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Ein Jahr unterwegs mit Pater Franz Maria Paul Libermann – Teil 4: „Die geliebte Krankheit“

Am Vorabend der Weihe zum Subdiakon im März 1829 erleidet Libermann einen schweren epileptischen Anfall. Diese Nervenkrankheit begleitete ihn ein Leben lang und sie hat sicher schon vor diesem schweren Anfall begonnen. Seine Krankheiten und Prüfungen hätten P. Libermann zu Traurigkeit, Entmutigung und Handlungsunfähigkeit führen können. Doch das Gegenteil ist der Fall: Friede und Freude, die nichts erschüttern kann, Offenheit für alles und alle, Dynamik in allen Prüfungen.

Pater Franz Maria-Paul Libermann, CSSp

Pater Franz Maria-Paul Libermann, CSSp

Am Ende der Glaubenskrise und der Zweifel im Stanislaus-Kolleg in Paris stand die Taufe von Franz Maria Paul Libermann am Heiligen Abend 1826 (vgl. Teil 3). Nach der Taufe hatte er das sehnliche Verlangen, Priester zu werden. Mit diesem Wunsch tritt er ins Seminar von St. Sulpice in Paris ein. In dieser Zeit schreibt er: „Ich bin immer zufrieden, immer glücklich, mein Herz ist in vollkommener Ruhe und nichts kann diesen Frieden stören!“

Doch es kommt anders: Am Vorabend der Weihe zum Subdiakon im März 1829 erleidet Libermann einen schweren epileptischen Anfall. Diese Nervenkrankheit begleitete ihn ein Leben lang und sie hat sicher schon vor diesem schweren Anfall begonnen. Kurz nach seiner Konversion schreibt er an seinen Bruder Samson: „Meine Nerven haben mir schlimme Streiche gespielt. Die geistige Anstrengung hat mich ermüdet. Sobald ich arbeiten will, fühle ich einen Druck im Kopf, wie wenn mir ein eiserner Reif um Stirn und Schläfen gepresst würde! (N.D. I. 150, 1829). Trotzdem studiert Libermann eifrig und erfolgreich weiter, bis eben zu diesem schweren Anfall, der ihn von allen geistlichen Ämtern ausschließt.

"Meine geliebte Krankheit ist für mich ein großer Schatz!"

Dennoch verliert Libermann weder den Mut noch sein Gottvertrauen. Einem guten Freund schreibt er: „Lassen Sie mir meine geliebte Krankheit und noch hunderttausend Leiden dazu. Wenn Sie mich glücklich sehen wollen, kommen Sie zu mir, und Sie werden Ihren Wunsch erfüllt sehen“ (L.S. I. 17, 1830). Ähnlich schreibt er an seinen Bruder Samson und an seine Schwägerin: „Ich kann euch versichern, dass meine geliebte Krankheit für mich ein großer Schatz ist! Warum macht Ihr euch meinetwegen Kummer? Habt Ihr Angst, ich könnte verhungern? Mein Gott! Der Herr ernährt die Vögel des Feldes und sollte keinen Weg finden, auch mich zu ernähren? (L.S. I. 10, 1830).

Libermann bleibt im Seminar als Laufbursche und wird zum geistlichen Freund und Berater vieler Seminaristen. Im September 1837 geht er als Novizenmeister zu den Eudisten nach Rennes. Dort erleidet er im Februar 1838 einen weiteren schweren Anfall – es sollte der letzte sein. Er reist nach Rom, um sein „Werk für die Schwarzen“ anerkennen zu lassen. Doch er wird vertröstet, ja abgelehnt: Du kannst aufgrund deiner Krankheit nicht Priester werden, also kannst du auch keine Gemeinschaft gründen! Libermann macht eine Fußwallfahrt nach Loretto. Seine Gesundheit stabilisiert sich, er kann Priester werden und die Genossenschaft gründen.

P. Libermann kann vielen anderen kranken Menschen Geduld und Hoffnung in schweren Stunden schenken

Schwerkrank schreibt Libermann am Ende seines Lebens 1851 an seine Missionare: „Ich darf mich ebenso afrikanisch und noch afrikanischer als Ihr nennen; denn ich habe alle afrikanischen Krankheiten gehabt: Vor sieben Jahren hatte ich die Ruhr, letzten Sommer hatte ich zuerst Sumpffieber und dann Gelbfieber. Dennoch werde ich – und müsste ich auf der Strecke bleiben – Euch allen schreiben…“ (L.S. IV. 687, 1851).

Durch so viele Krankheiten geläutert und erprobt, kann P. Libermann vielen anderen kranken Menschen – und vielleicht auch uns – Geduld und Hoffnung in schweren Stunden schenken. An eine junge, nervenkranke Frau, die ins Ordensleben eintreten möchte, schreibt er: „Im Allgemeinen müssen nervöse Affektionen vergessen, vernachlässigt, verachtet werden. Ich war in meiner Jugend dieser Art von Beschwerden ausgesetzt, und zwar auf sehr heftige Art und Weise. Man muss sich in diesen Momenten von sich selbst ablenken, sich nicht von der nervösen Unruhe des Herzens ergreifen lassen, sondern energisch gegen diese Gefühle vorgehen und sich in einem großen Gleichmut vor Gott stellen… Ich folgte ihm aus einem Geist des Glaubens und im Wunsch, Gott zu gefallen, ohne daran zu denken, auf diese Weise die Gesundheit wieder zu erlangen. Und in der Tat hatte diese Haltung großen Anteil an meiner Heilung“ (N.D. VII. 238, 1845).

„Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen."

An einen kranken Seminaristen schreibt Libermann: „Sie leiden noch immer unter Ihren Kopfschmerzen? Ich denke, Sie täten gut daran, sich nicht zu sehr, zu wünschen, davon geheilt zu werden, sondern sich ganz und soweit es Ihnen möglich ist, der göttlichen Weisheit anzuvertrauen… Man beginnt, indem man geduldig leidet; nach und nach wird diese Bereitschaft vervollkommnet; und man endet, nach sehr kurzer Zeit, indem man sich ganz unserem Herrn Jesus hingibt“ (L.S. I. 299, 1837).

Seine Krankheiten und Prüfungen hätten P. Libermann zu Traurigkeit, Entmutigung und Handlungsunfähigkeit führen können. Doch das Gegenteil ist der Fall: Friede und Freude, die nichts erschüttern kann, Offenheit für alles und alle, Dynamik in allen Prüfungen. So lebte und erlebte P. Libermann die Worte des Apostels Paulus: „Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen. … Friede, Freude und Erbarmen komme über alle, die sich von diesem Grundsatz leiten lassen“ (Gal 6, 14. 16).

In diesem Sinne gilt uns allen das Testament P. Libermanns: „Euer Leben möge immer ein Leben der Liebe, der Freude, des Eifers und des Erbarmens sein“ (L.S. IV. 687, 1851).

P. Michael Wegner CSSp


09.04.2021

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