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Fiahavanana - alles wird gut
oder: Leben einmal anders Pater Ante Šiško, der in einem Zentrum für Kinder und Jugendliche auf Madagaskar arbeitet, wurde von Thomas Jutz besucht. Beide haben sich in Ottobeuren kennengelernt, als Ante im Jahr 2000 dort als Kaplan tätig war. Thomas Jutz hat über seine Eindrücke auf Madagaskar einen lebendigen Bericht geschrieben. Er schildert eindrucksvoll die Lebensumstände auf Madagaskar, insbesondere der Straßenkinder, und stellt dar, welche Perspektive die Spiritaner durch ihre Arbeit den Kindern und Jugendlichen geben können. Tonga Soa! ruft mir Pater Ante am Flughafen entgegen. Tonga Soa, willkommen in einer anderen Welt, ziemlich am Ende der Welt: In Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar. Ich besuche P. Ante Šiško CSSp, der im Jahr 2000 Kaplan in Ottobeuren war. Nun ist er mit zwei Mitbrüdern der Spiritaner in Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar tätig. Also nutze ich die Gelegenheit und mache nach meinem Studium den üblichen Abenteuerurlaub, genieße den Südsommer an langen weißen Stränden oder im Regenwald, während es in Deutschland regnet? Naja, Urlaub würde ich eher woanders machen. Andavamamba, ein Ortsteil von Antananarivo, ist ein Elendsviertel.
Leben mit den Kindern in einem Slum
Die Tatsache, dass ich ein Vazaha, ein Weißer, bin, macht mich schnell bei den Kindern bekannt. Sie drängeln sich heran, jeder will begrüßt werden, hochgehoben werden und ein paar Worte quatschen. Jeder will angelacht werden, damit er - verlegen oder frech - zurücklachen kann. Und das ist schon eine wichtige Aufgabe für mich: Einfach Aufmerksamkeit schenken, Kindern, die so etwas zu Hause kaum erfahren können, weil ihre Familie zu arm ist. Und das Knuddel-Bedürfnis ist hoch. Wer die Freude der Kinder erlebt, wird zwangsläufig versuchen, floh-resistent und schmutz-tolerant zu werden, um dem Kontakt nicht auszuweichen. Die Ordensleute organisieren das Centre und müssen auch die 40 dauerhaften Bewohner irgendwie bändigen. Da gibt es z.B. die "Energie Boys", die mit einem herrlichen Plagiat monatelang in den madagassischen Top 10 waren und nun eine Menge minderjähriger weiblicher Fans ins Centre locken! (Manches ist wohl auf der ganzen Welt ähnlich…)
Vielleicht gibt es deshalb heute zwei Bananen für mich. Trotz gestenreicher Kommunikationsversuche verstehe ich die Jungs nicht - sie sprechen Malagache und wenig Französisch, und ich wenig von beidem. Ich überlege kurz, ob ich die zweite Banane vielleicht später essen soll…? Nein, es findet sich schnell ein dankender Esser. Er schält sie, bricht sie in zwei Teile und reicht eines ungefragt seinem Nachbarn. TEILEN, mit Leben erfüllt. Das sind Momente, wo ich nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll.
Während ich dies schreibe, beginnt es zu regnen. Nach dem heißen Tag und der Luft voller Abgase und Staub scheint mir das eine Wohltat zu sein. Aber es regnet tropisch. Doch der einzige, der kritisch aus dem Fenster des Speisesaals die Lage peilt, ist der Europäer. Die Madagassen laufen in ihren Badeschlappen quer durch die Pfütze, werfen ihre nassen Klamotten ab und machen es sich vor dem Fernseher gemütlich. Und ich verstehe, dass das Centre für die meisten der Jungs wie das Hilton ist. Auch wenn ich bei Regen einen Eimer in meinem Zimmer aufstellen muß: Mit eigenem Zimmer, Bett und Schrank, einer gemauerten Dusche und Waschtrog, wohne ich schon im Schloß Neuschwanstein. Madagaskar ist ganz einfach - wunderschön Warum ich nicht nur auf die soziale Tätigkeit, sondern ausgerechnet auch auf Madagaskar neugierig war? Eine französische Austauschstudentin, die in Madagaskar zu Hause ist, hatte uns Studenten zum Abschied ein paar Fotos gesendet, um uns ihre Insel vorzustellen. Wir erblassten vor Neid. Das GEO-Magazin preist Madagaskar als Kreuzung zwischen Afrika und Asien, eine Insel mit vielen Überraschungen: Grandiose Natur, faszinierende Bevölkerung und reiche Traditionen. Hier gibt es Mangrovensümpfe, Traumstrände und beste Tauchgründe auf vorgelagerten Inseln, Reisfelder im Hochland und dichter Berg-Regenwald im Osten. Die Nationalparks beherbergen zahllose endemische Pflanzen und Tierarten, z.B. Chamäleons, Lemuren (Halbaffen) und riesige Schmetterlinge. Vieles ist noch gar nicht erforscht - so wurden im Jahr 2000 drei neue Primaten-Arten entdeckt, die nur in Madagaskar vorkommen! Und das Reisen auf hunderten Kilometer roter Staubpisten, die während der Regenzeit oft unpassierbar werden, sei, so das GEO, immer noch für ein Abenteuer gut! Wer dann noch die Autos sieht, von denen ein großer Teil wohl kurz nach dem zweiten Weltkrieg hiergekommen ist, kann sich gut vorstellen, wie man für 150 km locker mal 5 Stunden braucht… oder mehr. Und trotzdem, manchmal können mich die Schönheiten und Besonderheiten nicht über die grausame Armut hinwegtrösten. Jedes Mal, wenn die Portion Reis und Bohnen zu viel für mich war, sehe ich den Hunger, mit dem sich die Jungs über den Rest her machen.
Die spontane Lebensfreude, das Lächeln, das man stets zurückbekommt, das ehrliche Glück der Kleinen, wenn der Vazaha Engeleinflieg mit ihnen spielt oder ein paar Worte Malagache spricht, das ist das überwältigend Positive dieses Landes, und das wird mir sicher in Erinnerung bleiben. Ich brauche keine Sehenswürdigkeiten, keine einzigartigen Tiere bestaunen, ich habe das Schönste gesehen und das Beste gelernt. Thomas Jutz |
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Wenn Sie die Arbeit der Spiritaner in Madagaskar mit einer Spende unterstützen wollen, wenden Sie sich bitte an die Missionsprokur Knechtsteden 41540 Dormagen Dt. Bank 24 BLZ 370 700 24 Kto 122 72 71 Verwendungszweck: P. Ante Sisko / Madagaskar |
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