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Pater Dr. Ferdinand Ezekwonna ist neuer Rektor der Basilika Knechtsteden

10.11.2025

Der Kölner Erzbischof Rainer Kardinal Woelki hat Pater Dr. Ferdinand Ezekwonna mit Wirkung zum 1. Oktober zum neuen Rektor der Basilika Knechtsteden ernannt. Der gebürtige Nigerianer folgt auf Pater Michael Wegner, der aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten ist. Pater Ferdinand bringt einen reichen Schatz an Wissen und Kompetenz mit. Er verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in den Bereichen Mission, Lehrtätigkeit und Seelsorge. Nach Stationen in Afrika, der Schweiz und mehreren Jahren in Deutschland kehrt er nun an einen Ort zurück, den er bereits als Student zu schätzen gelernt hat. Dort wird er die Basilika Knechtsteden mit frischem Elan und Weitblick leiten.

In einem Schreiben vom 3. November teilte Michael Kühn, Personalreferent des Erzbistums Köln, mit: „Kardinal Woelki hat im Zuge der Personalkonferenz P. Dr. Ferdinand Ezekwonna CSSp im Einvernehmen mit seinem Ordensoberen rückwirkend ab dem 1. Oktober 2025 zum Rector ecclesiae an der Basilika minor St. Andreas, der Klosterkirche in Knechtsteden, sowie zum Seelsorger an der Basilika Knechtsteden ernannt.“ Damit übernimmt der 65-jährige Ordensmann aus Nigeria die Leitung einer der geschichtsträchtigsten und spirituell bedeutendsten Kirchen im Erzbistum Köln. Zugleich tritt er die Nachfolge von Pater Michael Wegner an, der aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurückgetreten ist, aber weiterhin in der Seelsorge an der Basilika mitwirkt. Dies ist ein Zeichen der Kontinuität innerhalb der Gemeinschaft.

Die Basilika St. Andreas: Geschichte und Bedeutung

Die Basilika St. Andreas in Knechtsteden ist für viele Gläubige weit mehr als ein historisches Bauwerk: Sie ist eine geistliche Heimat, ein Zentrum des Glaubens und eine Hochburg spiritanischer Spiritualität. Die Spiritaner messen dieser traditionsreichen Gebetsstätte große Bedeutung bei – als Ort der Begegnung, des Gebets und der geistlichen Erneuerung.

Die 887 Jahre alte Klosterkirche, eine doppelchörige Gewölbebasilika im romanischen Stil, beeindruckt durch ihre Architektur und Ausstattung. Sie zieht Gläubige, Kunstinteressierte und Ruhesuchende gleichermaßen an. Besonders beliebt ist sie bei jungen Erwachsenen, die hier heiraten oder ihre Kinder taufen lassen möchten.

Das geistliche Leben in Knechtsteden ist vielfältig: werktägliche und sonntägliche Gottesdienste, Wallfahrtsgottesdienste, Chöre, Kinder- und Jugendgruppen, Besinnungs- und Einkehrtage sowie wöchentliche Schulgottesdienste prägen das Jahr. Zweiwöchige Beicht- und Gesprächszeiten ergänzen das Angebot. Seit 2018 bringt die „Basilika-Night“ Menschen unterschiedlichen Alters zusammen, um den Glauben auf neue, inspirierende Weise zu erleben.

Auch die ökumenische Zusammenarbeit hat einen festen Platz: Seit über fünf Jahren findet an Heiligabend in der Basilika eine evangelische Christvesper statt – ein Zeichen des lebendigen Miteinanders der christlichen Konfessionen.

Vom Messdiener zum Missionar

Pater Ferdinand stammt aus Adazi-Enu im südöstlichen Bundesstaat Anambra Nigerias. Sein Vater war Katechist und Lehrer und stand in engem Kontakt mit den irischen Spiritanern. Auch seine Mutter engagierte sich stark in der Pfarrei. Beide traten dem Ritterorden des heiligen Mulumba bei, was für ihr tiefes kirchliches Engagement steht.

Schon als Grundschüler war Ferdinand von der Kirche fasziniert. Er war Messdiener und begleitete Priester bei Hausbesuchen und zur Krankenkommunion. „Ich wollte immer nahe bei der Kirche sein“, erinnert er sich. So war der Weg ins Knabenseminar für ihn fast selbstverständlich. Im Jahr 1975 trat er schließlich in das 50 Kilometer von seinem Heimatort entfernte „Holy Ghost Juniorate“ in Ihiala ein.

Nach dem Abitur im Jahr 1981 folgte das Noviziat in Awo-Omamma, bevor er 1982 ein Philosophiestudium in Isienu-Nsukka begann. Anschließend entsandte ihn die Ordensleitung nach Deutschland, um Theologie zu studieren. Dies war ein beschwerlicher Weg mit monatelanger Wartezeit auf das Visum und fehlender Information zur Ankunft. Schließlich erreichte er Knechtsteden. Dort absolvierte er zunächst einen Sprachkurs im Klausenhof und studierte anschließend Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Augustin. „Theologie auf Deutsch – mit Hebräisch und Griechisch – war kein Spaziergang“, berichtet er. „Aber es hat meinen Horizont erweitert. Ich habe eine neue Welt entdeckt.“

Am 20. August 1988 wurde er in seiner Heimat zusammen mit vier Mitbrüdern zum Priester geweiht. Nach einer kurzen Tätigkeit in St. Martin in Ihiala reiste er nach Simbabwe, wo ihn die Generalleitung seines Ordens zur Missionsarbeit entsandt hatte. Seine erste Station war St. Patrick in Nyanyadzi. Dort erlernte er sechs Monate lang die Sprache der Shona, was keine leichte Aufgabe war, da damals nur wenige Menschen Englisch sprachen. „Es war eine intensive Zeit des Lernens, Zuhörens und Entdeckens“, so Ferdinand. Danach wurde er Pfarrer der neu gegründeten Pfarrei St. Jakobus in Chipinge im Bistum Mutare. Die Gemeinde lag in einer multikulturellen Diasporaregion, in der Schwarze und Weiße zusammenlebten.

Die Pfarrei umfasste sechs weit verstreute Außenstationen, jede mit einem engagierten Leitungsteam. Mit großem Eifer widmete sich Pater Ferdinand der Erstevangelisierung, der Glaubensbildung und der Sakramentenvorbereitung. Besonders wichtig war ihm die Pastorale der Nähe. Er besuchte regelmäßig Familien, teilte ihren Alltag mit und stärkte so Vertrauen und Gemeinschaft.

Neben seiner seelsorglichen Tätigkeit in der Gemeinde übernahm er Aufgaben auf Diözesanebene. Zunächst war er Beauftragter für Nachwuchswerbung, später wurde er stellvertretender Provinzial seines Ordens.

Akademische Weiterbildung und Lehrtätigkeit

Nach zehn Jahren in Chipinge wurde er nach Nigeria zurückberufen, um dort junge Mitbrüder auszubilden. Zuvor führte ihn sein Weg an die Universität Fribourg in der Schweiz, wo er bei dem im November 2023 verstorbenen, berühmten kongolesischen Moraltheologen Prof. Bénézet Bujo promovierte.

Zwischen 1998 und 2004 verfasste er seine Dissertation mit dem Titel „African Communitarian Ethic: The Basis for the Moral Conscience and Autonomy of the Individual. Igbo Culture as a Case Study“, in der er untersuchte, wie gemeinschaftliche Werte die moralische Verantwortung und Selbstständigkeit des Einzelnen prägen – ein Thema, das tief in seiner afrikanischen Lebenswelt verwurzelt ist.

Nach der Promotion wurde er an die Theologische Hochschule der Spiritaner in Attakwu, Enugu, berufen, wo er viele Jahre als Dozent für Moraltheologie lehrte. Seine Fachgebiete umfassten unter anderem fundamentale Moraltheologie, Soziallehre der Kirche, Bioethik, menschliche Sexualität und Ehe sowie aktuelle Entwicklungen in der Moraltheologie. Darüber hinaus war er auch akademischer Dekan und Superior der Gemeinschaft.

Rückkehr nach Deutschland: Sabbatjahr und Seelsorge

Nach über 13 Jahren Lehrtätigkeit spürte Pater Ferdinand, dass es an der Zeit war, eine Auszeit zu nehmen, um neue Kraft zu schöpfen. „Normalerweise kann man nach sechs Jahren ein Sabbatjahr nehmen“, erzählt er. „Ich war jedoch dreizehn Jahre dort und merkte, dass ich eine Sabbatzeit brauchte, um geistig und seelisch wieder aufzutanken.“

Seine Heimatprovinz genehmigte den Antrag und Pater Ferdinand entschied sich bewusst für Deutschland, ein Land, in dem er einst studiert hatte und dessen Sprache und Kultur ihm vertraut waren. Das Erzbistum Köln bot ihm eine einjährige Stelle im Seelsorgebereich Deutz/Poll an. „Bis 2020 war ich dort tätig – es war eine schöne und bereichernde Zeit“, sagt er.

Nach Ablauf der zwei Jahre bat ihn die deutsche Provinz der Spiritaner, zu bleiben. „Ich fand die Idee gut. Auf diese Weise kann ich der deutschen Provinz und der Kirche etwas zurückgeben. Beide haben mir während meines Studiums so viel geschenkt – sie haben mich ausgebildet und geprägt“, erklärt Pater Ferdinand.

Heute erkennt er tiefgreifende Veränderungen in der Kirche: „Zu meiner Studienzeit waren die Kirchen gut besucht. Junge Menschen engagierten sich aktiv im Gemeindeleben. Heute ist das leider anders.“ Sein Fazit lautet: „Eine Kirche ohne junge Menschen hat keine Zukunft. Es müssen neue Wege gefunden werden, damit junge Menschen wieder Zugang zur Kirche finden und spüren, dass der Glaube Freude schenkt und das Leben trägt.“

Pastoral der Nähe und Jugendpastoral

Pater Ferdinand sieht die Antwort auf die Herausforderungen der Kirche in einer „Pastoral der Nähe“. „Die Kirche muss zu den Menschen gehen – dorthin, wo sie leben. Bibelgespräche könnten in den Häusern reihum stattfinden, um die Lebenswelt der Menschen kennenzulernen. Dadurch kann der Seelsorger seine Predigten stärker an ihrer Realität ausrichten.“

Ähnlich ließen sich Tauf-, Ehe- oder Trauergespräche gestalten, stets mit dem Ziel, Beziehungen zu vertiefen und Nähe zu schaffen. Besonders für Jugendliche sei der persönliche Kontakt entscheidend, so Pater Ferdinand: „Man muss junge Menschen dort abholen, wo sie stehen, und darf nicht darauf warten, dass sie von selbst zur Kirche kommen.“

Seine Erfahrungen aus Simbabwe bestärken ihn in diesem Verständnis: „Ich habe oft mit Jugendlichen Fußball gespielt. Das gemeinsame Spiel hat uns verbunden. Danach kamen sie gerne zur Messe oder zu anderen Veranstaltungen.“

Eine Herausforderung, die er sich stellen könnte, ist das Ehrenamt. „Sowohl das Missionshaus Knechtsteden als auch die Basilika sind auf den Einsatz vieler Freiwilliger angewiesen– von Lektoren und Messdienern bis hin zu den Krippenbauern. Doch die Zahl der Ehrenamtlichen geht zurück. Deshalb möchte ich alle, die bereit sind, ein wenig Zeit für einen guten Zweck zu investieren, ermutigen, sich zu melden. Der Dienst an der Basilika bereitet Freude – Sie werden es mögen“, wirbt der über zwei Meter große Seelsorger.

Ausblick: Vision für die Basilika Knechtsteden

Pater Ferdinand Ezekwonna übernimmt mit seiner reichen Erfahrung die Leitung der Basilika Knechtsteden. Er möchte die Menschen dort abholen, wo sie stehen, ihnen den Glauben auf lebensnahe Weise vermitteln und die Basilika zu einem lebendigen Ort der Gemeinschaft und Spiritualität machen.

„In den kommenden Monaten werde ich die bewährten Angebote aufrechterhalten. Gottesdienste, Beichtgelegenheiten und Wallfahrten gehören zu meinen Schwerpunkten. Wo ich Verbesserungsbedarf erkenne, werde ich mich einbringen und Dinge weiterentwickeln.“ Dabei will er auf die Arbeit seines Vorgängers, Pater Michael, aufbauen, der weiterhin in der Seelsorge tätig bleibt. „Darüber bin ich sehr froh“, so Pater Ezekwonna.

Wir wünschen ihm viel Kraft, Freude und Gottes Segen für seine neue Aufgabe.

Autor: Pater Samuel Mgbecheta, CSSp

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