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Heilig-Geist-Gymnasium, Broichweiden / Würselen

Kompetenzen fördern - Leistung fordern - Persönlichkeit formen - Glauben leben. Das sind die Säulen des Heilig-Geist-Gymnasium in Broichweiden / Würselen.

Auf der Grundlage des christlich-spiritanischen Welt- und Menschenbildes erhalten die Schülerinnen und Schüler ganzheitliche und exzellente Bildung und Erziehung.

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Eine kleine Wunschliste an die Katholische Kirche im Blick auf zwei kirchlich Großereignisse

Mitten im tatsächlichen und oft auch nur herbeigeredeten Reformstau in der Katholischen Kirche sind heute zwei außerordentliche Reformsignale zu vermelden: der Synodale Weg und die Amazonas-Synode.

Nach den entsprechenden Impulsen von Papst Franziskus (vgl. „Evangelii Gaudium“, 2015 und „Brief an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“, 2019) beschließt die Deutsche Bischofskonferenz im September 2019 den Start auf den Synodalen Weg. Allerdings weniger aus eigener Einsicht, sondern eher herausgefordert durch den römischen Anschub und durch die verheerenden Folgen des sexuellen Kindesmissbrauchs durch katholische Kleriker. Jetzt erst entschließt sich die Bischofskonferenz zu diesem Reformweg, der durchaus nicht von den Bischöfen erfunden und beschlossen werden soll und dann über alle Christen ausgestreut wird („Reform von oben“). Aber auch kein demokratischer Reformweg nach dem Mehrheitsprinzip („Reform von unten“) ist hier angezielt, der dann allen auferlegt wird. Nein: der Synodale Weg wird gemeinsam gesucht, entwickelt und schrittweise begangen – nach Art einer Reisegesellschaft (syn-odia = Reisegesellschaft) mit allen Christen, mit und ohne ausdrückliches Amt, mit Frauen und Männern, mit Jugendlichen und Alten eingeschlossen dem Papst. – Schon auf den ersten Blick ist hier zu erkennen: die Breiten- und die Tiefenwirkungen dieses Ansatzes läuten eine Zeitenwende in der Kirche ein, vergleichbar einer entschlossenen Umkehr (Metanoia). Denn hier werden die Abschiedsglocken geläutet von einer hochklerikalisierten Kirche hin zu einer Weggemeinschaft mit Jesus, dem Auferweckten.

Auch das zweite Reformprojekt, die Amazonas-Synode im Oktober 2019 in Rom, scheint ähnlich wie der synodale Weg zunächst nur ein regionales Unternehmen zu werden, aber tatsächlich werden beide Unternehmen Auswirkungen auf die Gesamtkirche haben. Denn auch hier ist ein neues Kirchenbild zu erkennen (orientiert an „Laudato Si“): Nicht die Organisation der Kirche, nicht einmal ihr Verkündigungsauftrag steht in der Mitte, sondern das Leben der Menschen in Panamazonien. Das will heißen: die Anerkennung und das Lebensrecht der Amazonas-Bewohner und Gemeinden in den neun verschiedenen Ländern, die alle von der Verschmutzung und der Zerstörung des Amazonas und seiner Nebenarme bedroht sind (durch die verheerenden Brandrodungen mit Folgen für die Öko-Systeme und die damit verbundenen Lebensbedingungen von Millionen Menschen in höchst unterschiedlichen Völkern in ihren indigenen Ausformungen, Kulturen und Religionen). – Die aktuellen Klimaschutz-Debatten greifen heute zeitgleich verschiedene Themenfelder der Amazonas-Synode auf. – Schon jetzt sehen viele Kritiker des Amazonas-Projekts durch die extreme Verschiedenheit der Themen- und Aufgabenfelder ihre möglichen, positiven Wirkungen zerbrechen. Kardinal Hummes, emeritierter Erzbischof von Sao Paulo, hält ganz im Geist von Papst Franziskus dagegen: „Die Verschiedenheit ist der Reichtum der Einheit und sie schützt die Kirche vor der Erstarrung in Uniformität“. Deutlich ist hier zu erkennen: die Amazonien-Synode will die von Papst Paul VI. angestoßene Inkulturations-Praxis (Inkulturation als wechselseitige Erschließung der jeweiligen Kultur durch das Evangelium und umgekehrt die Erschließung des Evangeliums durch die umgebende Kultur – immer inspiriert durch die Menschwerdung Jesu) aufgreifen und entschieden fortführen. Denn eine einzige Inkulturation des Evangeliums in und durch die europäischen Kulturen verschenkt den Reichtum des Evangeliums und übergeht den Respekt vor den außer-europäischen Kulturen. Rom will hier offensichtlich dagegenhalten, die Türen öffnen für „heilsame Dezentralisationen“ (vgl. EG 16).

Nun hier unsere kleine Wunschliste

Zum Stil des Umgangs der Synodalen miteinander. – Mir scheint, zwei Grundhaltungen sind den Synodalen zu wünschen: gegenseitige Neugier und gegenseitiger Respekt. Gewiss ist die allgemeine Erwartung der Synodalen groß, neue Menschen und neue Positionen zu entdecken und diese in wertschätzender Weise aufzunehmen und die zu erwartenden Gegensätze auszuhalten (vgl. z. B. die Berichte über das Vaticanum II und die Würzburger Synode), denn die Einschätzungen und Temperamente der Versammelten sind oft sehr, sehr bunt. Neugier und Respekt können aber ganz organisch ideologische Enge und theologische Inzucht wirksam zurückdrängen.

Chancen einer konstruktiven Gebetsgemeinschaft. – Im Idealfall können in Verbindung mit diesen Synoden-Projekten Gebetsgemeinschaften entstehen unter den Synodalen und / oder mit benachbarten Interessengruppen und in den einzelnen Kirchen, Gebetsgemeinschaften von 2 – 3 bis 20 Teilnehmern – gleichsam auf drei Ebenen: 1) mein „privates“ Bitten um Verstehen und Erkennen der verschiedenen Fragen und Positionen vor dem Geheimnis Gottes, der sich gestern und heute „entäußert“ (vgl. permanente Kenosis Gottes in unserer Geschichte), um uns Menschen an Sein Herz zu ziehen (vgl. Joh 12,32). 2) Auf einer zweiten Ebene können gemeinsames Beten und geistliche Gespräche abwechseln: vor Gottes Angesicht sagen sich die Teilnehmer einander das, was ihnen an / in dieser Synodefrage wichtig und kostbar ist. – Endlich 3) die dritte Gebetsebene ist die Anbetung, das stille Horchen auf die Stimme Jesu, was uns sein Heiliger Geist in der Kirche und in der ganzen Welt zu sagen hat (vgl. Joh 14,26) – Übrigens einer spiritanischen Gemeinschaft steht es besonders gut an, solches Horchen gemeinsam zu üben.

Ein neues Kirchenverständnis bahnt sich an. – Die beiden Mammutprojekte, der „Synodale Weg“ in Deutschland und die Amazonas-Synode in Rom, lassen eine Zeitenwende erkennen: ein entschiedener Abschied von der hochklerikalisierten Kirche und die wachsende Bereitschaft zu einer „samaritanischen Kirche“. Hinter diesen großformatigen Begriffen stehen gleichsam schon mögliche Skizzen für den Weg der Kirche durch die kommenden Jahrhunderte. – Nicht von ungefähr hat Papst Franziskus der ganzen Kirche den Monat Oktober 2019 als ausdrücklichen Missionsmonat ans Herz gelegt. Vielleicht dass wir diesem Wunsch im persönlichen wie im öffentlichen Gebet herzhaft nachkommen – als Gemeinde, die sich vom Heiligen Geist bewegen lässt.

 

 

Gottfried Bitter, CSSp


06.10.2019

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