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Kloster Knechtsteden

Das Missionshaus Knechtsteden mit der romanischen Basilika ist für viele Menschen aus der Region und darüber hinaus ein Anziehungspunkt.

Gerne lassen sich die Besucher gefangen nehmen von dem Dreiklang "Religion - Natur - Kultur", der heute die mittelalterliche Klosteranlage prägt.

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Die Zeichen der Zeit in unserer Seelsorgeeinheit erkennen und unsere Aufgabe in der Gesellschaft wahrnehmen

Zum 1. März 2020 hat Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Pater Gasto Lyimo zum Administrator (mit dem Titel Pfarrer) der Pfarreien St. Bonifatius in Renningen, St. Raphael in Rutesheim und St. Clemens Maria Hofbauer in Weissach ernannt. Der 37-jährige Ordensmann aus Tansania machte von 2009 bis 2011 ein missionarisches Praktikum in Deutschland, und seit 2016 betreut er das MaZ-Projekt. Anlässlich seiner Amtseinsetzung am 29. Februar 2020 hat der Spiritanerredakteur, P. Samuel Mgbecheta, CSSp, das vorliegende Interview mit ihm geführt.

Pater Gasto Lyimo, CSSp, neuer Pfarrer für die Seelsorgeeinheit "CleBoRa".

Pater Samuel: Kannst Du Deine bisherige missionarische Erfahrung beim MaZ-Projekt (Missionar auf Zeit) zusammenfassen?

Pater Gasto: MaZ als Programm, das vielen jungen Menschen ermöglicht, die Welt mit anderen Augen zu sehen, hat auch mein Leben sehr geprägt. Meine Begegnungen und der Austausch mit den MaZler/-innen haben meinen Blick für die Welt erweitert und mir Folgendes zu verstehen gegeben: „Du siehst die Welt nicht so wie sie ist, du siehst die Welt so wie du bist“. MaZ hilft nicht nur den MaZlern, sich selbst besser kennen zu lernen, sondern hilft mir auch als Begleiter, mich selber besser kennenzulernen. Die vielen Themen, mit denen wir uns auseinandergesetzt haben, haben mich sehr nachdenklich gemacht, vor allem zu sehen und zu erleben, wie ungerecht unsere Welt ist und mit welcher Motivation wir dazu beitragen können, unsere Welt ein bisschen mehr zu einem Zuhause für uns alle zu machen. Der christliche Glaube spielt eine sehr zentrale Rolle bei MaZ. Durch das Motto „Mitleben, Mitbeten und Mitarbeiten“ haben viele MaZler/-innen ihren Glauben wiederentdeckt. Während der Vorbereitung habe ich mir diese Frage auch ganz persönlich gestellt. Wie sieht es mit meinem Glauben aus? Wo stehe ich gerade? Zusammengefasst kann ich sagen, dass die Mitarbeit bei MaZ es mir ermöglicht hat, Menschen mit Offenheit, Neugier und Herzlichkeit zu begegnen. Und noch mehr geht es darum, Jesu Werte und Haltungen zu versuchen so zu leben, ohne andere davon überzeugen zu müssen. MaZ bedeutet für mich Spuren zu hinterlassen.

Pater Samuel: Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart hat Dir die Verwaltung und die seelsorgliche Betreuung der Seelsorgeeinheit CleBoRa anvertraut. Wie hast Du Dich gefühlt, als Du diese Nachricht zum ersten Mal erhalten hast?

Pater Gasto: Das kam für mich überraschend. Es waren zwei Gefühle da: Demut und Stolz. Demut, weil die Leitung einer Seelsorgeeinheit eine hohe Verantwortung bedeutet. Stolz, dass die Verantwortlichen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart meine Stärken gesehen haben und mir die Leitung von CleBoRa zutrauen. Natürlich spürte ich auch Fragen in mir, weil mir bewusst war, dass ich auch noch einiges lernen muss. Mit Verwaltungsfragen in einer Kirchengemeinde hatte ich bisher wenig zu tun. Die Diözese hat mir alle Möglichkeiten gegeben, an Fortbildungen teilzunehmen. Damit habe ich bereits begonnen. Meine Erfahrungen aus der Leitung des MAZ-Programmes und in Ordensaufgaben sind ein gutes Rückgrat, auf dem ich aufbauen kann.

Pater Samuel: Was bedeutet diese Verantwortung für Dich?

Pater Gasto: Es bedeutet, einen gemeinsamen Weg mit den Menschen zu gehen. Das geschieht in unseren Überlegungen im Pastoralteam. Das geschieht, wenn wir in den Kirchengemeinderäten und anderen Gruppen und Gremien planen und entscheiden, wie wir hier Zeuginnen und Zeugen für das Evangelium Jesu sein können. Die Bibel nennt das Menschenfischerinnen und Menschenfischer sein. Es geschieht in der Verkündigung der Auferstehung Jesu, der mitten unter uns wohnt und den Halt gibt, in seinem Haus zu bleiben. Meine Verantwortung ist auch vom Geist der Spiritaner geprägt, dass wir unsere Augen öffnen und die Menschen und ihre Nöte sehen, vor allem derer, die am Rande der Gesellschaft leben, und ihnen beistehen. Pater

Pater Samuel: Wie viele Katholiken sind in Deinem Pfarrgebiet?

Pater Gasto: Zu meiner Seelsorgeeinheit gehören ca. 8000 Katholiken.

Pater Samuel: Was erwartest Du von Deinen Pfarrangehörigen?

Pater Gasto: Von meinen Pfarrangehörigen erwarte ich Lust am Evangelium und Fantasie, wie wir die Botschaft Jesu heute überzeugend leben können; Interesse, sich zu engagieren – immer wieder einmal auf Zeit, nicht nach dem Motto „Kleiner Finger, ganze Hand“. Ich wünsche mir, dass wir einander vertrauen, gut zuhören und viele Fragen stellen, um einander immer mehr zu verstehen und zusammen zu wachsen.

Pater Samuel: Mit welchen Herausforderungen siehst Du Dich konfrontiert?

Pater Gasto: Die Kirche in Deutschland, aber nicht nur in Deutschland, ist in einer Vertrauenskrise. Ob Vertrauen wieder zu gewinnen ist oder nicht, hängt viel zusammen mit der Frage, ob die Kirche die Fragen unserer Zeit beantworten kann. Herausfordernd sind die Themen wie Klimaschutz, Rassismus in Deutschland, Zusammenleben und Handeln in der Weltgemeinschaft der Nationen. Die politischen Grabenkämpfe unter den Parteien beschäftigen viele Menschen. Immer wieder unseren Auftrag und unseren Weg, zu dem Gott uns ruft, zu erkennen, ist eine Herausforderung für jeden einzelnen Menschen und so auch für unsere Seelsorgeeinheit und mich.

Pater Samuel: Welche Botschaft möchtest Du Deinen Pfarrangehörigen mitgeben?

Pater Gasto: Gott ist gut – allezeit. Und das gilt trotz allem, was dagegen sprechen könnte und allem zum Trotz. Pater Samuel: Was wünschst Du Dir für Deinen Dienst? Pater Gasto: Ich wünsche mir Teamarbeit und Engagement, um den Glauben miteinander offen zu leben. Ich wünsche mir die Kraft Gottes und Weitblick, wenn der Weg nicht gerade verläuft. Ich wünsche mir Verständnis, wenn nicht alle Wünsche erfüllbar sind. Ich wünsche mir, dass wir in unserer Seelsorgeeinheit die Zeichen der Zeit erkennen und unsere Aufgabe in der Gesellschaft erkennen und wahrnehmen.


06.03.2020

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