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Leben und Werk Pater Libermanns
Vortrag von Pater Bruno Trächtler
anlässlich des 150. Todestages von Pater Libermann am 2. Februar 2002
In wenigen Worten das Leben dieses bedeutenden Mannes. Und es ist ein eigenartiges Leben: In großen Zügen könnte man es in drei große Teile unterteilen: die ersten zwanzig Jahre war er Jude, dann kommen zwanzig Jahre der Suche, des Unterwegsseins, des Wartens, des Reifens, und dann 10 Jahre eines unglaublich intensiven und fruchtbaren Schaffens. Von den ersten 20 Jahren weiß die Chronik auch nur sehr wenig zu berichten; dass seine Mutter, als er erst 11 Jahre alt war, stirbt, dass das Elternhaus eher traurig war, dass er ein eifriger Schüler war und sehr bald die Thora (Bibel) auswendig kennt, dass er mit 13 Jahren seine Bar Mitzwa macht, das heißt, er wird in der Synagoge eingeladen, öffentlich aus der Schrift vorzulesen und wird somit erwachsenes Mitglied des jüdischen Volkes. Mit 20 verlässt er das Elternhaus um an der Universität in Metz seine talmudischen Studien zu vollenden.
da ist zunächst die Schwierigkeit der Ablösung von seiner Volks- und Religionszugehörigkeit, was mit viel seelischer Qual verbunden ist. Nach der Taufe wird ihn sein Vater verdammen und für tot erklären. Nur daran kann man ersehen, welchen Weg Libermann gegangen ist. Dann will er Priester werden und am Abend vor der Subdiakonatsweihe wird er von der Epilepsie befallen, damals noch eine unheilbare Krankheit und deswegen ein Weihehindernis. Er kann seinen Weg nicht weitergehen! Aber, er will keinen anderen Beruf ergreifen. Zunächst bleibt er im Seminar, dann wird er in einem anderen Seminar aufgenommen als Laufbursche und Botengänger und Hilfsarbeiter. Ab und an erleidet er einen epileptischen Anfall. Was das für den nun schon 30 jährigen bedeutet? 1837 wird er von einem kleinen Orden, den Eudisten, eingeladen, Novizenmeister zu werden. (Im Seminar war er für viele Seminaristen geistlicher Begleiter geworden, was ihm einen guten Ruf verschafft hat.) Doch auch hier erleidet er noch einen schweren Anfall im Beisein der Novizen. Es ist die Zeit der Sklavenbefreiung und Libermann wird von der Idee befallen, sich ganz in den Dienst dieser Menschen zustellen. Kontakte mit Seminaristen aus den Kolonien, einer davon ist Mulatte, und besonders mit einem Priester aus Paris, der sich ganz der Bewegung der Sklavenbefreiung verschreibt, bewegen ihn dazu, eine Gesellschaft zu gründen, die mit den schwarzen Menschen arbeitet. Die Idee nimmt Gestalt an und Ende 1839 verlässt er das Noviziat und seine Arbeit um nach Rom zu gehen und dort um die Erlaubnis zu bitten, einen Missionsorden gründen zu dürfen. Ein ganzes Jahr bleibt er in Rom, wartet auf eine Antwort. Die Antwort ist positiv, doch muss Priester sein. (Er und benützt die Zeit um eine Ordensregel zu schreiben, die zu einer der bedeutendsten Ordensregeln der Neuzeit werden sollte.) Dann begegnet er dem Bischof von Straßburg der sich bereit erklärt, ihn zu weihen. (Seit 3 Jahren hatte er keinen Anfall mehr erlitten). Anfang 1841 verlässt er Rom und fährt nach Straßburg wo er in das Seminar entritt und zum Subdiakon und Diakon geweiht wird. Zum Priester geweiht wird er in Amiens am 18. September 1841. Und am 25. September feiert er die erste Messe der Gemeinschaft vom Heiligsten Herzen Mariens (in Notre Dames des Victoires in Paris.). Am 27. September eröffnet er das erste Noviziat der Gemeinschaft in La Neuville. Den dritten Lebensabschnitt zu berichten bräuchte es viel Zeit, denn er ist noch abenteuerlicher als der zweite und ist geprägt vom außerordentlichen Organisationstalent. Dazu kommt noch eine seltene strategische Fähigkeit: er führt die schwierigsten Verhandlungen sowohl mit der römischen Kurie wie mit der französischen Regierung, von deren kolonialem Verwaltungsapparat er abhängig ist. Es geht um die Länder, in die er seine Missionare entsenden kann. Da ist die Arbeit mit der Ordensgründung; die Einrichtung und Leitung des ersten Noviziates; dann entsendet er Missionare; die erste Gruppe von Missionaren, die er nach Afrika entsendet stirbt innerhalb von kurzer Zeit; der gesellschaftliche Umbruch ist sehr stark, der in der Revolution von 1848 seinen Ausdruck findet. Und dann die Vereinigung mit der Kongregation vom Hl Geist, die bei seinen Mitbrüdern nicht nur Zustimmung findet. Und bei all dieser Arbeit leidet er ständig unter starken Kopfschmerzen. Seine Gemeinschaft wächst sehr schnell, doch hat er nicht genügend Gebiete, um alle Mitbrüder unterzubringen. Bei den Bemühungen um neue Betätigungsfelder wird ihm vorgeschlagen, sich mit der Congregation vom Hl Geist zusammen zutun, die viele Gebiete, aber wenig Leute haben. So kommt es zur Vereinigung der beiden Ordensgemeinschaften im Jahr 1848. Was zeichnet dieses Leben aus? Wie kann Libermann diesen Weg gehen? Was trägt ihn? Ich möchte Ihnen meine persönliche Antwort geben, andere Spiritaner werden eine andere Antwort haben. Libermann ist die ersten zwanzig Jahre seines Lebens Jude, wird in den jüdischen Glauben hineingeboren und in ihm erzogen. Er kennt den Gott der Väter, der immer bei seinem Volke ist und es immer wieder aus der Not und dem Elend herausführt. Mit diesem Gott lebt er in einem sehr innigen und tiefen Verhältnis. Für mich ist die Hinwendung zum Christentum und die Taufe keine eigentliche Bekehrung; es ist eher die Vollendung, denn er erkennt in Jesus Christus den angesagten und versprochenen Messias und erfährt ihn bei seiner Taufe ganz konkret als seinen Erlöser. Das erfüllt ihn mit einer tiefen Freude und der (ich möchte sagen: mit der jüdisch absoluten) Gewissheit, zu ihm zu gehören. Er weiß sich zum neuen Volk zugehörig, erfährt diesen seinen Gott, in der Erfahrung Jesu, als seinen eigenen Vater, erfährt von seine Liebe. Für mich ist es diese Erfahrung, die ihn in seinem Leben letztlich trägt, auch und gerade dann, wenn es um ihn nacht ist, wenn er nichts mehr sieht und nichts mehr spürt. Durch diese durchgetragene Erfahrung kann er am Ende seines Lebens formulieren: das entscheidende ist die "union pratique", die in den täglich kleinen Dingen gelebte innere Einheit mit Gott. P. Bruno Trächtler |
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