Suche

"Missionarinnen und Missionare auf Zeit" (MaZ) bringen sich entsprechend ihrer Fähigkeiten in bestehende Projekte ein.

Meist sind es Projekte im sozialen, medizinischen oder pastoralen Bereich, wie zum Beispiel in Kinderheimen, Krankenstationen, Schulen, Behindertenwerkstätten, Altenpflege...

weitere Infos...

50-Jahre Dienst an den Menschen als Ordensgeistlicher und Missionar

„Es ist eine Gnade, berufen zu werden und zur eigenen Berufung zu stehen. So bedeutet mir mein goldenes Priesterjubiläum ein wichtiger Moment, bei dem ich Gott und den Menschen, die mich begleitet haben, danken will“, so der emeritierte Spiritanerbischof von Humaitá, Meinrad Franz Josef Merkel. Er ging gleich nach seiner Priesterweihe im Jahr 1971 nach Brasilien, wo er unterschiedliche seelsorglichen Dienste in verschiedenen Regionen versah. Fast 50 Jahre diente er den ihm anvertrauten Menschen und prägte auch die Geschichte der Kirche Brasiliens mit. Nun unterstützt er tatkräftig die Pastoralteams seiner Heimatgemeinde in Obrigheim-Asbach und in der Seelsorgeeinheit Mosbach- Buchen mit.

Bischof Meinrad Merkel, CSSp

Bischof Meinrad Merkel, CSSp

„Die Spiritaner haben mich durch ihr missionarisches Charisma angezogen!“

Schon vor seinem Eintritt (1956) in das ´Missionskonvikt Sankt Rochus´ in Buchen kannte Meinrad Merkel die Spiritaner. Spiritanermissionare, wie z. B. Bruder Marianus, die mit Begeisterung über die Missionsarbeit des Ordens in Afrika und in Lateinamerika sprachen, haben ihn sehr beeindruckt; vor allem was sie über die Diözese Cruzeiro du Sul (Brasilien) berichteten. Zudem waren zwei seiner älteren Brüder – Norbert Merkel, der im Jahr 2020 verstarb und Werner Merkel, der bis zum Abitur blieb – damals im ordenseigenen Internat in Speyer. Außerdem hatten die Spiritaner eine Niederlassung nur 10 Kilometer von seinem Familienhaus entfernt. Das alles spielte in der Auswahl des Internates mit. „Die Spiritaner haben mich durch ihr missionarisches Charisma angezogen. Auch die Tatsache, dass meine zwei Brüder in den Spiritaner-Schulen in Speyer und Menden waren, hatte für mich ein großes Gewicht“, berichtet er.

Priesterausbildungsjahre:

Nach erfolgreicher Beendigung der gymnasialen Mittelstufe (1956 – 1962) im Missionskonvikt St. Rochus in Buchen (Odenwald) besuchte er die Oberstufe (1962 – 1965) in Menden (Sauerland). „Es war für mich die erste Hürde. Die Schule war anspruchsvoll. Viele aus Süddeutschland sind weggegangen. Wir waren neun Schüler: aus Broichweiden, Speyer, Knechtsteden und Buchen“, präzisiert er.

Trotz aller Herausforderungen und Schwierigkeiten war die Zeit in Menden „sehr bereichernd“ für den damaligen jungen Meinrad Merkel. „Ich habe in der Redaktion der Schulzeitschrift mitgearbeitet und war auch Mitglied unserer kleinen Bläsergemeinschaft; ich spielte Trompete und Violine. Die Musik wurde sehr gepflegt“, resümiert der jüngste von drei Priesterbrüdern. Neben ihm und Norbert war auch ihr älterer Bruder Carl Merkel (1936–2017) Priester der Erzdiözese Freiburg und Professor an der Katholischen Universität Eichstätt.

Nach dem Abitur im Februar 1965 trat Meinrad Merkel am 13. April in das Noviziat in Heimbach, unter Leitung von Pater Rudolf Schnettler, ein. Am 13. April 1966 legte er die erste Profess ab. Dann ging er nach Knechtsteden, um Philosophie zu studieren. Hier blieb er nur ein halbes Jahr. „Damals waren wir nur 35 Studenten in Knechtsteden, weswegen der Hochschulbetrieb zu teuer wurde. So zogen wir zu Beginn des zweiten Semesters nach St. Georgen bei Frankfurt, zu den Jesuiten und setzten unsere Studien dort fort. Uns stand ein Flur zur Verfügung. Wir konnten unser eigenes Leben als Mitglieder einer Ordensgemeinschaft gestalten. Es war eine gute Zeit“, erinnert er dankbar.

Priesterweihe und Vorbereitung für die Mission

Am 22. Mai 1971 wurde er zusammen mit seinen Mitbrüdern Michael Klein und Heinz-Karl Breunig in Knechtsteden zum Priester geweiht. Schon vor dem Ende der philosophisch-theologischen Studien befasste sich der Jubilar mit seinem künftigen Wirkungsort. „Mich interessierte ein Einsatz als Missionar in Brasilien. Damals wurde die Evangelisierung nicht nur als Glaubensvermittlung, sondern auch als Entwicklungsarbeit verstanden. Daher wollte ich Medizin studieren. Aber unser Regens, Pater Wipper, hat mir davon abgeraten. Ich wählte dann die Ernährungswissenschaft aus, ließ mich am Institut für Tropenlandwirtschaft in Kassel einschreiben und absolvierte wie vorgesehen ein Praktikum vor dem Studienbeginn“, so Merkel. Durch Vermittlung des verstorbenen Bruders Pius Weber lernte er die Missionsbenediktiner in St Ottilien bei München kennen. Diese Benediktiner haben sehr zur Entwicklung der Landwirtschaft in ihrer Mission in Tansania beigetragen. „Ich verbrachte insgesamt sechs Monate dort, wurde in verschiedene Abteilungen eingesetzt: Feldarbeit, Milchviehwirtschaft, Schweinezucht, Hühnerzucht, usw., um die unterschiedlichen Bereiche kennenzulernen“, expliziert Merkel.

Nach sechsmonatiger Teilnahme am Kurs besuchte Meinrad Merkel auf Vorschlag des damaligen Provinzials, P. Albert Thielemeier, Brasilien, um herauszufinden, ob das Tropenlandwirtschaftsstudium sinnvoll und machbar für die Gegend am Oberlauf des Juruá (Nebenfluss des Amazonas) sein würde. „Das war ein kluger Rat“, unterstreicht Merkel im Nachhinein. „Oktober 1971 machte ich mich dann auf den Weg über Sao Paulo nach Cruzeiro do Sul, wo die deutschen Spiritaner noch heute tätig sind. Während meines Aufenthaltes besuchte ich verschiedene Missionsstationen und stellte fest, dass es schwierig sein würde, die zu erwerbenden Kenntnisse, dort umzusetzen. Als ich zurückkam, habe ich der Provinzleitung meine Erfahrung mitgeteilt“, so Merkel. Jedoch waren sich die Mitglieder des Provinzrates einig, dass Meinrad nach Brasilien als Missionar zurückgehen sollte.

„Ich half in der regulären Pfarrarbeit mit und war auch ‚Zahnarzt‘!“

Ende 1972 – inzwischen war der Vater verstorben - kehrte er zurück und arbeitete mit P. Karl-Heinz Schader zusammen. „Ich half in der regulären Pfarrarbeit mit. Diese beinhaltete: Katechese, Religionsunterricht, Sakramenten-Spendung, vor Ort und im weiten Landesinnern, von vielen Flüssen durchzogener Urwald. Darüber hinaus arbeitete ich auch in unserer kleinen Viehzucht. Pater Schader war sehr offen und hat den verschiedenen Initiativen keine Hindernisse in den Weg gestellt. Auch als „Zahnarzt“ war man gefragt und zog jeden Mittwoch Zähne, da es keinen anderen Ausweg für die Gummizapfer gab. Eine der Speyerer Dominikanerinnen in unserer Diözese hatte mir beigebracht, wie man Zahnextraktionen durchführt, bestimmte Diagnosen erstellt und intramuskuläre Spritzen setzt. Denn es gab weder Ärzte noch gut ausgebildete Krankenschwestern. Und das einzige Krankenhaus war weit weg entfernt von unserer Pfarrei“, schildert er.

1977 wurde er vom Distriktoberen Pater Wilfried Urbanek nach Salete versetzt, wo er die Leitung eines Internats der Spiritaner von Pater Bruno Trächtler übernahm. Sechs Jahre lang versah er diesen Dienst. Von 1983 bis 1987 betreute er zusammen mit einem holländischen Mitbruder, Gilberto van Tol, die Spiritaner-Philosophiestudenten. Dann kam das Projekt des Austausches von Missionaren.

Missionarischer Einsatz in der deutschen Heimat

Deutsche Spiritanermissionare im Ausland sollten nach Deutschland zurückkehren, um der Provinz eine neue Dynamik einzuhauchen. „Ich gehörte zu den Missionaren, die zurückgekehrt waren. Das erste Jahr habe ich in Knechtsteden verbracht, und das zweite Jahr durfte ich in Stuttgart beim MaZ-Projekt verbringen. Aber diese Aufgabe war für mich nicht erfüllend, so habe ich darum gebeten, zurück nach Brasilien zu gehen. Im August 1989, vor dem Mauerfall, kehrte ich nach Brasilien zurück“, erzählt er.

Bei seiner Rückkehr bat er darum, nach Salinas da Margarida Bahia in der Diözese von Salvador versetzt zu werden. Dort wollte er in der Gemeindeseelsorge arbeiten. Gleichzeitig würde er seinen Dienst bei MaZ als Ansprechpartner für die Missionare auf Zeit in Brasilien versehen. „Ich wollte den jungen Deutschen bei ihrem Einsatz helfen, die Verbindung zu den Ordensgemeinschaften begleiten. Außerdem wollte ich auch der Pfarrei dienen, denn sie hatte 35 Jahre lang keinen residierenden Priester. Die Aushilfspriester kamen immer von anderen Orten der Diözese von Salvador/ Bahia“, fügt der langjährige Brasilien-Missionar hinzu. 1997 wurde P. Merkel die Begleitung von fünf Novizen anvertraut. Zu gleicher Zeit führte er seine Aufgaben als Pfarradministrator in Salinas weiter. Am Ende des Jahres legten drei Novizen ihre Gelübde ab. Im Januar 1999 zog P. Merkel nach S. Paulo und übernahm im ordenseigenen Haus die Begleitung von sieben Studenten der Philosophie. Es sollte nur für kurze Zeit sein.

Vom Gemeindeseelsorger zum Rektor einer Wallfahrtskapelle

Im November 1999 bekam Meinrad Merkel eine neue Aufgabe als Rektor der Wallfahrtskapelle Unserer Lieben Frau von Salete / Morro und zog dahin. „Es wurde in wenigen Monaten eine schöne Wallfahrtskapelle gebaut und eine Bruderschaft gegründet, um die seelsorgliche Arbeit zu unterstützen. - Ordensfrauen in der Diözese Rio do Sul wurden in die Durchführung von Kursen am Wallfahrtsort miteinbezogen. - Es ist ein sehr schön gelegener Ort. Er sollte noch mehr zu einem spirituellen Zentrum werden“, so Merkel. Zwar ist ihm nach kürzer Zeit gelungen, einiges in Bewegung zu bringen, jedoch musste er schon nach weniger als einem Jahr seine Koffer wieder packen und sich der neuen Herausforderung als Oberhirte der Katholiken in Humaitá stellen.

Ernennung zum Bischof vom Humaitá

Und mehr noch: Seine Ernennung war für ihn eine Überraschung. „Am 4. Juli 2000 erfuhr ich davon, was Rom mit mir vorhatte, nämlich Bischof von Humaitá zu werden. Der ehemalige Bischof von Humaitá, José Jovêncio Balestieri, damals Bischof von Rio do Sul, hat mir das übermittelt. Er hat mich an einem Nachmittag besucht und eingeladen, mit ihm in die Kapelle zu gehen. Dort zeigte er mir das Bild von Papst Johannes Paul II. und teilte mir mit, dass der mich als Bischof von Humaitá haben wollte. Innerhalb von 24 Stunden sollte ich eine Entscheidung treffen und durfte mit niemandem sprechen“, offenbart Merkel. Danach musste diese Mitteilung bis zum 26. Juli 2000 noch geheim gehalten werden, bis dass diese Information durch den Vatikan bekannt gemacht würde. Bei der Entscheidungsfindung war es dem neuernannten Bischof wichtig, dass seine künftige Diözese dem Charisma seines Ordens entsprach, nämlich eine Diözese für die Armen zu sein. Nach der Bekanntgabe seiner Ernennung am 26. Juli wurde Meinrad Merkel am 15. Oktober 2000 von seinem Vorgänger in der Bischofskirche in Humaitá zum Bischof geweiht.

Das Bistum ist 135.000 Quadratkilometer groß und hat etwa 140.000 Einwohner, die von 14 Priestern (davon stammen nur zwei ursprünglich aus dem Bistum), 22 Ordensfrauen, einem Ordensbruder, 14 ständigen Diakonen, sowie zahlreichen Laien - Pastoralmitarbeitern seelsorglich betreut wird. Die Einwohnerzahl je Priester liegt bei 10.000, während die Zahl der Gläubigen, die von je einem Priester seelsorglich betreut wird, 5.000 beträgt. Es gibt acht große Pfarreien mit Außenstellen bzw. vielen kleinen Gemeinden entlang der Straßen, der Flüsse und Seen. Und einige Priester kümmern sich um sie. – Von 2003 bis 2010 war er Vorsitzender der Regionalen Bischofskonferenz, anschließend für weitere vier Jahre deren Sekretär.

Ein vielseitiges, erfahrungsreiches missionarisches Abenteuer!

Mehrmals musste Meinrad Merkel neu aufbrechen, um sich neuen Aufgaben zu widmen. So versah er unterschiedliche pastorale Dienste: Seelsorger in zahlreichen Pfarreien, Leiter eines Ordensinternats, Novizenmeister, Regens des Ausbildungshauses der Spiritaner für Philosophiestudenten, Rektor der Wallfahrtskappelle Unserer Lieben Frau von Salete/Morro, Leiter des Missionar auf Zeit-Programms der Spiritaner in Deutschland und dann Bischof von Humaitá (2000 bis 2020). Sein Weg führte ihn nach Porto Valter/ Acre, Salete/ Santa Catarina, Contagem/ Minas Gerais, Salinas da Margarida/ Bahia, Sao Paulo und Humaitá, über Stationen in Knechtsteden und Stuttgart. Ein vielseitiges, erfahrungsreiches missionarisches Abenteuer!

Rücktritt und Rückkehr in die deutsche Heimat

Aus Altersgründen nahm Papst Franziskus sein Rücktrittsgesuch am 12. August 2020 an. Gleich nach der Weihe seines Nachfolgers Antônio Fontinele de Melo und dessen Amtsübergabe am 17. Oktober 2020 kehrte Meinrad Merkel im Dezember nach Deutschland zurück und unterstützt nun die beiden Seelsorgeeinheiten Neunkirchen und Mosbach – Buchen. So will er sich bei den Menschen bedanken, die ihn an seinen verschiedenen Wirkungsstätten unterstützt hatten.

„Synodaler Weg ist nicht identisch mit modernen demokratischen Spielregeln!“

Gefragt, was er vom synodalen Weg sowie von der Situation der Kirche in Deutschland hält, antwortet er: „Der Wunsch, zusammenzugehen – nicht nur die Kleriker unter sich, sondern alle Brüder und Schwestern im Glauben, ist zutiefst christlich. Gemeinsam auf den Geist Gottes zu hören, der ja auch der Geist der Kirche ist und der in unsere Herzen ausgegossen wurde, ist ebenfalls christlich. Von der Freiheit des Christenmenschen Gebrauch zu machen, gehört zu unserem Selbstverständnis. In diesem Sinn versteht sich die Kirche als synodaler Weg, seit sie sich diesen Namen gab: der Weg (schon in der Apostelgeschichte!). Jedoch ist Synodaler Weg nicht identisch mit modernen demokratischen Spielregeln. Da gibt es sicher noch Klärungsbedarf.“

Profil der Kirche der Zukunft: Eine Kirche, die ein geschwisterliches Klima pflegt

Bezüglich der Zukunft der Kirche in Deutschland denkt er, dass die Kirche „anders sein wird, als wir sie bislang kennen. Sie wird keine Volkskirche im traditionellen Stil mehr sein, sondern in kleinen Gemeinden weiterleben mit geschwisterlichem Klima ähnlich wie die kirchlichen Basisgemeinden Lateinamerikas. Die Gesellschaft wird ihr vielleicht wenig Aufmerksamkeit schenken und sie als bedeutungslos betrachten. Vielleicht werden diese kleinen verstreuten Gemeinden das Profil der Gemeinden in der Apostelgeschichte haben, die stetig auf Gottes Wort hörten, das Gebet pflegten, die Eucharistie feierten und ihr Eigentum der Gemeinde zur Verfügung stellten. – Trotzdem wird dadurch die Kirche nicht zu einer Sekte, sondern ein Angebot überzeugter Menschen, die in Christus den Weg, die Wahrheit und das Leben sehen.“

Fazit:

Entscheidend für ihn in diesen abwechslungsreichen Jahren war die Erfahrung der Gnade Gottes. So lautete sein Bischofsspruch: „Meine Gnade reicht dir“ (2 Kor. 12, 9). Ebenso, dass er „das Vertrauen der Ordensleitung genoss und auch eine gewisse freie Hand hatte“. Immer wieder erhielt er die Hilfe und Unterstützung so vieler Menschen. „Erst so konnte [er sich] den Herausforderungen stellen“, erklärt der heute 76-jährige Ordensgeistliche.

Pater Samuel Mgbecheta, CSSp


24.05.2021

zurück...

facebook

powered by webEdition CMS