Dezember 2002
Situationsbericht eines Mitbruders über

Gewaltsame Konflikte
in der Zentralafrikanischen Republik


Eine Vorbemerkung: Gegenwärtig richtet sich die Aufmerksamkeit der Medien fast ausschließlich auf die bedrohliche Lage im Irak. Andere Krisengebiete, in denen Menschen gewaltsamen Auseinandersetzungen zum Opfer fallen, finden in den Medien kaum Beachtung. Ein Beispiel ist die Zentralafrikanische Republik. Von dort berichtet einer unserer Mitbrüder, Pater Bernard Courant, im Dezember 2002 in einem Brief an seine Verwandten und Freunde über die schlimme Lage in der Hauptstadt des Landes, Bangui, und auch im Landesinnern.

Meuternde Soldaten bezogen in der Nähe unserer Kirche Stellung, um von dort die Residenz des Präsidenten zu bombardieren. Zuerst nur vereinzeltes Schießen, dann aber, nach drei Tagen, wurde das Feuer heftiger. Leute aus der Nachbarschaft suchten hinter den Mauern des Pfarrhauses Schutz, und kurz danach dachte ich im Ernst, unsere letzte Stunde habe geschlagen. Wir waren zwischen die Linien der Meuterer und der libyschen Truppen geraten, die zusammen mit Leuten aus der Demokratischen Republik Kongo (dem früheren Zaire) den Präsidenten bewachen.
Es war die reine Vorsehung, dass wir von den Granaten nicht getroffen wurden. Sechs oder sieben Geschosse schlugen auf das Dach. An einer Mauer wurden vier noch intakte Raketen gefunden. In unserer Gegend wurden zwölf Menschen getötet, 24 erlitten Verwundungen und 350 Häuser wurden mehr oder weniger stark beschädigt.

Diesem Feuergefecht folgte eine Welle von Plünderungen, Vergewaltigungen und Geiselnahmen, mit denen die kongolesischen Truppen die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzten. Ein wirklich brutales Wüten an der örtlichen Bevölkerung. Zum Glück gelang es mir, sie vom Eindringen in den Pfarrhausbezirk abzuhalten, wo sich 150 Flüchtlinge, meist Frauen und Kinder, aufhielten, wie auch einige Ordensschwestern aus dem Norden des Landes, die gerade zu Besuch waren.

Schließlich wurden die meuternden Soldaten aus der Stadt vertrieben, doch die Kämpfe gingen danach auf dem Lande weiter, und da traf es die Missionsstationen am härtesten. Im Westen des Landes mussten Priester und Ordensschwestern fliehen. Es kam zu Plünderungen und Autodiebstählen. In Bossangoa (gut 350 km nördlich der Hauptstadt) fanden mehrere sichere Unterkunft, nach einem Fußmarsch von 60 km.

Mittlerweile sind im Land Soldaten der CEQAC (Gemeinschaft der Staaten der Zentralafrikanischen Region), die sich aus Mitgliedern Gabuns und Kameruns zusammensetzt, eingetroffen. Von ihnen erhoffen wir uns eine Beruhigung der kritischen Lage. Wir gehen davon aus, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Meuterer das Feuer nicht auf ihre Kameraden aus Gabun und Kamerun richten werden. Doch angesichts der Lage in der Elfenbeinküste scheint eine schnelle Lösung unserer Probleme nicht in Sicht zu sein.

Die tragischen Ereignisse der letzten Zeit machen deutlich, wie es im Innern eines jeden Menschen aussieht. Einerseits die Kollaboration mit den sog. kongolesischen "Alliierten", die daraufhin die Häuser der Reichen plünderten. Andere wiederum nützen die chaotische Lage aus, um die Hütten der Flüchtlinge auszurauben. Andererseits jedoch gab es vielfach eindrucksvolle Zeichen des Mutes und der Solidarität. Als Beispiel sind zu nennen: die Pfarrei "Unserer lieben Frau von Fatima" (am anderen Ende der Stadt Bangui), die einige hundert Flüchtlinge bei sich aufnahm. Manche Familien gaben 30 und mehr Flüchtlingen Unterkunft und Verpflegung in ihren kleinen Häusern. Verwundete wurden zum Krankenhaus gebracht, was mit einem großen Risiko verbunden war. In einem Stadtteil taten sich junge Leute zusammen und hinderten so die kongolesischen Soldaten am Einmarsch in ihr Wohngebiet.

An Weihnachten gedenken wir, wie das Licht in unsere Finsternis strahlte. Das kommt auch heute noch vor. Nie hatten wir dieses Licht nötiger als jetzt.

Pater Bernard Courant CSSp

Übersetzung: Pater Dieter Kurz CSSp

 
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