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"Missionarinnen und Missionare auf Zeit" (MaZ) bringen sich entsprechend ihrer Fähigkeiten in bestehende Projekte ein.

Meist sind es Projekte im sozialen, medizinischen oder pastoralen Bereich, wie zum Beispiel in Kinderheimen, Krankenstationen, Schulen, Behindertenwerkstätten, Altenpflege...

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„Mit Fingerspitzengefühl und Wohlwollen den Herausforderungen begegnen“

Nach zwei Amtszeiten als Provinzial der Provinz Europa wurde Pater Emeka Nzeadibe eine Sabbatzeit vergönnt. Set dem 1. August ist der ehemalige Ordensobere und leidenschaftliche Jugendseelsorger Superior der Kommunität Knechtsteden. Im Gespräch mit Pater Samuel Mgbecheta gewährt er einen Einblick in seine Erlebnisse während seiner Auszeit und in seine Überlegungen für die neue Aufgabe.

Pater Emeka Nzeadibe, CSSp, Neuer Superior der Kommunität Knechtsteden.

Pater Emeka Nzeadibe, CSSp, Neuer Superior der Kommunität Knechtsteden.

Pater Samuel: Emeka, wie fühlst Du Dich im Augenblick?

Pater Emeka: Im Augenblick fühle ich mich wohl und mir geht es auch gut.

Pater Samuel: Wie fühlt es sich an, die Verantwortung für die Provinz Europa nicht mehr zu tragen?

Pater Emeka: Was ich abgegeben habe, ist die Verantwortung als Provinzial. Seit der Amtseinführung meines Nachfolgers bin ich ordens- und kirchenrechtlich sowie zivilrechtlich nicht mehr der Letztverantwortliche für die gesamte Provinz Europa. Die Leitungsfunktion ist auf Zeit. Das ist auch gut so! Nach meinen zwei Amtszeiten darf ich nicht mehr zur Wahl stehen. Von Anfang an habe ich mir gesagt, dass niemand unersetzbar ist. Dies gehört m.E. zur Lebensweisheit und hat meine Lebenseinstellung geprägt, als ich in der Jugendseelsorge tätig war, und ist heute noch meine Überzeugung. Aber als Mitglied der Provinz Europa trage ich sie mit, insbesondere durch die mir zugewiesene Aufgabe.

Pater Samuel: Was hat sich für Dich geändert?

Pater Emeka: Was sich bei mir geändert hat, ist, dass ich gut, lang, ungestört und mit freiem Kopf schlafen kann. Das tut gut! Diese Auszeit ist für mich eine Gnadenzeit: Abstand vom Geschehen zu gewinnen, das Erlebte zu verarbeiten, nachzudenken, mir Ruhe zu gönnen und vor allem mich geistig und geistlich weiterzuentwickeln.

Pater Samuel: Viele nehmen mindestens eine einjährige Auszeit nach zehn Jahren Einsatz. Warum hast Du nur 6 Monate genommen?

Pater Emeka: Das hätte ich auch gerne gemacht! Aber sowohl die Personalnot in Knechtsteden als auch die Bitte der Mitbrüder haben mich dazu gebracht, die Auszeit zu kürzen. Denn ich bin der Überzeugung, dass, wenn man zur Familie gehört, man selbstverständlich Verantwortung übernimmt. Ich bin im Dienst meiner Ordensfamilie und im Dienst der Mitbrüder. Deswegen kann ich nicht guten Gewissens zugucken oder den Kopf in den Sand stecken, wenn Not am Mann ist.

Pater Samuel: Wie hast Du Deine Sabbatzeit verbracht?

Pater Emeka: Wie gesagt, die Sabbatzeit war für mich eine Gnadenzeit. Ich durfte bei den Redemptoristen in Bonn wohnen, bildete in der Zeit eine Gemeinschaft mit ihnen und habe voll an ihrem Gemeinschaftsleben teilgenommen. Diese Zeit hat mir einen Einblick in ihr Ordensleben gewährt und mir einige Anregungen für meinen künftigen Dienst gegeben. Ihre Gemeinschaft besteht aus 21 Mitbrüdern und ist fast ähnlich verfasst wie Knechtsteden: ältere und jüngere Mitbrüder, Deutsch und Nicht-Deutsche, Brüder und Patres, Ruheständler und Mitbrüder im aktiven Dienst (Pastoral, Ordensleitung, Seelsorge). Das Haus und das Gelände sind aber deutlich kleiner als Knechtsteden.

Pater Samuel: Was hast Du in diesen Monaten gewonnen? Konntest Du neue Ideen sammeln?

Pater Emeka: Ja, absolut! Ich habe die Zeit genossen. In den sechs Monaten, die ich dort verbringen durfte, habe ich ein studentisches Dasein geführt: Immatrikuliert an der Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD Sankt Augustin, habe ich Vorlesungen besucht, Hausarbeit gemacht, Prüfungen belegt, viel gelesen, auch Recherche für meine Dissertation gemacht. Ich bin dankbar für diese wunderbare Zeit bei den Redemptoristen und für die mitbrüderliche Aufnahme.

Pater Samuel: Seit dem 1. August bist Du Superior von Knechtsteden. Was bedeutet Dir dieses Amt, ja, dieser Dienst?

Pater Emeka: Am 1. August habe ich ja meine neue Aufgabe als Superior des Missionshauses der Spiritaner in Knechtsteden übernommen. Das ist die größte Kommunität in unserer Provinz mit augenblicklich 25 Mitbrüdern. 20 Mitbrüder sind im fortgeschrittenen Alter und im Ruhestand, einige sind krank und pflegebedürftig. Es gibt aber auch fünf Mitbrüder, die jünger sind als 50 Jahre. Der Superior übernimmt vielfältige Aufgaben im Hause und unterhält den Kontakt zur Zivilgemeinde, zu kirchlichen Stellen und zur Umgebung. Für mich bedeutet diese Aufgabe an der ersten Stelle Dienst an den Mitbrüdern und an den uns anvertrauten Menschen. Der Auftrag ist das Haus zu leiten, für die Mitbrüder da zu sein: Junge und Alte, Gesunde und Kranke, Deutsche und Nicht-Deutsche und sie wohlwollend und mitbrüderlich zu begleiten. Dieser Auftrag besteht aber auch darin, den Menschen zu dienen, die sich mit dem Haus, mit den Spiritanern und ihrer Mission identifizieren. Kurzum, sie in allem, was sich hier ereignet, anzuleiten und unterstützend zu begleiten. Nach bestem Wissen und Gewissen werde ich versuchen, meinen Auftrag zu erfüllen. Ich freue mich auf alle, die mir wohlwollend mit Rat, Tat und Gebet zur Seite stehen, alle, die wohlwollend mein Tun und Entscheiden mitbegleiten, und alle, die wohlwollend mitanpacken.

Pater Samuel: Wo möchtest Du neue Impulse setzen?

Pater Emeka: Das Zusammenleben zwischen den Generationen und Kulturen ist eine aktuelle Herausforderung, der es gilt, mit Fingerspitzengefühl und Wohlwollen zu begegnen. Es bedeutet, sich in die Kultur eines anderen zu versetzen. Dabei geht es um mehr als Kleidung oder Essgewohnheiten, Stillsein oder Geschwätzigkeit usw. Die eigene Kultur sitzt versteckt in den Spalten, Ritzen und Haarwurzeln unserer Persönlichkeit. Die Verschiedenheit an sich ist auch eine Realität, die wahrgenommen werden müsste, die auch eine Bereicherung bedeuten kann. M.E. muss dies mitbrüderlich zur Sprache gebracht werden, um Wege des Miteinanders zu finden. Es verlangt aber Geduld, Planen und bleibende Lernbereitschaft, denn bloßer guter Wille allein reicht nicht immer aus. Auf praktischer Ebene ist darauf hinzuweisen, dass Knechtsteden auch der Sitz der Regionalverwaltung und die Krankenstation für das Wohl und die Pflege der Alten und Kranken ist. Ein wichtiges Arbeitsfeld ist die Pastoral in der Basilika. Die Basilika ist ein wichtiges kulturelles und spirituelles Zentrum für die ganze Region; drei sonntägliche Gottesdienste, Konzerte, Wallfahrten und andere Ereignisse finden dort statt, und begleitete Führungen werden organisiert. Dieses Projekt kann noch weiterentwickelt werden, zum Beispiel, was die Wallfahrt angeht und andere Initiativen (z. B. die Jugendpastoral in Verbindung mit der Seelsorge am Norbert-Gymnasium, mit dem Projekt MaZ und mit der Dekanats -jugendseelsorge). Diese sind ausbaufähig. Da-für brauchen wir die entsprechende Personal-kapazität, sodass jeder nach seinen Möglich-keiten zur Ausstrahlung dieses Ortes als geistliches Zentrum beitragen kann.

Pater Samuel: Was erwartest Du von Deinen Mitbrüdern?

Pater Emeka: In Gespräch und Dialog lassen sich viele Dinge klären oder zumindest verständlicher erklären. Wenn etwas anders läuft, als wir es uns vorgestellt haben, besonders in Bezug auf das Leben in Gemeinschaft, sollen wir den Mut haben, mit dem Verantwortlichen darüber zu sprechen. Hier paraphrasiere ich den französischen Philosophen Voltaire. Ich werde wahrscheinlich mit Dir nicht einverstanden sein, aber ich würde bis zum Äußersten dafür kämpfen, dass man das sagen darf, was man zu sagen hat.

Pater Samuel: Was wünschst Du Dir in Dei-nem neuen Amt und was wünschst Du Deinen Mitbrüdern in Knechtsteden?

Pater Emeka: Ich wünsche mir die nötige Kraft, Ruhe und Gelassenheit, um meinen Dienst wahrzunehmen. Und ich wünsche, dass sich jeder Mitbruder hier wohl fühlt, geistlich und materiell. Ich möchte, dass wir mehr Freude mit- und aneinander haben. Nichts darf zu viel sein für Mitbrüder, die ihr ganzes Leben für andere eingesetzt haben und zum Teil unter Rückstellung der eigenen Bedürfnisse. Möge der Heilige Geist, unser Ordenspatron, seinen Segen dazu geben!


07.08.2019

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