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Von der Dunkelheit des Kreuzes zum Licht der Auferstehung

Der Weg durch die Fastenzeit und durch die Karwoche auf Ostern zu ist für uns der Weg, der aus dem Dunkel ins Licht führt, hin zu jenem Licht, das uns gerade auch in der Zeit der dunklen Stunden in der Corona-Pandemie neue Hoffnung und neue Lebensfreude schenken kann und will. Das Licht der Osterkerze besiegt die Dunkelheit. Diese Ostererfahrung hat auch P. Libermann gemacht, nachdem er vom Judentum zum Christentum gewechselt war und an Weihnachten 1826 (mit 24 Jahren) getauft wurde.

Pater Franz-Mariapaul Libermann, CSSp

Pater Franz-Mariapaul Libermann, CSSp

Eine Ostererfahrung von und mit P. Libermann

„Ostern ist die Feier eines unerhörten Sieges: Das Lamm Gottes war stärker als die Menschenwölfe, das Licht Gottes stärker als die Finsternis, das Leben stärker als der Tod. Ostern ist das Fest gegen die Schwerkraft; ein Fest, das Flügel geben kann gegen alles, was zu Boden zieht.“ So beschreibt Egon Kapellari das Osterfest in seinem Buch: „Menschenzeit in Gotteszeit – Wege durch das Kirchenjahr“ (Egon Kapellari: Menschenzeit und Gotteszeit – Wege durch das Kirchenjahr, Styria-Verlag, Graz-Wien-Köln, 2002, S. 130/31).

Diese Ostererfahrung hat auch P. Libermann gemacht, nachdem er vom Judentum zum Christentum gewechselt war und an Weihnachten 1826 (mit 24 Jahren) getauft wurde. Nach der Nacht des Zweifelns und der Dunkelheit in seiner Studentenkammer beschreibt Libermann seine Ostererfahrung so: „Ich kann nicht genug die wunderbare Umwandlung bewundern, die sich in dem Augenblick, als das Taufwasser über meine Stirn floss, in mir vollzog. Alle meine Zweifel, alle meine Befürchtungen fielen plötzlich von mir ab. Als das heilige Wasser über meine Stirn floss, schien es mir, als befände ich mich mitten in einer gewaltigen Feuerkugel“ (Alfons Gilbert: Du hast deine Hand auf mich gelegt. Ein Aufruf Franz Libermanns an unsere Zeit. S.13/14).

Diese „Feuerkugel“ kann man vergleichen mit dem Osterlicht, das vom Auferstandenen ausstrahlt und uns ganz umfängt. Dies wird deutlich in der Feier der Osternacht, die voll ist von Lichtsymbolen. Sie beginnt mit der Segnung des Feuers und der Bitte: „Entflamme in uns die Sehnsucht nach dir, dem unvergänglichen Licht.“ An diesem Feuer wird die Osterkerze entzündet, das Symbol für Christus, das Licht der Welt. Und es folgt das große Osterlob: „Lobsinge du Erde, überstrahlt vom Glanz aus der Höhe! Licht des großen Königs umleuchtet dich. Siehe, geschwunden ist allerorten das Dunkel!“(Gebet zur Segnung des Osterfeuers, Messbuch S. 65).

Ostern: Das Fest der Tauferneuerung

Ostern ist aber nicht nur ein Fest des Lichtes, sondern auch das Fest der Tauferneuerung. In der Einleitung zur Weihe des Taufwassers bittet der Priester: „Das geweihte Wasser soll uns an unsere Taufe erinnern; Gott aber erneuere in uns seine Gnade, damit wir dem Geist treu bleiben, den wir empfangen haben“ (Gebet zur Segnung des Osterfeuers, Messbuch S. 65). Gemeint ist jener Geist, von dem auch P. Libermann in seinem Kommentar zum Johannes-Evangelium spricht: „Nach unserer Taufe wohnt der Heilige Geist in uns in lebendiger und lebendig machender Weise. Er ist dort, um in uns der Ursprung aller Regungen unserer Seelen zu werden“. Licht und Geist, Ostern und Pfingsten gehören also unmittelbar zusammen. „Als das heilige Wasser über meine Stirn floss, schien es mir, als befände ich mich mitten in einer gewaltigen Feuerkugel“. Das göttliche Licht umgibt Libermann, so wie auch uns das österliche Licht umfängt. Der Geist durchdringt ihn, wie er auch uns immer wieder mit neuem Leben füllt.

"Der Blick auf Jesus hält mich aufrecht und macht mich geduldig!"

Das Aufstrahlen des göttlichen Lichtes – Erleuchtungen – erfährt Libermann auf seinem Lebensweg immer wieder. Ergriffen vom Feuer des Heiligen Geistes drängt es ihn, stets auch Licht in die Dunkelheit anderer Menschen zu bringen. Dabei spricht er gerne und offen von der „Nacht des Kreuzes“, die er selbst mehrfach durchlebt und durchlitten hat.

Wie schwer und dunkel solch eine Nacht ist, beschreibt Libermann einmal einem guten Freund gegenüber so: „Ich wünsche Ihnen nicht, dass Sie einmal so in die Mühle und die Dunkelheit geraten, wie ich; ich wünsche Ihnen nicht, dass das Leben Ihnen jemals so zur Last wird wie mir. Ich gehe nie über eine Brücke, ohne dass mir der Gedanke kommt, mich über das Geländer zu stürzen, um mit diesem Schmerz und Leid Schluss zu machen; aber der Blick auf meinen Jesus hält mich aufrecht und macht mich geduldig“ (Alfons Gilbert: Du hast auf mich deine Hand gelegt, S. 22).

Eine vortreffliche Nacht,in der die Seelen vervollkommnet werden

Aus dieser Erfahrung heraus schreibt Libermann später an einen Seminaristen, der sich ebenfalls in einer Nacht des Zweifelns befindet: „Es ist die Nacht des Kreuzes, des Entzugs, der inneren Dunkelheit, in der die Sinne nicht mehr beschäftigt, sondern unfähig und tot sind; es ist der Augenblick, um aus dem Glauben zu leben, aber aus einem Glauben, bei dem man voll Vertrauen auf die göttliche Güte hofft, voll Frieden und Sanftmut. Diese Nacht ist vortrefflich, denn in ihr und durch sie werden die Seelen vervollkommnet“ (Alfons Gilbert: Du hast auf mich deine Hand gelegt, S. 53).

Der Weg durch die Fastenzeit und durch die Karwoche auf Ostern zu ist auch für uns der Weg, der aus dem Dunkel ins Licht führt, hin zu jenem Licht, das uns gerade auch in der Zeit der dunklen Stunden in der Corona-Pandemie neue Hoffnung und neue Lebensfreude schenken kann und will. Das Licht der Osterkerze besiegt die Dunkelheit. Ihr Licht leuchtet und wärmt, gibt Hoffnung, Kraft und Zuversicht. Vom Licht der Osterkerze können wir lernen, dass der helle Schein unseres Lebens auch anderen Licht und Wärme sein soll.

P. Michael Wegner CSSp.


03.04.2021

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