Bericht von Pater Seifert zur Situation in Eirunepe / Brasilien
"Wenn einer alleine träumt" - können Papageien nicht gemeinsam fliegen!

Mein Name ist Pater Joachim Seifert, CSSp. Seit 33 Jahren arbeite ich in Brasilien. Und wie es für einen Spritaner-Missionar üblich ist, immer wieder an anderen Stellen, mit einem anderen Auftrag. Seit 3 Jahren lebe und arbeite ich nun in der Pfarrei St. Francisco in Eirunepe am Fluss Juruá, im Bundesstaat Amazonas, im Nordwesten Brasiliens.



Pater Joachim Seifert
 Der Kapitän und sein Maat.
Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich mit 2 Motorristen und 2 Katecheten auf dem Boot unserer Pfarrei unterwegs, um die Menschen im Landesinnern, in den kleinen Basisgemeinden zu besuchen und ihnen die ihnen nötige und mir mögliche Hilfe anzubieten. Der Fluss Gregório, ist einer unserer größten Nebenflüsse des Juruá. Er schlängelt sich unendlich weit durch den Urwald, seine Ufer sind durchgängig von dichtem Urwald bedeckt und er führt durch eine Region nahezu vollständiger Einsamkeit. Ab und zu sieht man Wohnhäuser, die am Flussufer auf Holzstelzen (Pfähle) gebaut sind. So schützen sich die Bewohner vor dem jährlichen Hochwasser. Diese "Häuser" sieht man einzeln oder in ganzen Siedlungen.


 Häuser auf Pfählen schützen vor dem häufigem
 Hochwasser.
Den oberen Teil des Flusses mit all seinen Nebenarmen, müssen wir wie immer mit unserem Beiboot bewältigen. Je mehr man sich dem Quellgebiet nähert, desto schwieriger werden die Wasserverhältnisse. Aufgrund der jeweils unterschiedlichen Bedingungen, die am Fluss in der Regen- und der Trockenzeit herrschen, kann man nie genau sagen, wann man wo sein wird, ein Terminkalender hilft hier nicht weiter. Es ist schon vorgekommen, dass wir einige Tage auf Wasser warten mussten und deshalb an eine Weiterfahrt nicht zu denken war.
Langweile kennen wir jedoch während unserer Flussfahrten nicht, es gibt immer etwas zu sehen, morgens zum Beispiel kommt es oft vor, dass mit enormem Krach ganze Papageienschwärme von ihren Schlafbäumen fliegen, - einen Wecker brauchen wir hier also nicht - das erledigt Gottes gute Schöpfung.

Bei Hochwasser
 Die Wasserstände der Flüsse bestimmen den Lebens-
 rhythmus der Menschen und die Arbeit des Missionars.
Der Fluss ist für uns die einzige Verkehrsverbindung, um die Leute, die an Flussufern leben, zu besuchen. Sie leben fern ab von jeglicher Zivilisation, oft ohne ärztliche Hilfe oder Schulen. Es kommt nicht selten vor, dass ich auf der Rückfahrt Menschen mitnehme, um sie in ein Krankenhaus zu bringen; sie würden ohne unsere Hilfe sterben.
Einige der hier lebenden Menschen kamen vor Jahren, um Gummimilch zu zapfen. Die Bäume wachsen wild, aber die Gummizapfer müssen weite Strecken zurücklegen, damit sich diese Arbeit wirtschaftlich für sie lohnt. Unter großen Anstrengungen entstanden einige Dorfgemeinschaften, die auch eine Schule und einen "Gesundheitsposten" haben. Für unsere Arbeit bedeutet diese positive Veränderung eine große Hilfe.

Gottesdienst
 Gottesdienst in einer Schule
Nun steht der Bau einer Kapelle an, damit die Leute sich zu gemeinsamen Gottesdiensten treffen können. Die meisten Bewohner sind Analphabeten, deshalb ist es sehr schwierig, Katecheten zu finden, die eine Gemeinschaft leiten können und wenigstens an den Sonntagen mit ihnen einen Wortgottesdienst feiern.
Mit jeder Flussfahrt erfahren wir Neues, oft Trauriges, aber auch Positives. Wir wissen um das Vertrauen, das uns diese Menschen entgegenbringen und tragen daher eine große Verantwortung. Von Ende Mai bis Anfang August 2003 werde ich nach 4 Jahren meinen Heimaturlaub antreten. Danach werde ich versuchen, meine Arbeit mit der Hilfe all meiner Helferinnen und Helfer entlang der Flüsse im Landesinnern neu zu gestalten.

Boot von Pater Seifert
 Nur mit dem Boot kann Pater Seifert seine Gemeinden
 besuchen.
Es fehlt uns nicht an ehrenamtlichen Mitarbeiten, aber an finanziellen Mitteln. Unser Boot ist in einem sehr desolaten Zustand. Die Reparatur lohnt sich nicht mehr, es ist zu alt, es müssten einfach zu viele Teile ausgewechselt werden.
Vielleicht wird es mir hier in Deutschland möglich sein, Mittel für ein neues Boot aufzutreiben. Damit ginge ein gemeinsamer Traum von mir und meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Erfüllung. Da kommt mir doch das Lied in den Sinn, das ich vor vielen Jahren in Deutschland gehört - und mit meiner brummigen Stimme sogar mitgesungen - oder besser mitgebrummt - habe: "Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, dann wird es Wirklichkeit!"

Pater Joachim Seifert, CSSp

Pater Seifert befindet sich seit Ende August 2003 wieder in seiner Wahlheimat Eirunepe in Brasilien, nachfolgend seine Anschrift:

Pe. Joachim Seifert, CSSp
Paroquia Sao Francisco de Assis
Rua Felipe Cunha, 150
69.880 EIRUNEPE - AM- BRASIL
email: joaquim@juruanet.com.br

Spendenkonto:
Missionsprokur der Spiritaner
Deutsche Bank 24
BLZ 370 700 24
Kto 122 72 71

Verwendungszweck: Pater Joachim Seifert
 
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