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Spiritaner in Haiti

Die Mehrzahl der Menschen in Haiti leben seit Jahrzehnten in großer Armut. Das schwere Erdbeben 2010 hat diese Situation nochmals verschärft.

Wir Spiritaner sind bereits seit langer Zeit in Haiti tätig. Mit materieller und seelsorglicher Hilfe versuchen wir die schlimmste Not der Menschen zu lindern.

„Wenn wir den Armen dienen, werden wir weiter existieren!“

„Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“, so der dänische Theologe und Existenzphilosoph Sören Kierkegaard. In diesem Sinne lässt Pater Herbert Douteil seinen sechzigjährigen Einsatz als Ordensmann und Brasilien-Missionar Revue passieren.

Pater Herbert Douteil, C.S.Sp

Pater Herbert Douteil, C.S.Sp

Mit einem Gefühl der Dankbarkeit will unser Mitbruder, Herbert Douteil, am 1. Mai 2021 sein diamantenes Priesterjubiläum begehen. Ihm bedeutet dieses Fest „eine Gelegenheit des Innehaltens, des Nachdenkens und vor allem des Dankens für alle geschenkten Gnaden.“ Der 85-jährige Ordensmann aus Grefrath bei Krefeld lebt und arbeitet seit 1979 in Cruzeiro do Sul, Brasilien. Seinen Eintritt bei den Spiritanern verdankt er Bruder Wilhelm Weyres, einem Vetter seines Großvaters, den er kurz vor seinem Tod zu Weihnachten 1951 in Knechtsteden besuchte. P. Douteil wollte dann Missionar werden. „Dieser Wunsch wurde später sehr verstärkt, als ich die Mitbrüder und ihre Arbeit näher kennen lernte, besonders Bischof Rüth“, unterstreicht er.

Nach dem Abitur im Jahr 1955 entschloss sich Pater Herbert, sich dem Orden der Spiritaner anzuschließen. So trat er in demselben Jahr ins Noviziat ein und legte am 7. April 1956 in Heimbach seine Erstprofess ab. Die philosophisch-theologische Studien absolvierte er (1956 – 1962) an der Ordenshochschule in Knechtsteden. Am 1. Mai 1961 wurde er zusammen mit neun Mitbrüdern durch Bischof Herman van Elswijk, CSSp., Bischof von Morogoro (Tansania), in Knechtsteden zum Priester geweiht. „Zwei sind später ausgetreten, P. Albert Claus lebt noch in Knechtsteden, die anderen sind im Herrn entschlafen und haben ihren ewigen Lohn empfangen“, erklärt der an der Universität Köln promovierte Musikwissenschaftler.

Pater Douteil und seine Mitarbeiterinnen

Pater Douteil und seine Mitarbeiterinnen

Missionseinsatz in Brasilien wichtiger als wissenschaftliche Arbeit an mittelalterlichen Handschriften

Nach 18-jähriger Tätigkeit als Wissenschaftler und zuständiger Herausgeber des Ordensverlags – Missionsverlag Knechtsteden – und als Aushilfspriester in zahlreichen Gemeinden in und um Köln sowie in Karlstadt, Main und Süchteln entdeckte er während eines Aufenthaltes bei seinen Mitbrüdern in Brasilien seine missionarische Leidenschaft. „Als ich auf einer Seelsorgereise mit Bischof Rüth die Wirklichkeit, die Verlassenheit und die Not der Menschen kennenlernte, war mein Entschluss gefasst: „Hier wird jetzt jemand gebraucht – diese Arbeit ist wichtiger als die wissenschaftliche Arbeit an mittelalterlichen Handschriften – schließe sie ab und gehe in die Mission nach Cruzeiro do Sul“. Am 6. August 1979 wurde dieser Traum wahr, und er reiste nach Brasilien ein. Zuerst besuchte er den Sprach- und Inkulturationskurs in Brasilia. Von dort ging er nach Cruzeiro do Sul, wo er heute noch tätig ist.

Aus dem auf ein paar Wochen angelegten Einsatz wurden über vier Jahrzehnte. In diesen Jahren musste er sich verschiedensten Herausforderungen stellen. Zum Beispiel: „die Sprache, die andere Denk- und Lebensweise, die neuen Aufgaben der Leitung des Knabenseminars der Spiritaner, der Seelsorge unter den Indios, den Gummischneidern und dann den Siedlern aus Süd- und Mittelbrasilien, die ab 1982 zu uns kamen“, erinnert er sich. Daher weiß er, die Unterstützung seiner Seminaristen, der Laienkatecheten und unzähliger Ordensschwestern zu schätzen. Pater Douteil versah unterschiedliche Dienste: Seelsorger, Religionslehrer im Colegio Santa Teresinha der Dominikanerinnen, Dozent im Priesterseminar der Diözese Cruzeiro do Sul, Generalvikar der Diözese, Baumeister von Häusern für die Diözese, Entwicklungshelfer, usw.

Übergabe der Hilfsgüter bei den Familien

Übergabe der Hilfsgüter bei den Familien

Dankbar für Unterstützung vor Ort und aus der Heimat

Anlässlich seiner 60-Jahre als Priester und Missionar blickt er dankbar zurück. Er ist dankbar, für „die Besuche und Taufen bei den Indios, den Gummischneidern und Siedlern, die zahlreich glücklich verlaufenen schweren Unfälle mit Kanus und Schlammmotorrädern, die Krankheiten, die [er] ohne bleibende Schäden überstehen durfte – die Schutzengel in verschiedenster Menschengestalt waren immer im rechten Moment zur rechten Stelle“. Natürlich sind ihm seine viele Freunde in Brasilien und in der Heimat sehr wichtig. „Sie haben mich immer begleitet, und ohne deren treue Hilfe hätte ich längst nicht alles verwirklichen können. Zum Glück konnte ich immer durch die Post und bei Heimatbesuchen den Kontakt aufrecht erhalten“, fügt er hinzu.

Trotz seines hohen Alters widmet sich der leidenschaftliche Seelsorger und Missionar noch einigen pastoralen Tätigkeiten und engagiert sich für die Menschen. Täglich feiert er die Heilige Messe in der Hauskapelle sowie auch einmal wöchentlich im „Hoffnungshof Maria Magdalena“, und zweimal pro Woche überträgt er über Livestream Radiomessen.

Er wünscht sich, dass seine Mitbrüder überall, wo sie tätig sind, dem Charisma des Ordens treu bleiben und sich für die Armen einsetzen. „Denn wir sollten doch dort arbeiten, wofür die Kirche sonst keine Arbeiter findet. Wenn wir das tun, sind wir für die Ärmsten da, ihnen sollen wir – wo auch immer – dienen, und wenn wir das tun, werden wir Spiritaner bis zum Ende existieren und Arbeit finden – denn „Arme habt ihr allezeit unter euch“, sagte der Herr im Haus des Lazarus“.

Pater Samuel Mgbecheta, C.S.Sp


29.04.2021

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