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Bildung für Kinder in Afrika

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Ein Jahr unterwegs mit Pater Franz Maria-Paul Libermann: Teil 7 - Die Wertschätzung aller Menschen

Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung, Gewalt gegen anders denkende und anders aussehende Menschen, Rassismus und Rechtsextremismus, das sind gravierende und zerstörerische Phänomene und Fakten in der Gesellschaft, in der Welt von heute, und leider auch in zunehmendem Maße in Deutschland. Neben der Diskriminierung von Migranten breitet sich vor allem der sogenannte „Kulturrassismus“ aus. Er äußert sich z. B. in einer Feindlichkeit gegenüber dem Islam oder im Antisemitismus.

Pater Franz Maria-Paul Libermann, CSSp

Pater Franz Maria-Paul Libermann, CSSp

„Aufeinander zugehen, einander zuhören, sich anschauen, sich kennenlernen: heilsame Gegenmittel?“

Allein im Jahr 2018 zählte das Bundesamt für Verfassungsschutz mehr als 19.000 Straftaten (darunter auch Tötungsdelikte), die rechtsextremistisch motiviert waren (vgl. www.zdf.de/nachrichten). All diese Fakten schüren Sorgen und Ängste der Menschen auf der ganzen Welt, erschüttern sie und stellen gleichzeitig eine Herausforderung dar.

Papst Franziskus hat mit seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ vom 03.10.2020 eine Antwort gegeben, in der er seine Sorgen, aber auch mögliche Wege der Veränderung und Erneuerung aufzeigt. Er gab diesem Schreiben den Untertitel: „Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft“. Es ist ein Aufruf, „eine offene, geschwisterliche Gemeinschaft zu bilden“ (Nr. 1), „jeden Menschen zu achten und mit einer Liebe ohne Grenzen zu lieben; mit einer Liebe, die auf andere zugeht“ (Nr. 3).

„Niemand darf ausgeschlossen werden“ (Nr. 121). „Aufeinander zugehen, sich äußern, einander zuhören, sich anschauen, sich kennenlernen; versuchen, einander zu verstehen, nach Berührungspunkten suchen“ (Nr. 198), all das sind heilsame Gegenmittel. „Die Freude, den anderen anzuerkennen, bedeutet die Fähigkeit, dem Nächsten das Recht zuzugestehen, er selbst zu sein und anders zu sein“ (Nr. 218).

„Missionsmethode“ Libermanns gegen Diskriminierung und Rassismus aller Art

Genau das hat auch P. Libermann erkannt und das war seine „Missionsmethode“, wie er sie in seinem großen Missionsplan aufgeschrieben hat, den er 1846 der Kongregation für die Glaubensverkündigung in Rom vorlegte. Libermann wendet sich dabei strikt und in aller Deutlichkeit gegen Vorurteile, Diskriminierung und Rassismus aller Art. Er schreibt: „Einige Leute haben versucht, uns von unserem Vorhaben, ein Werk für die Schwarzen zu gründen, abzubringen. Sie wollen uns einreden, unser Eifer und unsere Anstrengungen seine reine Kraftvergeudung. Wenn sie auf die Schwarzen zu sprechen kamen, sagten sie: Diese Leute werden nie lernen, sich zu benehmen. Sie sind zu blöde, einfach unfähig, dazu ohne Herz; ein Gesinde, dermaßen unbelehrbar, dass man ihnen nicht einmal mit Stockschlägen etwas einbläuen kann. Sie sind von Natur aus verdorben und lasterhaft, sodass es vergebene Mühe ist, sich für sie krummzulegen, um am Ende doch nichts zu erreichen.“

Libermann hält diesen Vorwürfen und Verurteilungen die Erfahrung seiner Mitbrüder und seine eigene innere Überzeugung entgegen: „Meine Mitbrüder von der Insel Bourbon und von Guinea versichern, dass die Schwarzen nicht weniger intelligent sind als die anderen Völker und dass man unter ihnen eine große Zahl findet, die fähig wären, klassische Studien zu betreiben und ihre Prüfung zu bestehen.“

Auf dem Vorwurf des Verfalls der Sitten antwortet Libermann: „Die Schwarzen, die Sklaven sind, mögen zwar untereinander verdorben sein, aber das darf niemanden verwundern, es wäre im Gegenteil erstaunlich, wenn es nicht so wäre. Es sind Menschen, die in schrecklichstem Elend zur Welt kommen, seit ihrer Kindheit sich selbst überlassen bleiben, aufwachsen in erniedrigendster Unwissenheit, die während ihrer Jugend keine einzige Stunde über gutes benehmen und Tugenden erhalten. Später, jedes leiblichen, intellektuellen oder moralischen Vergnügens beraubt, werden sie erdrückt von schwerer Arbeit und Mühe, unablässig mit vergiftender Bitterkeit getränkt, gedemütigt und schlecht gemacht, behandelt wie die wilden Tiere.“

Gegen den Vorwurf der Unzuverlässigkeit wendet Libermann ein: „"In den Kolonien macht man den unglücklichen Schwarzen die Arbeit so verhasst, dass sie, sobald die Rute sie nicht mehr dazu zwingt, von ihr ablassen. Muss nicht ein Sklave es für das größte Glück auf Erden halten, einmal zu leben, ohne etwas zu tun; ein Sklave, der dauernd müde ist und doch immer wieder bei der geringsten Ruhepause mit Strafe bedroht wird?"

Rezept für Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft

Die Konsequenz, die Libermann aus all dem zieht, lautet: „Man helfe ihnen aus ihrer Erniedrigung heraus, gebe sich mit ihnen ab, um sie zu einem bürgerlichen Leben hinzuführen, sie zu unterreichten und einen guten Christen aus ihnen zu machen.“

In einem Brief an die Gemeinschaft von Dakar gibt P. Libermann seinen Mitbrüdern folgende Hilfestellung für ihre Arbeit, die auch für uns heute wegweisend sein kann: „Erforschen Sie genau den Charakter und die Neigungen der Schwarzen, ergründen Sie ihr eigenartiges Wesen, bleiben Sie nicht beim Äußeren stehen. Aber hüten Sie sich vor einer übereilten Begeisterung, urteilen Sie nicht vorschnell. Die schwarze Rasse hat ihre Mängel und Schwächen ebenso, wie die weiße die ihrigen hat. Aber sie hat auch ihre guten Eigenschaften ebenso wie die weiße."

An den König von Dakar schrieb P. Libermann im Jahr 1848: „Mein Herz gehört den Afrikanern, ganz den Afrikanern. Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Gott aller Christen, der Gott der ganzen Welt, ist schön, groß und mächtig barmherzig und voll Liebe gegen alle Menschen. Alle Menschen liebt er in gleicher Weise. Ich bin ein Diener Jesu Christi. Er will von mir, dass ich alle Menschen liebe, so wie er sie liebt.“ Das ist es, was sich Gott von uns allen wünscht und woran uns Papst Franziskus mit seiner Enzyklika „Fratelli tutti“, mit seinem Rezept für Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft, gegen Diskriminierung und Fremdenhass noch einmal ausdrücklich erinnert.

Pater Michael Wegner, CSSp


05.07.2021

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