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Kloster Knechtsteden

Das Missionshaus Knechtsteden mit der romanischen Basilika ist für viele Menschen aus der Region und darüber hinaus ein Anziehungspunkt.

Gerne lassen sich die Besucher gefangen nehmen von dem Dreiklang "Religion - Natur - Kultur", der heute die mittelalterliche Klosteranlage prägt.

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Ein Jahr unterwegs mit Pater Franz Maria Paul Libermann - Teil 1

P. Libermann und die Krisen in Kindheit und Jugend

„Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ (Ps.18,30). In diesem Vers aus Psalm 18 kommt ein großes Gottvertrauen zum Ausdruck, von dem auch das Leben P. Libermanns geprägt war, das von Kindheit an kein leichtes, sondern ein von Herausforderungen, Schmerzen und Krisen gezeichnetes Leben war. Doch Libermann gab nicht auf, er verlor den Mut, die Hoffnung und die Zuversicht niemals ganz. Sein Rezept ist: Geduldig und demütig sein und warten, bis die Mauer fällt, bis sich neue Wege auftun.

Pater Franz Maria Paul Libermann

Pater Franz Maria Paul Libermann

Jakob Libermann wurde am 12. April 1802 als fünfter Sohn des Rabbiners von Zabern im Elsass geboren. Sein Vater Lazarus Libermann war ein strenger und wahrer Israelit. Als Schulinspektor der Talmudschulen im Elsass war er berechtigt, seine Söhne selbst zu unterrichten und zu prüfen, was er auch mit aller Strenge tat. Auf seinen jüngsten Sohn Jakob war der Vater besonders stolz, denn er war ein guter Schüler und er sollte einmal sein Nachfolger als Rabbiner werden.

Jakob war ein schüchternes, schwächliches, sanftmütiges und hoch intelligentes Kind. Aufgrund seiner schwächlichen Figur und seines sanften Gemütes wurde er oft von seinen Brüdern und Spielgefährten gehänselt und verspottet.

Jakob Libermann wuchs in streng orthodoxer Umgebung heran. Seine Kindheit spielte sich ab im Schatten der Synagoge, im hermetisch abgeriegelten Milieu des Judenviertels von Zabern. Jakob sprach Deutsch und Französisch, kannte aber nur das hebräische Alphabet, und seine literarischen Kenntnisse beschränkten sich auf das Alte Testament, den Talmud und die übrigen jüdischen Schriften. Wie in allen jüdischen Familien üblich, wurde Jakob von Anfang an zu einer strengen Abscheu gegen das Christentum erzogen. Das Zeichen des Kreuzes wurde ihm als Zeichen der Verwünschung nahegebracht.

Wie sehr ihn diese Erziehung prägte und was sie in ihm auslöste, das zeigt eine Begebenheit, die er später selbst erzählte. Einmal sah er den Pfarrer von Zabern vom Friedhof zurückkehren und das aufrecht vor ihm stehende Kreuz erschreckte ihn. Vor Schrecken außer sich flüchtete er in einen kleinen Laden, kauerte sich hinter dem Ladentisch und wartete dort, zitternd wie Espenlaub, bis alles vorüber war.

Als Jakob 11 Jahre alt war, starb seine Mutter Lea, an der er sehr hing und die er über al-les liebte. An seine Mutter und deren Herzensliebe erinnerte sich Libermann später im-mer, wenn er von Maria spricht. Bei ihr findet er Halt, Hoffnung und Trost auch und be-sonders in schweren Stunden. 1846 schreibt er: „Verhalten Sie sich zu Maria wie ein klei-nes Kind zu seiner Mutter. Tut ihm etwas weh, läuft es gleich zu seiner Mutter, um es ihr zu zeigen; es ist viel weniger von dem Gedanken erfüllt, geheilt zu werden, als von dem Wunsch, seiner Mutter das Weh zu zeigen, damit sie sich davon rühren lässt und ihm kleine Liebkosungen schenkt. Die Mutter liebkost es und verbindet ihm die Wunde, und das Kleine, ohne sich um die Heilung Sorge zu machen, ist ruhig und zufrieden. Seine Mut-ter hat ihm einen Kuss gegeben, sie hat ihm etwas Liebes gesagt, und das genügt ihm“ (N.D. VIII, 206).

Ein Jahr nach dem Tod seiner Frau Lea heiratete Vater Libermann wieder, doch die Stiefmutter konnte die Liebe und den Platz der eigenen Mutter im Herzen Jakobs nicht ausfüllen. Dieser Verlust schmerzte ihn sehr und machte ihn oft traurig. Umso enger schloss er sich an seine Geschwister an, besonders an seinen 12 Jahre älteren Bruder Samson, der ihm half, den Schmerz und die Trauer auszuhalten und daran nicht zu zerbrechen.

Die Erfahrung von Trauer und Trostlosigkeit schon in der Kindheit und Jugend befähigte Libermann dazu, später in zahlreichen Briefen trauernden Menschen Trost und Hoffnung zu spenden.

Nach dem Tod seines Weggefährten und Freundes Eugene Tisserant, der auf der Über-fahrt in den Senegal ertrank, schrieb Libermann im Jahre 1846 an dessen Eltern: „Ich wür-de mich gerne bemühen, Sie zu trösten, wenn ich nicht selbst im höchsten Maße betrübt wäre. Ich empfinde einen dreifachen Schmerz, denn ich habe einen innigen und treuen Freund, einen eifrigen Mitarbeiter verloren und ich sehe eine bedeutende Mission eines Mannes beraubt, auf den ich die größten Hoffnungen gesetzt hatte; dazu sehe ich eine Familie, zu der ich die größte Zuwendung habe, in Betrübnis und Trauer versunken. Ich fühle lebhaft ihren Schmerz und ich bin nicht imstande, ihn zu lindern. Unser Verlust ist sehr groß und sehr schmerzlich, aber was sollen wir sagen und was können wir machen? Gott hat uns diesen lieben Freund geschenkt und er hat ihn uns genommen; sein heiliger Wille möge gepriesen sein! Meine lieben und verehrten Freunde, welch schreckliche Prüfung hat die göttliche Güte uns bereitet! Seine wir treu, stärken wir unsere Liebe zum Gott des Erbarmens. Wenn wir der Stütze, des Trostes und der Ermutigung bedürfen, so nehmen wir unsere Zuflucht zu Maria; sie wird uns trösten, sie wird unsere betrübten Herzen wieder aufrichten.“

Vielleicht können die tröstenden Worte P. Libermanns und das Vertrauen auf die Fürsprache Mariens auch für viele traurige und hoffnungslose Menschen unserer Zeit (gerade auch in der Corona-Pandemie) Kraft, Stärke und Hilfe sein.

P. Michael Wegner CSSp.


07.01.2021

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