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Heilig-Geist-Gymnasium, Broichweiden / Würselen

Kompetenzen fördern - Leistung fordern - Persönlichkeit formen - Glauben leben. Das sind die Säulen des Heilig-Geist-Gymnasium in Broichweiden / Würselen.

Auf der Grundlage des christlich-spiritanischen Welt- und Menschenbildes erhalten die Schülerinnen und Schüler ganzheitliche und exzellente Bildung und Erziehung.

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„Die Feier der Sakramente der Kirche sind wichtige Stütze für mein priesterliches Leben!“

Am 1. Mai 2020 feierte P. Hans Fuchs, CSSp sein diamantenes Priesterjubiläum. Der aus der Pfalz stammende Spiritanerpater wirkte 40 Jahre lang in Brasilien. In einem Interview mit P. Samuel Mgbecheta, CSSp blickt er auf seinen 60-jährigen Einsatz im Weinberg des Herrn zurück.

Pater Hans Fuchs, CSSp

Pater Hans Fuchs, CSSp

Dankbar, dass ich einiges noch selbstständig machen kann!

P. Samuel: Wie fühlst du dich im Augenblick?

P. Fuchs: Ich fühle mich zwar gesundheitlich schwach, jedoch bin ich dankbar, dass ich einiges noch selbstständig machen kann. Zum Beispiel kann ich noch spazieren fahren, um frische Luft zu holen. Dies ist mir wichtig.

P. Samuel: Am 1. Mai 2020 hast du dein diamantenes Priesterjubiläum gefeiert. Was bedeutet dir dieses Fest?

P. Fuchs: Ich bin froh, dass ich dieses Jubiläum erleben durfte. Es ist für mich ein Geschenk Gottes, das ich sehr zu schätzen weiß. Mit einem Gefühl der Dankbarkeit habe ich mir mein 60-jähriges priesterliches Lebens vergegenwärtigt. Insgesamt 40 Jahre war ich im Einsatz in Brasilien – leider musste ich aus gesundheitlichen Gründen nach Deutschland zurückkommen. Ich war gerne in Brasilien und wäre gerne dortgeblieben, nur wollte ich niemandem zur Last fallen.

P. Samuel: Was hat dich bewogen, Spiritaner zu werden?

P. Fuchs: Meine älteste Schwester, die eine Dominikanerin war, brachte mir einen Werbeprospekt des Missionskonvikts in Speyer, und der gefiel mir. So trat ich im Jahre 1948 in das Missionskonvikt der Spiritaner ein. Zwar gab es damals zwei Konvikte in Speyer: Das bischöfliche Konvikt und das Missionskonvikt. Ich habe das letztere gewählt, denn ich wollte Missionar werden. Hier habe ich die Spiritanerpatres zum ersten Mal kennengelernt. So absolvierte ich nach dem Abitur das Noviziat in Heimbach in der Eifel, dann das Studium der Philosophie und Theologie in Knechtsteden. Nach der Priesterweihe sollte ich Musik studieren, aber dies fand nicht statt. Daher wurde ich nach einer kurzen Mitarbeit in einer Gemeinde in Bad Godesberg nach Brasilien versetzt.

Pater Hans Fuchs, CSSp

"Ich fahre gerne spazieren, um frische Luft zu holen".

Meine Nationalität ist eine Herzenssache

P. Samuel: Wie würdest du deine Zeit in Brasilien beschreiben?

P. Fuchs: Es war eine sehr schöne Zeit. Ich war gerne dort. Am Anfang musste ich die Sprache des Landes lernen. Und da ich musikalisch begabt bin, konnte ich des brasilianischen Portugiesisch in kürzester Zeit mächtig werden, sodass die Leute meinten, ich wäre ein Brasilianer. Einmal unterhielt ich mich mit einem Brasilianer, und er hatte Schwierigkeiten zu glauben, dass ich kein Muttersprachler war.

Zunächst war ich Lehrer in unserem kleinen Seminar in Emilianopolis, einer Kleinstadt im Landesinneren von Sao Paulo, dann, für mehr als 10 Jahre in Salete, im Staat Santa Katharina. Mein Hauptfach war Portugiesisch, aber eingesetzt wurde ich auch in fast allen anderen Fächern, wenn es notwendig war. Mit dem Blasorchester der Schule hatte ich zwar ein wenig Arbeit, aber auch viel Freude, besonders an Festen mit der Bevölkerung in der näheren und weiteren Umgebung. An Wochenenden ging ich, wie alle Lehrer, zur Seelsorge in die Außenstationen. Da wir Selbstversorger waren, half ich in der Landwirtschaft, pflanzte Bäume und sorgte mit einigen Bienenvölkern für den Honig für uns und auch für den Verkauf, was ein wenig Geld in die Kasse brachte. Als die Schule an die Stadt übergeben wurde, bat mich der Provinzial eine Pfarrei in der Millionenstadt Sao Paulo zu übernehmen, was eine sehr große Herausforderung war. Nach drei Jahren folgte ich dem Ruf von Bischof Mario in den Amazonas, in die Diözese Tefe, wo ich zunächst in Fonte Boa, und dann in Elvira in der Seelsorge gearbeitet habe.

Ich erinnere mich gern an dieses Vorkommnis: Mit Hilfe aus Deutschland – finanzielle Mittel und Geräte (z.B. Röntgen) – habe ich in einer meiner Gemeinden eine Zahnbehandlungsstation aufgebaut. Dies gefiel dem Präfekten (Bürgermeister) so, dass er mir anbot, die brasilianische Bürgerschaft zu beantragen, aber ich habe es abgelehnt; denn für mich ist meine Nationalität eine Herzenssache. Wenn ich in Brasilien bin, bin ich Brasilianer im Herzen, und wenn ich in Deutschland bin, bin ich auch Deutscher im Herzen.

Ich fühlte mich nützlich!

P. Samuel: Was hat dir Freude bereitet?

P. Fuchs: Die Tatsache, dass ich jungen Menschen beim Heranwachsen und Erwachsenwerden ein klein wenig helfen konnte. Ich habe das auch gerne aus Pflichtbewusstsein getan. Zudem fühlte ich mich nützlich. Ich konnte mich einbringen.

P. Samuel: Was hat dich in diesen 60 Jahren getragen und dir Halt gegeben?

P. Fuchs: Das gemeinschaftliche und persönliche Gebet und die Feier der Sakramente der Kirche waren wichtige Stütze für mein priesterliches Leben und mein missionarisches Wirken. Ich erinnere mich noch an diese Begebenheit: Ein Familienvater kam zu mir nach einem Familiengottesdienst und erzählte mir, dass sein schwerkrankes Kind im Sterben lag. Er bat mich zu ihm zu kommen, um mit der Familie zu beten. Als ich hinkam, lag das Kind hilflos da. Ich habe mit der Familie gebetet und anschließend das Kind getauft. Nach einem Jahr kam der Vater wieder mit dem Kind in seinen Armen und lud mich ein, mit seiner Familie Kaffee zu trinken, denn das Kind wurde durch „das Sakrament der Taufe“ geheilt. Dies hat mich beeindruckt. Durch die Taufe ist das Kind wieder gesund geworden. Dies zeigt, dass das Sakrament der Taufe wirklich neues Leben schenkt auf wunderbare Weise.

P. Samuel: Wie würdest du deinen 60-jährigen Einsatz als Spiritaner zusammenfassen?

P. Fuchs: Das, was ich mich als junger Mann entschieden habe zu tun, habe ich versucht in die Tat umzusetzen.

P. Samuel: Was ist deine Lieblingsbibelstelle?

P. Fuchs: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin“ (Joh. 14, 2-3).

P. Samuel: Warum?

P. Fuchs: Das ist eine Einladung, und sie erfüllt mich mit Zuversicht und stärkt meine Hoffnung; denn, wenn wir bei Christus sind, sind wir beim Vater.

P. Samuel: Was wünschst du dir und deinen Mitbrüdern in Deutschland für die Zukunft?

P. Fuchs: Ich wünsche mir, dass jeder versucht, auf seine Art Christus nachzufolgen, sodass wir alle am Ende bei ihm sein können, d.h. bei seinem Vater.


06.05.2020

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