Schweinetrog statt Weihnachtskrippe

Bericht zur Eröffnung der Ausstellung "ENTBERGEN" von P. Willi Pfeil

Am ersten Adventssonntag, wurde in der St. Clemens-Kirche in Köln-Mühlheim eine Ausstellung mit Werken unseres Künstler-Mitbruders P. Willi Pfeil eröffnet. Sie trägt den Titel: "Entbergen". Viele Freunde und Bekannte des Künstlers, viele Interessierte und Spiritaner sowie viele Freunde des Kunstforums St. Clemens waren an diesem Nachmittag ans Mühlheimer Rheinufer gekommen, um der festlichen Vernissage beizuwohnen.

Seit 1976 veranstaltet das Kunstforum St. Clemens regelmäßig Ausstellungen und Konzerte in der St. Clemens-Kirche in Mühlheim. Die Clemenskirche ist aber keineswegs ein reines Museum oder Konzerthaus. Inmitten der Kunst wird auch die Liturgie gefeiert. Früher war St. Clemens einmal eine eigenständige Pfarrei. Heute gehört sie zum Seelsorgebereich St. Elisabeth, Herz Jesu, Liebfrauen und St. Clemens, der von Pfarrer Christian Weinhag und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut wird.

"Die heilige Familie möge es uns verzeihen und Verständnis dafür haben, dass wir in diesem Jahr auf die Weihnachtskrippe hier in unserer Kirche verzichten. Wir haben dank P. Willi Pfeil ein viel eindruckvolleres und viel besser zum Nachdenken anregendes Kunstwerk: Den 'Schweinetrog'". Mit diesen Worten eröffnete Pfarrer Christian Weinhag die Vernissage und hieß die Gäste und vor allem den Künstler herzlich willkommen.



Konstanze Jarczyk
umrahmte mit Harfenmusik
sehr gekonnt und eindrucksvoll
die Vernissage.

"Schweinetrog"

P. Pfeil hat seinen Werken bewusst keine Namen gegeben. Wer den Katalog zur Ausstellung durchblättert, der findet immer wieder die Bildunterschrift: "ohne Titel". Damit will der Künstler die Betrachter zum Nachdenken und zum Entfalten eigener Intuitionen einladen. Dennoch haben alle Werke einen "unveröffentlichten" Arbeitstitel, So auch der "Schweinetrog". Ein Stück Holz aus einem Trog, aus dem einst Schweine gefressen haben und in dem sie ihre Spuren hinterlassen haben. Der Künstler hat mit Spachtelmasse diese Spuren nachgezeichnet und so ein "Denkmal" geschaffen.

Denkmal: Wenn wir dieses Wort trennen, dann können wir verstehen, warum St. Clemens den Schweinetrog als Weihnachtskrippe betrachtet: "Denk mal!" Denke mal nach! Diese Aufforderung steht hinter dem Kunstwerk von P. Willi Pfeil. Und wenn wir über den Schweinetrog nachdenken, dann kommt uns die Geschichte vom "barmherzigen Vater" oder "verlorenen Sohn" (Lk 15, 11-32) in den Sinn. Der jüngere Sohn, der von zu Hause ausgezogen war, um frei zu sein und das Leben in vollen Zügen zu genießen, er erinnert sich am Schweinetrog an die Gotteskindschaft: Daran, dass er der von seinem Vater und der von Gott geliebte und gewollte Sohn ist. Kann in diesem Sinne ein anderes Zeichen zu Weihnachten besser auf den gottgeliebten Sohn Jesus Christus hinweisen als dieser Schweinetrog?

Ich persönlich bin von diesem Gedanken fasziniert. Und da ich ja jetzt in Köln wohne, werde ich sicher hin und wieder in der Advents- und Weihnachtszeit vor dem Schweinetrog in St. Clemens die Gotteskindschaft, die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus betrachten. Das hält mich aber auch nicht davon ab, einige der 95 Weihnachtskrippen auf dem Kölner Krippenweg zu besuchen. Eines schließt ja das Andere nicht aus, sondern ergänzt es. Vielleicht sollte der Schweinetrog sogar in den Krippenweg mit aufgenommen werden?

Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von Frau Konstanze Jarczyk auf der Harfe. "Sie haben einen bedeutenden Vorgänger schon in der Heiligen Schrift, den König David". Mit diesen Worten stellte Pfarrer Christian Weinhag die junge Künstlerin vor. Ob König David die Harfe so gut spielen konnte wie Konstanze Jarczyk, kann ich nicht beurteilen. Dass die junge Musikerin ihr Instrument sehr gut beherrscht und mit ihrer Musik Menschen begeistern und zur Ruhe bringen kann, dessen bin ich mir sicher. Zu Beginn des Advents, zur Eröffnung der Ausstellung unseres Künstler-Mitbruders P. Willi Pfeil und zur Einstimmung auf den Schweinetrog, der auf seine eigene Weise die Weihnachtsgeschichte erzählt, hätte man keinen besseren musikalischen Rahmen setzen können.

Wer den "Schweinetrog" und die vielen anderen interessanten und immer wieder neu zum Nachdenken anregenden Kunstwerke sehen und meditieren möchte, hat dazu Gelegenheit bis zum 06. Januar 2002 in der Kirche St. Clemens am Mühlheimer Rheinufer. Ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass es sich lohnt.

P. Michael Wegner
 
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