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Ein Jahr unterwegs mit Pater Franz Maria-Paul Libermann: Teil 12 - „Gott ist alles, der Mensch ist nichts“

P. Libermann drückt seine Hoffnung und Zuversicht, sein Gottvertrauen, am Ende seines Lebens so aus: „Euer Leben möge immer ein Leben der Liebe, des Friedens, des Eifers und des Erbarmens sein. Seid glühend, immer glühend für die Liebe. Liebe in Jesus Christus, Liebe durch Jesus Christus, Liebe im Namen Jesu Christi. Gott ist alles, der Mensch ist nichts!“

Ein gerade zum Jahreswechsel gerne gesungener / gelesener Text ist der, den Dietrich Bonhoeffer zum Jahresende 1944 geschrieben hat: „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr. Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was komme mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag!“ Das sind Worte, die uns auch in der Zeit der Corona-Pandemie und nach allen Katastrophen und Schicksalsschlägen des zu Ende gehenden Jahres neue Hoffnung und neue Zuversicht schenken können.

P. Libermann drückt seine Hoffnung und Zuversicht, sein Gottvertrauen, am Ende seines Lebens so aus: „Euer Leben möge immer ein Leben der Liebe, des Friedens, des Eifers und des Erbarmens sein. Seid glühend, immer glühend für die Liebe. Liebe in Jesus Christus, Liebe durch Jesus Christus, Liebe im Namen Jesu Christi. Gott ist alles, der Mensch ist nichts!“ (L.S. IV.,687, 1852).

„Gott ist alles, der Mensch ist nichts!“

„Gott ist alles, der Mensch ist nichts!“ Diese Worte sind die Zusammenfassung des Lebens und der Spiritualität Libermanns. Worte, die aus einer Lebenserfahrung mit Höhen und Tiefen, mit Licht und Dunkel gewachsen sind. „Gott ist alles“, das ist auch das Bekenntnis seines von der unendlichen Größe Gottes geprägten jüdischen Glaubens, aus dem sein Gottvertrauen gewachsen ist. Doch die wahre Quelle seiner Überzeugung, dass Gott alles ist, findet sich in seiner eigenen Gotteserfahrung. Für Libermann gibt es kein geistliches Leben, wenn Gott nicht in allen Dingen den ersten Platz hat. Deshalb spricht Libermann sehr häufig von der „union pratique“, von der praktischen Vereinigung mit Gott. Und immer wieder betont er: „Gott allein, in allen Dingen soll man nur Gott allein sehen!“

Was Libermann mit der praktischen Vereinigung mit Gott meint, drückt er in den Weisungen an seine Missionare in diesem Bild aus, das auch für uns hilfreich sein kann: „In gewisser Weise muss der Missionar sein wie ein Fisch im Wasser! Nur mit Hilfe des Wassers kann der Fisch sich harmonisch entfalten. Dort findet er, was für sein Leben wesentlich ist. So kann der, der sein Herz bei Gott hat, geradewegs vorangehen, ruhige Wasser ebenso durchschreiten wie solche, die vom Sturm aufgewühlt sind. In jedem Augenblick lernt der Missionar, mit Gott zu leben. Die Seele, die von Gott erfüllt ist, weiß Geduld zu üben wie Gott; sie ersehnt den Erfolg weder größer noch schneller, als Gott es will; sie prüft die Dinge in Ruhe und im Geist Gottes“ (N.D. IX, 328-329).

"Der Geist Jesu beseele all Euer Tun!"

In einem Gebet bringt es Dietrich Bonhoeffer so auf den Punkt: „Gott, du hast es mit mir angefangen. Du hast mir nachgestellt, hast mich nicht loslassen wollen, bist mir immer wieder hier oder dort plötzlich in den Weg getreten, hast mich verlockt und betört, hast dir mein Herz gefügig und willig gemacht, hast zu mir geredet von deiner Sehnsucht und ewigen Liebe, von deiner Treue und Stärke; als ich Kraft suchte, stärktest du mich; als ich Halt suchte, hieltest du mich; als ich Vergebung suchte, vergabst du mir die Schuld. Ich hatte nicht gewollt, aber du überwandtest meinen Willen, meinen Widerstand, mein Herz. Gott, du verführtest mich so unwiderstehlich, dass ich mich dir hingab. Herr, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen“ (Bonhoeffer 1944).

Sehr eindringlicher ist die letzte Botschaft P. Libermanns an seine Mitbrüder: „Der Geist Jesu beseele all Euer Tun, er forme alle Gesinnungen Eurer Seele, er mildere und mäßige alles heftige Hingerissen-Sein des Geistes, alle harten oder eigensinnigen Regungen des Herzens, mit einem Wort: Alles was in der Seele leidenschaftlich und ungeordnet ist. Er sei Herr über alles, was Ihr wahrnehmt, er lenke und leite alle Regungen Eurer Seele. Er übermittle Eurem Herzen die Sanftmut und Demut, für die der göttliche Meister uns ein Beispiel gegeben hat. Euer Leben möge immer ein Leben der Liebe, des Friedens, des Eifers und des Erbarmens sein.“

Bonhoeffer würde sagen: Euer Leben sei ein Leben, von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar. Ein Leben, in dem Gott mit euch ist, am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. In dieser Zuversicht und in diesem Vertrauen dürfen wir in das neue Jahr hineingehen. Gott segne und behüte Sie auch im Jahr 2022.

P. Michael Wegner CSSp


01.12.2021

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