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Ein Jahr unterwegs mit Pater Franz Maria Paul Libermann – Teil 3

In Paris: Ein Licht am Ende der Krise

Am jüdischen Glauben hatte Jakob Libermann immer mehr Zweifel, aber war die christliche Religion die richtige für ihn und seinen Weg in die Zukunft?

„Wohl dem, der einen Freund hat und zu Ohren sprechen darf, die ihn hören“. So lautet eine Lebensweisheit aus dem alttestamentlichen Buch Jesus Sirach (Sir 25,9). Einen solchen Freund hatte Jakob Libermann in Metz gefunden, inmitten seiner Zweifel, seines Suchens und Haderns, seiner scheinbaren Ausweglosigkeit. Am jüdischen Glauben hatte Jakob Libermann immer mehr Zweifel, aber war die christliche Religion die richtige für ihn und seinen Weg in die Zukunft?

„Ich hatte einen Freund, der völlig meine Ansichten über Religion und Weltanschauungen teilte. Wir sahen uns oft und machten unsere Studien und Spaziergänge meist gemeinsam. Der riet mir nun, nach Paris zu gehen und dort den jüngst zum katholischen Glauben übergetretenen Dr. Drach, einen alten Hausfreund meines Vaters, zu befragen.“ So berichtet P. Libermann im Gespräch mit Regens Gamon (1850). Jakob Libermann schrieb einen Brief an Paul Drach und berichtete ihm über seinen Seelenzustand. Dieser lud ihn ein, nach Paris zu kommen und schickte ihm sogar 100 Franken Reisegeld.

Um nach Paris zu reisen, brauchte Jakob die Erlaubnis seines Vaters. Die Heimreise von Metz nach Zabern, die Jakob zu Fuß zurücklegte, glich für ihn wohl dem berühmten „Gang nach Canossa“, den König Heinrich IV. im Jahre 1076 unternahm, um wieder in die katholische Kirche aufgenommen zu werden, nachdem er vom Papst exkommuniziert worden war.

Ganz wohl war Jakob nicht zumute, denn sein Vater wusste von seinen schwachen Leistungen und seiner fehlenden Motivation in den Studien. Um seine Zweifel loszuwerden, unterzog Vater Lazarus seinen Sohn Jakob gewissermaßen einer Lehrprobe, die dieser so empfand: „Ich war mir der Gefährlichkeit meiner Lage bewusst. Doch, kaum hatte ich die Fragen gehört, da war es mir, als ob mir eine Erleuchtung zuteil wurde und mir gezeigt wurde, was ich zu antworten hatte. Ich konnte nur staunen, wie leicht mein Geist das Verwickelte und Rätselhafte in der mir vorgelegten Frage erfasste. Die Erlaubnis, nach Paris zu reisen, bekam ich nun ganz leicht, obwohl man meinem Vater zusteckte, dass ich dort meine Brüder treffen und genauso werden würde wie sie. Mein Vater vertraute mir und gab mir einen Brief an den Oberrabbiner Deutz mit.“

Auf dem Weg nach Paris machte Jakob einen Besuch bei seinem Bruder Samson und dessen Familie in Straßburg. Er wurde sehr herzlich aufgenommen, war aber überrascht, als seine Schwägerin ihm sagte, sie alle beteten viel für seine Bekehrung. Noch größer war die Verwirrung, als sie ihm sagte, dass für ihn in Paris alles klar und er nicht nur Christ, sondern sogar Priester werden würde.

In Paris fand Jakob ein erstes Unterkommen im Haus seines Bruders Felix. Von da aus nahm er Kontakt auf mit Paul Drach. Der besorgte ihm einen Platz im Stanislaus-Kolleg und brachte ihn dorthin. Und es kamen weitere dunkle Stunden auf ihn zu, wie er selbst berichtete: „Ich wurde in eine Zelle eingeschlossen… und man ließ mich allein. Dies war für mich ein äußerst schmerzlicher Augenblick. Diese tiefe Einsamkeit, dieser Raum, in den nur durch eine einfache Dachluke das Licht drang, der Gedanke, so weit von meiner Familie und meiner Heimat entfernt zu sein- all das ließ mich in eine tiefe Traurigkeit versinken. Schwere Niedergeschlagenheit bedrängte mich. Da warf ich mich in Erinnerung an den Gott meiner Väter auf die Knie und bat ihn inständig, mich doch über die wahre Religion zu erleuchten. … Der Herr, der denen nahe ist, die ihn aus dem Grund ihres Herzens anrufen, erhörte mein Gebet. Ich bekam sogleich Erleuchtung, ich erkannte die Wahrheit, der Glaube durchdrang meinen Geist und mein Herz. … Von da an wünschte ich mir nichts sehnlicher, als mich in das Taufwasser getaucht zu sehen.“

Am Heiligen Abend 1826 wurde Jakob getauft auf die Namen Franz Maria Paul. Was in diesem Moment in ihm vor sich ging, beschreibt er später so: „Ich kann nicht genug die wunderbare Umwandlung bewundern, die sich in dem Augenblick, als das Taufwasser über meine Stirn floss, in mir vollzog. Alle meine Zweifel, alle meine Befürchtungen fielen von mir ab. … Ich empfand unüberwindlichen Mut und Kraft, nach den christlichen Glaubensvorschriften zu leben; für alles, was mit meinem neuen Glauben zu tun hatte, verspürte ich zärtliche Liebe.“

In seinem Kommentar zum Johannes-Evangelium, den er später in Rom verfasste, schreibt Libermann: „Nach unserer Taufe wohnt der Heilige Geist in uns in lebendiger und lebendig machender Weise; er ist dort, um in uns der Ursprung aller Regungen unserer Seele zu werden. Es hängt von uns ab, uns von ihm ergreifen und bestimmen zu lassen.“

Der Heilige Geist, der Geist Gottes ist es, der seit der Taufe in uns wohnt, unsere Herzen und Sinne erleuchtet und uns immer wieder einen Weg aus Krisen und Dunkel zeigt. Es liegt an uns, auf ihn zu vertrauen, ihm zuzutrauen, dass er uns führt und uns immer wieder mit neuer Hoffnung und neuer Lebensfreude erfüllt.

Pater Michael Wegner, CSSp


11.03.2021

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