Ein beeindruckendes Jubiläumsjahr ging zu Ende
Dreihundert Jahre Spiritaner

Afrikanische Spiritaner zu Pfingsten in Knechtsteden
 Halb Afrika traf sich: Spiritaner aus
 Nigeria, Tansania und Uganda
Dreihundert Jahre ist eine lange Zeit. An Pfingsten 1703 legte eine Gruppe junger Männer in Paris ein Gelöbnis ab. Es war die Geburtsstunde des "Seminars vom Heiligen Geist". Bald hießen die Mitglieder der "Gesellschaft von Heiligen Geist" nur noch "Spiritaner".

Ein junger Jurist, Claude Francois Poullart des Places, war der Gründer der heute weltweit wirkenden Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist. Zielgruppe: Arme, Ausgegrenzte, Randgruppen. Pater Franz Maria Paul Libermann gründete 1841 seine Gemeinschaft vom "Heiligsten Herzen Mariens". Zielgruppe: Arme, Ausgegrenzte, Stimmlose - besonders Afrikaner.
Rom sagte: Geht ihr beide zusammen, ihr habt die gleichen Ziele: "Option für die Armen" würde man heute sagen. 1848 vereinigten sich beide Gemeinschaften. Dass dies der Wille Gottes war, haben die Jahrhunderte bestätigt.

Den Glauben und den missionarischen Auftrag konnten alle kirchlichen und politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Widerstände der vergangen drei Jahrhunderte nicht zerbrechen. 3000 Mitglieder in 61 Ländern zählt die Missionsgesellschaft im Jubiläumsjahr 2003. Eine Ausstellung im Kreuzgang von Knechtsteden "Spiritaner gestern und heute" führt durch die 300 Jahre und zeigt den Wechsel der Nord-Süd-Mission hin zur Gründung junger Kirchen an. Diese jungen Kirchen tragen die Mission bereits über ihre Grenzen hinaus. Die große Vision von Pater Libermann erfüllt sich "Afrika durch Afrikaner".

Chinesische Schwestern beim Pfingstfest in Knechtsteden
 Die ersten Spiritaner gingen mit den Jesuiten 1727 nach
 Asien. Chinesische Schwestern beim Fest.
So ist eine ganze Ordensgeschichte entstanden. Und die beiden Gründergestalten wurden erneut Gegenwart. Zum Fest am Pfingstsonntag strömten hunderte Menschen zusammen und füllten die Basilika bis auf den letzten Platz. Knechtsteden hat viele Freunde, die mitfeiern wollten. Im Ostchor gaben die Großaufnahmen von Poullart des Places und Franz Maria Paul Libermann den Grund dieser Feier an: die Gründung vor 300 Jahren "In der Kraft des Geistes"

Der afrikanische Chor "Kinduku" gestaltete die Messe mit Gesängen aus Ghana. Pater Provinzial Marzinkowski konnte liebe Gäste aus anderen Ordensgemeinschaften, Vertreter der politischen Gemeinde, Mitbrüder und Mitschwestern aus Brasilien, China, Afrika und der Schweiz, Spiritaner aus dem Süden und Norden Deutschlands, Laienspiritaner und Missionare auf Zeit begrüßen. Die vielen Farben und Sprachen ließen an den Pfingstbericht aus der Apostelgeschichte denken. Und alle verstanden sich in der Freude des Heiligen Geistes. Der Gottesdienst endete mit der Handauflegung der einzelnen Priester: "Empfangt den Heiligen Geist!" Danach weitete sich das Fest über ganz Knechtsteden aus. Im Innenhof zwischen Libermann-Haus und Küche kam auch der Leib zu seinem Recht. Nudeln und Gulasch waren gefragt, aber ein Eis kam gegen die Hitze und Schwüle des Mittags nicht an.

Pfingstvigil im Brunnenhof des Kreuzganges.
 Pfingstvigil im Brunnenhof des Kreuzganges.
 Wasser und Geist sind Zeichen des Lebens.
Einige Symbole, Verstehenshilfen für den heiligen Geist, waren in diesen festlichen Tagen schon öfter bedacht und meditiert worden: Wasser - Bewegung - Feuer - Zeugnis. Ein Zeichen fehlte noch: der Sturm. Und der kam plötzlich und unerwartet mit aller Macht. Im Nu war alles weggefegt: Gäste und Servierten, Zelte und Plakate. In einer neuen Variante fanden Fest und Freude ihren Ausdruck im Treppenhaus und Pilgersaal.

Pater Albert Claus, CSSp


Pfingsten 2003. Basilika in Knechtsteden
 
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