Suche
NOTEL

Im NOTEL,  der Notschlafstelle für Drogenabhängige, ist die kleine Kapelle spirituelles Zentrum für Mitarbeiter und Gäste.

Ziel ist nicht Bekehrung, sondern als Christen präsent zu sein und aufgrund des Glaubens Hoffnung zu vermitteln.

weitere Infos...

Aus einem kleinen Rinnsal ist ein Fluss geworden

Der 2. Oktober ist für die Spiritaner ein Tag, an dem sie Claude-François Poullart des Places (1679 - 1709), einer ihrer bedeutendsten Persönlichkeiten, gedenken. Zwar hat Poullart des Places kurz gelebt, er hat aber Großes geleistet.

Claude Francois Poullart des Places * 26. Februar 1679 in Rennes † 2. Oktober 1709 in Paris

Geboren am 26. Februar 1679 in einer vornehmen Familie aus Rennes, entschied sich Claude-François, der erste Gründer des Spiritanerordens, nach erfolgreichem Jurastudium, gegen den Willen seiner Eltern, Priester zu werden. Er trat in das Jesuitenkolleg von Louis-le-Grand ein und absolvierte dort das Theologiestudium. Zu seiner Zeit waren es 3.000 Studenten, davon 600 Internatsstudenten. Der Unterricht war frei und offen für alle, jedoch mussten sich die 2.400 Studenten, die außerhalb des Seminars wohnten, um ihre eigene Unterkunft und Versorgung kümmern. Claude-François sah, dass es vielen seiner Mitseminaristen schlecht ging, und er begann im Mai 1702, noch in seinem ersten Jahr im Priesterseminar, einigen dieser Mitstudenten zu helfen. Er fing mit Jean-Baptiste Faulconnier – einem jungen Sechzehnjährigen - an. Claude achtete sehr auf die Situation eines jeden einzelnen Menschen. Bald hatte er 12 solcher Studenten.

Ursprünglich hatte er keinen Plan eine Ordensgemeinschaft zu gründen. Seine grundlegende Intuition war es, den armen Studenten eine gute Priesterausbildung zu ermöglichen. Er wollte dafür sorgen, dass authentische Berufungen aufgrund mangelnder materieller Ressourcen nicht verlorengingen. Dies veranlasste seine mutige Initiative, eine Wohnung für diese armen Seminaristen zu mieten, damit sie ihre theologische Ausbildung fortsetzen konnten. Mit der Zeit verließ er den Komfort und die Sicherheit seiner Unterkunft in Louis-le-Grand. Er zog zu den 12 armen Studenten und lebte zusammen mit ihnen in einer von ihm gemieteten überfüllten Wohnung. Am Anfang hatte er einen Seminaristen untergebracht, aber vor seinem vorzeitigen Tod am 2. Oktober 1709 (zwei Jahre nach seiner Priesterweihe), im Alter von 30 Jahren, waren es 70 solcher Studenten.

Junge Spiritaner in der Ausbildung in Nigeria.

Spiritanerstudenten mit ihren Ausbildern in Nigeria.

Die Geschichte und Entwicklung des Spiritanerordens spiegelt das biblische Gleichnis vom Senfkorn wider, das ein Mann nahm und in seinen Garten säte; es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen (Lk 13,19). Waren es eine Handvoll Menschen, die am Anfang die Initiative von Claude-François Poullart des Places unterstützten, sind es heute etwa 2600 Menschen, die in 57 Ländern als Spiritaner tätig sind. Sie leben in internationalen und interkulturellen Gemeinschaften. Insgesamt gehören 2 Kardinäle, 31 Bischöfe, 2046 Ordenspriester, 107 Ordensbrüder und 418 Priesteramtskandidaten der Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist an. Fast zwei Drittel der Mitbrüder stammen heute aus verschiedenen Ländern Afrikas.

In Deutschland leben zurzeit 45 Spiritanermitbrüder, davon kommen 15 aus anderen Spiritanerprovinzen in Europa und Afrika. Sie werden unterstützt von Laienspiritanern; das sind Männer und Frauen, die in engem Kontakt mit den Spiritanern stehen, ihre Spiritualität teilen und sich in den Dienst des Ordens einbringen. Des Weiteren sind 6 deutsche Spiritaner heute noch missionarisch tätig im Ausland (Brasilien, Südafrika, Tansania und Zentralafrika). Einer der berühmtesten deutschen Spiritaner ist Pater Paul Koppelberg (1912 – 1981), der die Sternsinger-Aktion ins Leben gerufen hat.

Schwerpunktmäßig arbeiten Spiritaner als Seelsorger sowohl in Elendsvierteln in Großstädten, in sozialen Brennpunkten wie auch in abgelegenen Orten. Wir übernehmen auch gerne Aufgaben in Krankenhäusern, Schulen und Gefängnissen. Unsere drei Leuchtturmprojekte hierzulande sind das Projekt Missionar auf Zeit (MaZ), das Projekt Notschlafstelle für Drogenabhängige in Köln (NOTEL) und das Heilig-Geist-Gymnasium (HGG) in Würselen. MaZ bietet jüngeren Menschen die Möglichkeit, eine andere Kultur kennenzulernen und Erfahrungen im Ausland zu sammeln. In der Regel werden MaZlerInnen begleitet von unseren Missionaren oder Missionarinnen, die zusammen mit uns in Lateinamerika, Afrika und Europa arbeiten. Im NOTEL können Drogenabhängige umsonst übernachten und ein warmes Essen bekommen. Die Kranken unter ihnen werden auch behandelt. Das Heilig-Geist-Gymnasium ist ein Privatgymnasium in der Trägerschaft der Spiritaner. Sein Bildungsangebot basiert auf einem christlich-spiritanischen Menschenbild. Es bereitet junge Menschen gezielt auf ein gelingendes Leben vor und bietet gleichzeitig eine solide Werteorientierung.

Spiritanermitbrüder und Laienspiritaner bei einer Versammlung.

Die Lebensgeschichte von Poullart des Places bestätigt einen Spruch, der dem ehemaligen US-amerikanischen Politiker und Gouverneur von Illinois - Adlai Ewing Stevenson (1900 – 1965) – zugeschrieben wird. Er lautet: „Nicht die Jahre in unserem Leben zählen, sondern das Leben in unsren Jahren". Mit anderen Worten: Es kommt nicht darauf an, wie viele Jahre ein Mensch auf der Erde verbringt, sondern vielmehr, was ihm in diesen Jahren gelungen ist; ja, was er hat erreichen können. Claude Poullart des Places hatte ein kurzes Leben, aber dieses, sein kurzes Leben bedeutet uns Spiritanern viel. Es inspiriert uns auch heute noch. Er hatte einen tiefen Einfluss auf das Leben der Menschen, die er traf. Aus einem kleinen Rinnsal seiner Gründung mit 12 Weggefährten, ist ein weltweiter Spiritaner-Fluss geworden. Sein Vermächtnis lebt weiter, und das feiern die Spiritaner am 2. Oktober.

 

Samuel Mgbecheta, CSSp


02.10.2019

zurück...

facebook

powered by webEdition CMS