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Wachsender Tourismus in Tansania - Neue Aufgabe für Spiritaner
Wo fast die ganze Welt einkehrt!
Der auch in Tansania wachsende Tourismus stellt die Spiritaner in Ostafrika vor ganz neue Aufgaben. Aus dem kleinen Küstenstädtchen Bagamoyo am Indischen Ozean berichtet Pater Johannes Henschel.
Für die ostafrikanischen Spiritaner eine echte Herausforderung, neue Wege in der Touristenpastoral zu finden, und genau dazu haben sie mich von der deutschen Spiritanerprovinz zurückerbeten. Als ich vor kurzem aus den Gästebüchern die Jahresstatistiken für 1997 und 1998 erarbeitete kam ich aus dem Staunen nicht heraus. Bislang hatten Besucher aus Europa die Spitzenposition eingehalten: unter ihnen an erster Stelle immer die Deutschen. Doch inzwischen holen Afrikaner rasant auf. Im vergangenen Jahr kamen 1960 Tansanier in unser Museum, 160 mehr als im Jahr zuvor. Aus Kenia kam 151 Besucher, 77 mehr als im Jahr 1997. Auch aus Burundi, Uganda und Malawi kamen Besucher nach Bagamoyo; in steigenden Zahlen ebenso aus Südafrika, Lesotho, Swasiland, Botswana und Namibia. Sogar westafrikanische Staaten waren vertreten: Kamerun, die Republik Kongo, Gambia, Ghana, die Elfenbeinküste, Sierra Leone und Nigeria. Auch die Zahl der Besucher aus Tunesien, aus Äthiopien, aus Eritrea und aus Somalia hatte zugenommen. Zeichnet sich hier ein wachsender innerafrikanischer Tourismus ab, auf den wir Spiritaner uns vorbereiten müssen? Alle diese Menschen kommen zu uns. Wir brauchen ihnen nicht nachzugehen, wir müssen ihnen nur echt begegnen. Und noch eine weitere Erfahrung verblüffte mich: Immer mehr Schulen schicken Busse mit ganzen Klassen in unser Museum; nicht nur aus Bagamoyo und Dar es Salaam, sondern auch aus weiter entfernten Städten. Hier stellt sich die weitere Frage: Kann das auf ein wachsendes Geschichtsbewußtsein unter den Afrikanern hinweisen? Von diesen Fragen fühlen wir Spiritaner uns herausgefordert und suchen neue Wege in der Touristenpastoral. Im Augenblick tun wir erst kleine tastende Schrittchen und sind aus die Planungsphase noch nicht herausgekommen. Auch die Insel Sansibar besuchen viele Touristen. Mit Bischof Augustinus Shao von Sansibar planen wir einen regelmäßigen Schiffsdienst von Sansibar nach Bagamoyo und umgekehrt. Die Entfernung beträgt nur 20 Seemeilen. Wir möchten Touristen "auf den Weg der Sklaven" mitnehmen. Angefangen in Bagamoyo, wo im vergangenen Jahrhundert Hunderttausende von Sklaven auf arabische Dhows gepfercht wurden, um auf dem zentralen Sklavenmarkt in Sansibar als menschliche Ware feilgeboten zu werden. Auf einer solchen Dhow möchten wir die Überfahrt für Touristen anbieten. Wir können ihnen dann bekannte Sklavenschicksale erzählen.
Das kann ein Weg sein. Einen weiteren Weg versuche ich im Augenblick mit Vertretern unseres Ortsbüros für Geschichte. Wir möchten die Informationen über die Stadtgeschichte durchsichtiger für unsere vielen Besucher gestalten und junge Menschen zu Stadtführern schulen. Dass ich als katholischer Priester hier in dieser vorwiegend moslemischen Stadt in diesem Arbeitskreis mitarbeite, ist sicher nicht nur zum Vorteil unserer Besucher, sondern für Touristen und Einheimische auch ein Zeichen, dass Menschen unterschiedlicher Religionen durchaus auf vielen Gebieten zusammenarbeiten können. Dass zu demonstrieren, war auch eine der Herausforderungen, die wir Spiritaner erspürten. Immer mehr Menschen kehren als Touristen bei uns ein. Ihnen müssen wir begegnen und dafür gute Möglichkeiten schaffen. Der Artikel wurde in der Spiritanerbeilage des Missionsmagazins "kontinente" in der Ausgabe März/April 2001 abgedruckt. (siehe Publikationen)
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