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„Ich habe versucht, Zeugnis für die Barmherzigkeit Gottes abzulegen!“

Vor 65 Jahren legte P. Helmut Gerads seine ersten Gelübde ab und trat damit in den Spiritanerorden ein. Am heutigen 1. Mai 2020 feiert er sein diamantenes Priesterjubiläum. In einem Interview mit Pater Samuel Mgbecheta hält er Rückblick auf sein priesterliches Leben.

Pater Helmut Gerads, CSSp

Pater Helmut Gerads, CSSp

Durch Begegnung und Zusammenleben mit jungen Menschen Gott besser kennenlernen

P. Samuel: Wie fühlst du dich im Augenblick?

P. Gerads: Ich bin zufrieden und hoffe, dass ich meinen letzten Lebensabschnitt in Ruhe erleben darf.

P. Samuel: Welche Aufgaben übernimmst du noch in Knechtsteden?

P. Gerads: Ich bringe mich noch im liturgischen Dienst in der Kommunität ein: Ich höre Beichte, bete mit der Gemeinschaft und zelebriere die Heilige Messe.

P. Samuel: Heute feierst du deine 60 Jahre als Priester, was bedeutet dir dieses Fest?

P. Gerads: Mit einem Gefühl der Dankbarkeit schaue ich auf diese Jahre zurück, weil ich viele jungen Menschen sowohl in Europa (Deutschland und Irland) als auch in Afrika (Tansania und Südafrika) bei ihrer Ausbildung im Noviziat begleiten durfte. Sie haben mir ihr Vertrauen geschenkt. So etwas ist immer ein großes Privileg. Dabei durfte ich oft richtige menschliche Gemeinschaft erleben. Bedeutend für mich in diesen Jahren war, die Tatsache, dass ich durch die Begegnung und das Zusammenleben mit jungen Menschen Gott besser kennengelernt habe und noch kennenlerne. Denn Er hat uns, wie die Schrift sagt, als sein Abbild erschaffen.

P. Samuel: Wie viele wart ihr in deinem Weihejahrgang?

P. Gerads: Wir waren 10, davon leben noch fünf. Heute vor 60 Jahren sind in unserer Basilika 7 Diakone zu Priestern geweiht worden. Drei weitere Diakone erhielten zu einem anderen Zeitpunkt aus unterschiedlichen Gründen die Priesterweihe.

Der Name „Knechtsteden“ gefiel mir

P. Samuel: Was hat dich bewogen, Spiritaner zu werden?

P. Gerads: Schon mit neuen Jahren, nach der Erstkommunion – während des zweiten Weltkrieges - beschäftigte ich mich mit dem Gedanken Priester zu werden. Und als der Krieg zu Ende ging, erzählte mir ein befreundeter Klassenkamerad, dass er nach Knechtsteden gehen wolle. Damals wusste ich nicht was Knechtsteden war, aber der Name „Knechtsteden“ gefiel mir. So sagte ich meinem Freund: Ich gehe mit. Nur der ist nicht gegangen, aber ich habe um einen Studienplatz bei den Spiritanern in Knechtsteden beworben und wurde angenommen. Seitdem habe ich die Spiritaner kennengelernt und so reifte in mir der Entschluss, mich ihnen anzuschließen, ja auch Spiritaner zu werden. Und so blieb es bis heute. Ich bereue es nicht. Als einziges Kind meiner Eltern war das sicherlich keine leichte Entscheidung. Meine Mutter bestand nur darauf, dass ich alle notwendigen Schritte selbständig unternehmen soll, damit niemand denken könnte, sie hätten mich zu diesem Entschluss gedrängt. Meine Entscheidung soll bewusst und frei sein.

P. Samuel: Was hat dich in diesen 60 Jahren getragen und dir Halt gegeben?

P. Gerads: Durch meine Eltern habe ich gelernt, dass man zu seiner Entscheidung stehen soll, auch wenn es manchmal schwerfällt. Diese Einstellung hat mir geholfen. Auch durch das Gebet habe ich den Schutz Gottes und Hilfe erfahren.

Junge Menschen in der Ausbildung zu begleiten: ein großes Privileg

P. Samuel: Wenn du jetzt auf dein 60-jähriges missionarisches Leben und Wirken zurückblickst, was fällt dir ein?

P. Gerads: Ich bin dankbar, dass ich meiner Ordensgemeinschaft bei der Ausbildung künftiger Missionare dienen durfte. Ich danke Gott auch, dass ich vielen Menschen durch das Sakrament der Buße sowie durch Gespräche auf ihrem Lebensweg helfen konnte. Die Feier der Liturgie bereitet mir immer noch enorme Freude.

P. Samuel: Was würdest du anders machen?

P. Gerads: Ich bedauere es, dass ich oft geschwiegen habe, wenn ich hätte reden sollen.

P. Samuel: Wie würdest du deinen 60-jährigen Einsatz als Spiritaner zusammenfassen?

P. Gerads: Ich habe versucht, Zeugnis für die Barmherzigkeit Gottes abzulegen.

P. Samuel: Was ist deine Lieblingsbibelstelle?

P. Gerads: „Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne gesandt hat“ (1 Joh. 4,10).

P. Samuel: Warum?

P. Gerads: Für mich fasst diese Stelle das Leben und die ganze Botschaft Jesu zusammen. Und wer die verstanden hat, hat auch die ganze Botschaft Jesu verstanden.

P. Samuel: Was wünschst du dir und deinen Mitbrüdern in Deutschland für die Zukunft?

P. Gerads: Ich wünsche mir, dass wir uns mehr und mehr von den Lehren und dem Beispiel unserer Gründer – Claude Poullart Desplaces und Franz Maria-Paul Liebermann - erfüllen lassen.


01.05.2020

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