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Missionarin auf Zeit

Im Projekt "MissionarIn auf Zeit" (MaZ) bietet jungen Menschen die Möglichkeit in einem zeitlich befristeten Aufenthalt mit einer religiös geprägten Lebensgemeinschaft Erfahrungen in einer anderen Kultur zu machen.

Der Aufenthalt kann als Freiwilligendienst im Ausland angerechnet werden.

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Amazonassynode: Das letzte Wort ist sicher noch nicht gesprochen!

Ich hätte mir gewünscht, dass die Ortskirchen mehr Freiheit und Handlungsspielraum bekommen, um ihre Probleme kreativ lösen zu können. Doch das letzte Wort ist sicher noch nicht gesprochen. Ich glaube auch, dass das postsynodale Schreiben des Papstes – Querida Amazonia – dieser Diskussion kein Ende gesetzt hat und auch nicht setzten wollte.

Bischof Meinrad Merkel, CSSp

Bischof Meinrad Merkel, CSSp

Vom 6. bis 27. Oktober 2019 hatte ich an der Amazonassynode teilgenommen und mich dabei wohlgefühlt. Es herrschte eine weltkirchliche Atmosphäre: Dabei waren Bischöfe und Teilnehmer aus verschiedenen Teilen der Welt. Grundsätzlich ist eine Synode ein Aufruf an Bischöfe, über weltkirchliche Fragen nachzudenken und dem Papst Vorschläge zu machen. Alle Ortsbischöfe in den neuen Ländern des Amazonasgebiets konnten in aller Offenheit ihre Probleme ganz konkret ansprechen. Für mich war und ist es ein bedeutendes Ereignis.

Ich hätte mir aber gewünscht, dass die Ortskirchen mehr Freiheit und Handlungsspielraum bekommen, um ihre Probleme kreativ lösen zu können. In diesem Sinne hatten wir (Ortsbischöfe) erwartet, dass wir verschiedene Dinge selbst in die Hände nehmen konnten, inklusive der Auswahl von verheirateten Männern, die zum Priester geweiht werden könnten. In unserer regionalen Bischofskonferenz hatten alle sieben Bischöfe dafür gestimmt, unter den besten ständigen Diakonen, den einen oder den andern zu Priester weihen zu dürfen. Da geht es uns darum, einfachen Menschen die Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistiefeier zu ermöglichen. Denn die Kirche lebt von der Eucharistie, das Sakrament der Liebe. Doch es fehlt noch der wagemutige Schritt, diese Entscheidung zu treffen. Der Papst hat nicht darauf geantwortet.

Für mich ist das neue Schreiben des Papstes „Querida Amazonia“ gewiss ein gutes Dokument, aber es bringt uns, die wir den Weg gegangen sind, momentan nicht viel Neues. Sicher, es bestätigt und verstärkt, was schon in den Synodenpapieren entwickelt worden ist: die Sorge um die Natur und um die indianischen Völker. So verstehe ich das päpstliche Schreiben einfach als eine Aufmunterung. Es sagt uns: Lasst euch nicht von Zweifeln leiten. Habt Vertrauen! Habt Mut!

Auch wenn das Ergebnis nicht unseren Erwartungen entspricht, werden wir weitermachen. Wir werden versuchen die Freiräume noch mehr ausnutzen und auszuweiten. Denn der Papst ist einer, der immer Hoffnung machen will. Die Auswahl der Titel seiner Lehrschreiben zeigt das auch: Ob das „Die Freude des Evangeliums“ ist oder „Die Freude über die Familie“ oder jetzt der Titel seines neuen Schreibens „Querida Amazonia“ - Geliebtes Amazonia. Es ist ein Brief zur Aufmunterung. Daher sollten sich Katholiken – ob Frau oder Mann, nicht durch dieses Dokument entmutigen lassen. Wir sind alle zum Dienen aufgerufen, jeder mit allem, was ihm zur Verfügung steht. Wir sprechen zu viel von Rechten und zu wenig von Verpflichtungen, also vom Dienst. Es ist wichtig, dass man das Wesen der Kirche und ihre Mission versteht. Die Kirche ist zunächst eine Institution, die den Auftrag Jesu Christi weiterführen soll und will. Dieser Jesus hat gesagt, „Ich bin gekommen, um zu dienen und nicht um bedient zu werden.“

Also geht es in erster Linie nicht um diese Haltung der „gleichen Berechtigung“ und der „gleichen Rechte“. Wir alle haben unsere Aufgaben und Begabungen und sollen damit dem Volk Gottes dienen. Es geht vielmehr um die Spiritualität des Dienens. Es gibt unzählige Dienste in der Kirche. Ich selber habe bei der Synode dafür gestimmt, dass Frauen den Zugang zum Diakonatsamt haben sollten. Trotzdem halte ich manche polemischen Äußerungen und die aggressive Stimmung bezüglich dieses apostolischen Schreibens für überzogen und sehr übertrieben. Das ist für mich eine Zuspitzung und eine Reduzierung, die nicht dienlich für den Gang der Kirche ist.

Denn bei der Durchführung der spezifischen sakramentalen Dienste, sollte es nicht um die Frage der Gleichberechtigung handeln. Vielmehr muss es wie Paulus im Korintherbrief sagt, heißen: Alle haben ihre Gaben empfangen „zum Aufbau der Gemeinde“ (1. Kor. 14, 5.12).

In der Geschichte der Kirche hat sich einiges getan. Früher, ganz am Anfang der Kirche hatte nur der Bischof getauft. Später war es die Aufgabe des Priesters, dann des Diakons; und jetzt könnte und kann jeder Laie im Prinzip taufen. Wenn jeder Christ kirchenrechtlich taufen kann, dann wird sich in Zukunft noch einiges tun. Das letzte Wort ist sicher noch nicht gesprochen. Ich glaube auch, dass das postsynodale Schreiben des Papstes – Querida Amazonia – dieser Diskussion kein Ende gesetzt hat und auch nicht setzten wollte.

* Franz Josef Meinrad Merkel kam gleich nach seiner Priesterweihe 1971 nach Brasilien, wo er unterschiedliche seelsorgliche Dienste in verschiedenen Regionen versah. Als Bischof hatte Merkel sowohl an ihrer Vorbereitung als auch an der Amazonassynode selbst teilgenommen. Seine Stellungnahme zum päpstlichen Schreiben „Querida Amazonia“ hat Pater Samuel Mgbecheta, CSSp, aufgezeichnet. Lesen Sie das Interview mit Bischof Meinrad Merkel in der Mai/Juni(2020) Spiritaner-Ausgabe von kontinente-Missionszeitschrift.


07.05.2020

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