Das „Wunder von Bern“

Es hat uns wieder gepackt, das Fußballfieber. Die Europameisterschaft bestimmt weitgehend den Rhythmus der Zeit und den allgemeinen Gesprächsstoff. Zumal auch die „U 21“ gerade Europameister geworden ist, Fußball begegnet uns derzeit überall. Und so mancher erinnert sich an das „Wunder von Bern“ und wünscht sich, dass es sich wiederholen möge, dass Deutschland Europameister wird. Das wäre doch auch ein schönes Abschiedsgeschenk für Jogi Löw.

„Er verkündete ihnen das Wort, wie sie es verstehen konnten.“

„Durch viele Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, wie sie es verstehen konnten. Und nie redete er ohne Gleichnisse zu ihnen.“ Diese Aussage steht am Ende des Sonntags-Evangeliums (Mk 4, 33-34). Und Jesus war bestimmt ein guter und interessanter Erzähler. Einer, dem man gern zuhörte, weil seine Geschichten und Gleichnisse handfest waren, aus dem Leben gegriffen und alltagstauglich.

„Er verkündete ihnen das Wort, wie sie es verstehen konnten.“ Wie ein guter Hausvater holte er Altes und Neues aus seinem Verkündigungsschatz und teilte es aus, wie es den jeweiligen Zuhörern angemessen war.

Zur Zeit Jesu gehörte das Säen und Ernten zur Erfahrungswelt aller. Alle Menschen konnten immer wieder aufs Neue miterleben, wie gesät und die Frucht eingebracht wird. Kein Wunder also, dass Jesus zwei Bilder aus dieser Erfahrungswelt auswählt, um vom Reich Gottes zu sprechen: die selbstwachsende Saat und das kleine Senfkorn, aus dem ein großer Strauch entsteht.

Es gehört zum Wesen des Reiches Gottes, dass es wächst!

Mit den beiden Gleichnissen verdeutlicht Jesus, dass es zum Wesen des Reiches Gottes gehört, dass es wächst. Und zwar ganz von allein, aus sich selbst heraus. Da lässt sich aus menschlicher Sicht nichts machen. Es nützt nichts, am zarten Halm zu ziehen oder Konzepte zu erarbeiten, wie die Ähre möglichst viele Körner hervorbringt. Geduld und Vertrauen ist hier gefragt. Aber viel zu tun gibt es trotzdem: den Acker pflügen, Samen säen. Schlafen, aufstehen, warten. Aufmerksam sein, ohne die Geduld zu verlieren. Ehrfurcht haben vor der Kraft, die im göttlichen Samenkorn steckt.

Dass diese Kraft nicht zu unterschätzen ist, unterstreicht Jesus im zweiten Gleichnis: Aus dem winzigen Senfkorn wird ein riesiger Baum. Und auch hier ist Geduld und Ausdauer gefragt.

Es geht um das Wachsen und Wachsen lassen!

In beiden Gleichnissen geht es also um das Wachsen und Wachsen lassen. Für uns bedeutet das: Entlastung und Zumutung zugleich. Entlastung in dem Sinne, dass wir das Reich Gottes nicht machen können. Die Kraft echter Veränderung wächst aus dem göttlichen Samenkorn. Diese Kraft aber dürfen wir nicht unterschätzen, auch wenn uns manchmal Resignation oder Ungeduld erfasst, weil so wenig von den zarten Halmen des Wachstums und des Aufbruchs zu sehen ist und scheinbar eher zerstörerische Kräfte dem Wachstum entgegenstehen.

Zumutung in dem Sinne, dass wir Geduld mit der Natur, mit uns selbst und mit dem Wachstum des Reiches Gottes haben müssen. Wer darauf wartet, dass das Reich Gottes mit Pauken und Trompeten über uns hereinbricht, der irrt sich. Das Reich Gottes, das mit Jesus bereits begonnen hat, wird als Wunder kommen, allmählich, wie das Wunder der Ernte und das Wunder des Frühlings. In unserem täglichen Kampf mit den trüben Seiten des Lebens dürfen wir die Sehnsucht nach Gottes Reich nicht aufgeben, auch wenn wir kein genaues Bild davon haben.

Mit den beiden Gleichnissen will Jesus uns sagen, dass wir keinen Grund haben, zu verzagen, wenn wir vom verborgenen und geheimnisvollen Wachstum des Reiches Gottes nicht viel sehen können. Gegen allen Anschein wird Gott das unendliche Wunder vollbringen und sein Reich durchsetzen. Wir brauchen nur die nötige Geduld und das nötige Vertrauen dazu. Amen.

Pater Michael Wegner, CSSp


11.06.2021

zurück...

facebook

powered by webEdition CMS