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50 Jahre Einsatz als katholischer Priester

„Am Aussehen eines Küken kann man erkennen, welches sich zum Hahn oder zur Henne entwickeln würde“, lautet ein Sprichwort aus Südost-Nigeria. So war es bei Pater Lukas Mbefo, der heute sein goldenes Priesterjubiläum feiert. „Bei meiner Priesterweihe am 25. April 1971 erinnerten mich meine Altersgenossen daran, dass ich schon immer Priester werden wollte“, entsinnt er sich. In diesem Beitrag gibt der 77-jährige Ordensgeistliche und Missionar aus Nigeria Anteil an seinem priesterlichen Leben und Einsatz.

Pater Lukas Mbefo, C.S.Sp

Pater Lukas Mbefo, C.S.Sp

Primizspruch: Was kann uns von der Liebe Christi trennen? (Röm. 8,35)

Mein jüngst erschienenes Buch „The Heritage of African Ancestors: A personal Testimony (2020, Spiritan Press)“ - Das Erbe afrikanischer Vorfahren: Ein persönliches Zeugnis -, das zurzeit auf Deutsch übersetzt wird, verschafft Einblicke in meine 50-jährige Glaubenswallfahrt als katholischer Geistlicher und Missionar. Im Zuge der Vorbereitung auf dieses Priesterjubiläum ist das Buch entstanden. Es kann vielleicht interessant sein für den Leser zu wissen, woher die Einflüsse, die diese Pilgerreise zustande gebracht und geprägt hatten, kamen. Bei meiner Priesterweihe am 25. April 1971 erinnerten mich meine Altersgenossen daran, dass ich schon immer Priester werden wollte. Sie zitierten den Namen, mit dem ich, als Kleinkind, die Leute bat, mich anzusprechen, nämlich kpatam kpoi (zu lesen als „Pater Foley“). Mit Recht kann Pater Michael Foley, C.S.Sp, als Gründer der katholischen Gemeinde St. Michael in Urualla bezeichnet werden. Meinem Taufschein zufolge taufte er mich drei Tage nach meiner Geburt in der Klinik der Schwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens, der Mutter Christi, in der Nähe unseres Hauses. Er war unser Held als Kinder. Er beeindruckte uns sehr mit seinen magischen Kräften. Er konnte eine Münze verschlucken und sie wieder herausholen, indem er den Magen von irgendjemandem rieb. Und furchterregend – für uns Kinder – waren seine außergewöhnlichen Fähigkeiten, seine Zähne herauszuziehen und uns zu zeigen. Wir versuchten sein Wunder nachzumachen, aber vergeblich.

Einflüsse meiner Eltern und der Vorfahren

Meine Eltern gehörten zu den Christen der ersten Generation und waren gottesfürchtig. Mein Vater war als „Johannes Komitee“ bekannt, weil er sein Leben lang Mitglied des Pfarrgemeinderats war. Ihm war es wichtig, seinen Kindern folgende dreifachen Geisteshaltungen zu vermitteln: „Seid gerecht, sagt die Wahrheit, spielt euch nicht auf“. Meine Mutter, Angelina, hat nie die Schule besucht, aber unsere gewöhnlich lauten Debatten drehten sich um ihre These vom Isi-ji (der obere Teil der Yamswurzel). Wenn man diesen Teil nicht für die Neubepflanzung aufhebt, dann gibt es keine Hoffnung auf Kontinuität. Auf die gleiche Weise werden wir entwurzelt werden, wenn wir die Igbo-Kultur – „Omenala“ - nicht in unsere Studien und in das Christentum einbeziehen.

Isi-ji (der obere Teil der Yamswurzel

Unsere Vorfahren haben uns eine Tradition hinterlassen, nach der jeder mit Kompetenz seinen gewählten Beruf ausüben (jeder seinen Beruf meistern) sollte: Es geht darum ein „di“, das heißt, „Meister“ zu sein in seinem Berufsfeld. So wird z.B. ein guter Ringkämpfer „di-mgba“ genannt, also „Meister-Kämpfer“, während derjenige, der aus den Palmen gute Weine erzeugen kann, ein „di-ochi“ „Meister-Weinerzeuger“ genannt wird, usw. Sie empfahl, dass ich das Kindergartenandachtsbuch Mary Nne Jesu (Maria Mutter Jesu) für die theologische Orthodoxie lesen sollte. Ihre Ideen haben mein erstes Buch The Re-shaping of African Traditions (1988) - Die Neugestaltung afrikanischer Traditionen - inspiriert. Beide Eltern legten das an den Tag, was man ohne weiteres eine „abrahamitische Gastfreundschaft“ nennen kann. Besucher aus der Heimat und aus fremden Ländern bemerkten ihre einladende Gesinnung.

Vom allgegenwärtigen Messdiener zum Missionar

Die Schwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens haben mich als Messdiener angeworben. Obwohl keine von ihnen Latein konnte, waren sie in der Lage, uns die Antworten für die lateinische Messe beizubringen. Es musste ihnen gelungen sein, denn ich wurde als “der Junge, der Latein spricht“ in Isiekenesi, einer Außenstation der damaligen Pfarrei in Urualla, angesprochen. Als ich mit den irischen Spiritanern, die für Urualla zuständig waren, zu den Außenstationen reiste, einem Gebiet, das sich von Mgbei an der Grenze zu Orlu bis nach Arondizugu und Okwelle erstreckte, wurde ich vom Wikinger-Instinkt erfasst und beschloss schon früh, ein Missionar wie diese großzügigen und aufopferungsvollen Spiritaner zu werden. Vom allgegenwärtigen Messdiener führte mein Weg weiter zum Priesterseminar und anschließend zum priesterlichen Leben.

Pater Lukas mit seinen Freunden und dem Regionaloberen der Spiritaner in Deutschland.

Entstehung meiner persönlichen Spiritualität

Meine Spiritualität wurde sehr stark von unserem Novizen-Meister „Pater Meister“ beeinflusst. Ein Missionar muss „heiligen Gleichmut“ üben. Auch der damalige neugewählte Generaloberer der Kongregation, Erzbischof Marcel Lefebvre, der uns im Noviziat besuchte, förderte diese Gesinnung. Seine Botschaft an uns zielte auf „disponibilité“, was mit „Verfügbarkeit“ übersetzt wird. Beide machten sich die Ideologie des damaligen Dechants der Kardinäle, Alfredo Ottaviani, „Semper idem“, zu eigen, anstelle der Erneuerung, die das Zweite Vatikanische Konzil in seinem Aufruf zum „Aggiornamento“ forderte. Eine neue Welt war im Entstehen, wie sie unter anderem von Aldous Huxley in seiner Brave New World – auf Deutsch, Schöne neue Welt – und von Hervey Cox in seiner The Secular City – auf Deutsch, Stadt ohne Gott? – beschrieben wurde. Sowohl „Pater-Meister“ als auch Erzbischof Lefebvre neigten dazu, Tradition mit Traditionalismus zu verwechseln.

Die Wiederentdeckung der biblischen Spiritualität durch Verbum Dei des Zweiten Vatikanums lenkte meine Aufmerksamkeit auf Persönlichkeiten in der Entwicklung der Heilsgeschichte. Abraham und seine Grundgesinnung: Deus providebit, seine Bereitschaft, dorthin zu gehen, wohin Gott ihn bat, ohne zu wissen, wohin es führte; Mose, für den Gott allein sein Führer war und der deshalb keinem Klüngel (keiner Clique) anzugehören brauchte; Paulus, der Apostel, dessen einziges Interesse, inmitten von Widerständen, darin bestand, das Werk zu vollenden, das der Herr ihm aufgetragen hatte. Von ihm stammt mein oben zitierter Primiz-Spruch. Wie der Apostel Paulus habe ich mich bemüht, die Pastoral des Schreibens mit einem konkreten seelsorgerischen Engagement zu verbinden.

Ein bewegtes, erfahrungsreiches missionarisches Leben

Dieses Bemühen wurde fortgesetzt, wo immer ich eingesetzt war: von Isienu, unserem Ausbildungshaus für die Philosophen, bis Enugu, wo sich die ordenstheologische Hochschule befindet; von Catholic Institute of West Africa (CIWA) in Port Harcourt, Nigeria bis Duquesne Universität in Pittsburgh, von Kanada bis Tansania und Deutschland. Und während meiner Amtszeit als Provinzial der nigerianischen Provinz habe ich versucht, das, was ich vom Leitspruch der Kongregation „Cor Unum et Anima Una“ verstanden habe, nämlich, „Es ist die Verantwortung aller das zu hegen, pflegen und fördern, was allen gehört“, darzulegen. Die Kongregation gab mir die Möglichkeit mich zu entwickeln; sie erntet die Früchte meines missionarischen Einsatzes. In vielerlei Hinsicht könnte man sagen, dass meine Generation von nigerianischen Spiritanern „Osuofia“, Pioniere, wurden: der Übergang von der irisch-geleiteten Provinz zu einer Provinz, die von einheimischen Mitbrüdern gesteuert wurde. Die Initiativen, die wir aufgrund des Biafra-Krieges ergriffen hatten, haben die Entwicklung der derzeitigen vier nigerianischen Spiritanerprovinzen geprägt.

Mein Fazit:

Meine Einschätzung meines fünfzigjährigen Einsatzes als Priester ist, dass der Herr Jesus der wahre Ekwueme ist: Er hält, was Er verspricht. Dieser nichtbiblische Titel wurde von unseren Igbo-Vorfahren ausgesprochen, noch bevor die Spiritaner, unter der Leitung von Bischof Shanahan, ihnen den Erlöser Jesus Christus bekannt machten. Ich kann die Wahrhaftigkeit seiner „Stellenbeschreibung“ für seine Nachfolger bezeugen: die Freuden und Mühen der Nachfolge Jesu, die Gastfreundschaft durch Fremde, der Trost des Heiligen Geistes sowie die Verfolgungen durch Mitbrüder. Der berühmte Schweizer Exeget Karl Barth wurde gefragt, was er Jesus sagen würde, wenn er ihm begegnen würde. Er antwortete mit den Worten des Zöllners aus dem Gleichnis: „Herr, sei mir, einem Sünder, gnädig!“ Ich würde lieber mit dem Apostel Petrus sagen: „Herr, du weißt alles. Du weißt, dass ich dich liebe!“ Deo Gratias! Gott sei Dank!

Lukas Nnamdi Mbefo, C.S.Sp


25.04.2021

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