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NOTEL

Im NOTEL,  der Notschlafstelle für Drogenabhängige, ist die kleine Kapelle spirituelles Zentrum für Mitarbeiter und Gäste.

Ziel ist nicht Bekehrung, sondern als Christen präsent zu sein und aufgrund des Glaubens Hoffnung zu vermitteln.

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Ein Jahr unterwegs mit Pater Franz Maria-Paul Libermann: Teil 11 - Trauer und Trost

Der Monat November bereitet den Übergang vom Herbst zum Winter. Die Tage werden kürzer und dunkler, die Natur stirbt nach und nach. Für viele Menschen ist diese dunkle Jahreszeit eine trostlose, depressive Zeit. Der November ist der Monat der Besinnung. Wegen der Tage des Totengedenkens (Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag, Volkstrauertag) wird er auch als Trauermonat bezeichnet. Es ist ein Monat, in dem wir und viele Menschen Trost und Hoffnung brauchen.

Pater Franz Maria Paul Libermann, CSSp

Pater Franz Maria Paulm Libermann, CSSp

„Einen Menschen zu trösten, dessen Leben plötzlich aus den Fugen geraten ist und dem der Boden unter den Füßen weggebrochen ist, ist eine besondere Kunst. Welches gute Wort hilft jemandem, der um einen nahen Angehörigen trauert? Was tröstet einen Menschen, dessen Beziehung in die Brüche gegangen ist und der mit seinem Leben vor einem Scherbenhaufen steht? Zunächst ist es in solchen Situationen wichtig, innerlich präsent zu sein und zu realisieren, dass ein Mensch leidet und einen großen seelischen Schmerz empfindet. Wenn ich den seelischen Schmerz des anderen realisiert habe, dann fallen mir vielleicht ähnliche Situationen und leidvolle Erfahrungen aus meinem eigenen Leben ein. Ein solches Erinnern hilft mir, mich in die Not des andren hineinzufühlen und ihn oder sie besser zu verstehen. Wie aber finde ich die richtigen Worte?“ So schreibt Philipp Müller im Konradsblatt (Wochenzeitung des Erzbistums Freiburg) Nr. 50/2007.

P. Libermann findet die richtigen Worte

P. Libermann findet die richtigen Worte, weil er schmerzliche Stunden, Einsamkeit, Trostlosigkeit und Traurigkeit, ja auch Ausweglosigkeit am eigenen Leib erfahren hat: durch den frühen Tod seiner geliebten Mutter, durch die schweren Prüfungen seiner Krankheit, durch all die Schwierigkeiten, die sich ihm in den Weg stellten und durch den Tod zahlreicher seiner Missionare. All das hat ihn tief betroffen und sensibel gemacht und lässt ihn die rechten Worte finden. Ein Beispiel hierfür finden wir im Brief an die Eltern von P. Eugene Tisserant, zum Tod ihres Sohnes. Tisserant war ein guter Freund und Weggefährte Libermanns. Zusammen mit Levavasseur hat er ihn im Seminar kennengelernt und die beiden haben ihn ermutigt, gemeinsam das „Werk für die Schwarzen“ zu gründen, um den ehemaligen Sklaven in den Kolonien beizustehen und zu helfen.

P. Tisserant kam bei einem Schiffbruch vor der Küste von Marokko im Dezember 1846 ums Leben. Als Libermann vom Tod seines geliebten Freundes erfuhr, betete er: „Herr, was du getan hast, ist wohlgetan. Wir wären glücklich gewesen, diesen geliebten Sohn noch lange bei uns zu besitzen. Allein unsere Absichten warn nicht die Deinen. Du bist der Herr, wir sind deine armen Diener. Wir beten an, was wir nicht begreifen können.“

An die Familie von Eugene Tisserant schreibt P. Libermann voll Einfühlungsvermögen: „Ich würde Sie gerne trösten, wenn ich nicht selbst im höchsten Maße betrübt wäre. Ich empfinde einen dreifachen Schmerz, denn ich habe einen innigen und treuen Freund, einen eifrigen Mitarbeiter verloren und ich sehe eine bedeutende Mission dieses Mannes beraubt. Dazu sehe ich eine Familie, zu der ich die größte Zuneigung besitze, in Betrübnis und Trauer versunken. Ich fühle lebhaft Ihren Schmerz, ebenso lebhaft wie den meinigen, doch ich bin nicht in der Lage, ihn zu lindern.

Meine lieben und verehrten Freunde, welch schreckliche Prüfung hat die göttliche Güte uns bereitet! Seien wir treu, stärken wir unsere Liebe zu diesem Gott des Erbarmens. Wenn wir der Stütze, des Trostes und der Ermutigung bedürfen, so nehmen wir unsere Zuflucht zu Maria; sie wird uns trösten, sie wird unsere betrübten Herzen wieder aufrichten. Wir wissen, dass sie es war, die alle Schritte ihres lieben und treuen Sohnes leitete. Nicht er ist zu beklagen, denn er besitzt jetzt, wonach er mit so großer Sehnsucht verlangte. Er lässt uns in der Welt zurück. Aber trösten wir uns, auch unsere Zeit wird kommen, und wir werden in der ewigen Herrlichkeit mit ihm vereint werden. Ich bitte Sie, mir immer die Freundschaft zu bewahren und versichert zu sein, dass ich immer Ihr ergebenster, aufrichtigster Freund und Diener sein werde“ (N.D. III. 517 / 1846).

P. Libermann fand die passenden Worte des Trostes. Aber nicht nur Worte können trösten. Manchmal sagt eine herzliche Umarmung mehr als tausend Worte. Manchmal bedeutet es viel, wenn ich einem Menschen einfach zuhöre und ihm die Möglichkeit gebe, sich auszu-sprechen und seine diffusen Gefühle in Worte zu fassen. Und nicht zuletzt kann ich einen trauernden, leidenden Menschen auch Gott im Gebet anvertrauen, obwohl er selbst hadert und sich mit dem Beten schwertut.

Gebet:

Du unser Vater. Du hast uns erschaffen, wir sind dein. Alles, was lebt, lebte durch dich, den Lebendigen. Mit dir sind wir auf unserem Lebensweg nie allein. Du begleitest uns in guten und in schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit. Von deiner Liebe sind wir erfüllt. Auch mitten in der Traurigkeit und Trostlosigkeit wissen wir, dass wir in deiner Geborgenheit aufatmen dürfen und in Freude lebendig sind. Du bist der Herr unseres Lebens. Dir danken wir heute und alle Tage. Amen.

Pater Michael Wegner, CSSp


08.11.2021

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