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Heilig-Geist-Gymnasium, Broichweiden / Würselen

Kompetenzen fördern - Leistung fordern - Persönlichkeit formen - Glauben leben. Das sind die Säulen des Heilig-Geist-Gymnasium in Broichweiden / Würselen.

Auf der Grundlage des christlich-spiritanischen Welt- und Menschenbildes erhalten die Schülerinnen und Schüler ganzheitliche und exzellente Bildung und Erziehung.

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Ein Jahr unterwegs mit Pater Franz Maria-Paul Libermann: Teil 8 „Ein Mann, der Grenzen überschreitet“

Unser ganzes Leben ist ein ständiges Unterwegs-sein: von der Kindheit zur Jugend, von der Jugend zum Erwachsenwerden, vom Erwachsensein zum Senior. Je nach Lebenssituation erleben wir diese Lebensphasen an unterschiedlichen Orten. P. Libermann ging es genauso. Er hat immer wieder Grenzen überschritten. Von ihm können wir lernen, wie es gelingen kann, loszulassen, aufzubrechen ins Neue, ins Ungewisse, auch wenn das nicht immer einfach ist, manchmal sogar weht tut. Das Unterwegs-sein P. Libermanns können wir in drei große „Lebens- und Reiseetappen“ gliedern.

Pater Franz Maria-Paul Libermann, CSSp

Pater Franz Maria-Paul Libermann, CSSp

Vom Glauben an den Gott der Väter zur Begegnung mit Jesus Christus: Von Zabern über Metz nach Paris.

Zuhause in Zabern (Elsass) wurde Jakob Libermann von seinem Vater Lazarus im Talmud unterrichtet. Im Herbst 1822 schickte Lazarus Libermann seinen Sohn Jakob auf die jüdische Hochschule nach Metz, um ihm die akademische Laufbahn zu ermöglichen. Dies war der erste Schritt Jakobs aus dem „behüteten Judenghetto“ heraus in die „neue Welt“. Wie es ihm dabei erging, schildert Jakob in einem Brief an Regens Gamon: „Hier begann für mich das barmherzige Walten der Vorsehung spürbar zu werden. Gott, der mich dem Irrtum entreißen wollte, in dem ich steckte, bereitete dort mein Herz, indem er mich Unannehmlichkeiten und Widrigkeiten erfahren ließ, auf die ich nicht gefasst war“ (N.D. I. 61 / 1850). Sein Vater hatte ihm ein Empfehlungsschreiben an zwei befreundete Professoren mitgegeben. Von ihnen wurde Jakob „mit herablassendem Stolz und kühler Herablassung“ nicht sonderlich gut empfangen. In der Schule seines Vaters war Jakob so gut ausgebildet worden, dass ihm seine Professoren in Metz nichts Neues beibringen konnten. Der Unterricht langweilte ihn und er begann, sich mit Sprachen (französisch, lateinisch und griechisch) und mit anderen Wissenschaften zu beschäftigen. „In einer solchen Lage konnte ich nur noch großen Überdruss empfinden. Bald fiel ich in tiefe Traurigkeit und in eine Art religiöse Gleichgültigkeit, die nach einigen Monaten einem vollständigen Glaubensmangel Platz machte.“

Seine Unentschlossenheit und Unsicherheit wuchsen. Ein alter Freund der Familie, Paul Drach, lud Jakob ein, nach Paris zu kommen, nachdem er ihm in einem Brief seinen Zustand geschildert hatte. Mit der Erlaubnis seines Vaters ging Jakob dann 1826 nach Paris und fand einen Platz in einer Dachkammer im Stanislaus-Kolleg. Wie es ihm dort erging, entnehmen wir seinen Schilderungen an Regens Gamon: „Dies war für mich ein äußerst schmerzlicher Augenblick. Diese tiefe Einsamkeit, dieser Raum, in den nur durch eine einfache Dachluke das Licht drang, … all das ließ mich in eine tiefe Traurigkeit versinken. Schwere Niedergeschlagenheit bedrängte mich. Da warf ich mich in Erinnerung an den Gott meiner Väter auf die Knie und bat ihn inständig, mich doch über die wahre Religion zu erleuchten. … Der Herr, der denen nahe ist, die ihn aus dem Grunde ihres Herzens anrufen, erhörte meine Gebete. Ich bekam sogleich Erleuchtung, der Glaube durchdrang meinen Geist und mein Herz. … Von da an wünschte ich nichts sehnlicher, als mich in das Taufwasser getaucht zu sehen.“ Libermann empfing die Taufe am Heiligen Abend 1826. „Als das Taufwasser über meine Stirn floss, fielen alle meine Zweifel, alle Befürchtungen von mir ab. Der geistliche Talar, dem gegenüber ich etwas von der Abneigung empfand, die der jüdischen Nation eigen ist, erschien mir nun in einem anderen Licht, ich liebte ihn mehr als ich ihn fürchtete.“

Von der Taufe zum geistlichen Begleiter: Von Paris über Rennes nach Rom.

Zehn Monate nach seiner Taufe beginnt Franz Maria Paul Libermann die theologischen Studien im Seminar von St. Sulpice in Paris. Ein epileptischer Anfall am Vorabend der Weihe zum Subdiakon, dem weitere folgten, machte 1828 die Zurückstellung von den Weihen nötig. Libermann lebte dennoch für 6 Jahre im Seminar von Issy (bei Paris) als Laufbursche des Ökonomen. In dieser Zeit begann Libermann auch Briefe zu schreiben an Menschen, die sich bei ihm Rat holten. Für die Seminaristen wurde er zum geistlichen Begleiter. Als der Generalobere der Eudisten einen Novizenmeister suchte, empfahl ihm der Direktor des Seminars Libermann. Er willigte ein und ging im Juli 1837 nach Rennes. Zwei Seminaristen gaben ihm noch „schweres Gepäck“ mit auf die Reise. Sie stammten von der Insel Bourbon und aus Haiti und kannten die Situation der schwarzen Sklaven in ihrem Land, die kurz vor der Befreiung standen. Sie baten Libermann mit ihnen zusammen ein „Werk für die Schwarzen“ zu gründen. Libermann lehnte dies aufgrund seiner Gesundheit ab, trotzdem ließ ihn der Gedanke und die Sorge seiner beiden Freunde nicht los. Die Zeit in Rennes war für Libermann so auch eine Zeit des Ringens und Zweifelns. Manchmal kam er sich „voller Bedrängnis und Leid, unfruchtbar und ohne Nutzen für die Ehre des Herrn“ vor.

In einer „kleinen Erleuchtung“ am Fest der Apostel Simon und Judas, am 28. Oktober 1839 erkannte Libermann seine missionarische Berufung und stellte sich dem „Werk für die Schwarzen“ zur Verfügung.

Vom Novizenmeister zum Ordensgründer und Missionar: Von Rom über Loretto und Amiens in alle Welt.

Anfang Dezember 1839 nahm Libermann Abschied von Rennes und ging ins Ungewisse – nach Rom. Im März 1840 reicht er seine Pläne für die angestrebte Gemeinschaft bei der Kongregation für die Glaubensverbreitung ein. Nach zwei Monaten kommt die Antwort: Der Plan ist gut, aber nur ein Priester kann eine Priesterkongregation gründen und leiten! Libermann gibt nicht auf. Er macht eine Wallfahrt nach Loretto. Als er am 15.12. nach Rom zurückkam, war er von der Epilepsie geheilt. Danach ging es Schlag auf Schlag: Der Bischof von Straßburg weihte ihn zum Diakon und am 18.09.1841 wurde er in Amiens zum Priester geweiht. Das „Werk für die Schwarzen“ konnte beginnen. Bereits 1842 konnte Libermann die ersten Missionare nach Westafrika und auf die Inseln im Indischen Ozean aussenden.

Ein Fazit der Reise:

„Pilger sind wir Menschen, suchen Gottes Wort. Unerfüllte Sehnsucht treibt uns fort und fort. … Menschen auf dem Wege, Frieden suchen wir. Unerfüllte Sehnsucht, überall und hier. … Gott schenkt uns Vertrauen und ein Arbeitsfeld. Er will mit uns bauen eine neue Welt!“ Diese Worte eines Pilgerliedes fassen das Grenzen überschreitende Unterwegs-sein Libermanns vielleicht auch unser Unterwegs-sein zusammen.

Pater Michael Wegner, CSSp


05.08.2021

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