Am 23. Oktober 2004 verstarb in Bethelpark, Pittsburgh, USA, Pater Heinrich Lemmens.
Pater Lemmens wurde am 17. Mai 1907 als zweites von vier Kindern der Eheleute Reiner Josef Hubert Lemmens, Tischler für Geschäfts- und Schaufenstereinrichtungen, und seiner Frau Anna Maria, geb. Haring geboren.
Nach dem Besuch der Volksschule in Aachen gaben die Eltern ihrem Sohn 1919 die Erlaubnis, sich den Wunsch Missionar zu werden, zu erfüllen. Der damals elfjährige Heinrich entschied sich für die Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist und besuchte deren Schulen in Broich und Knechtsteden.
Während dieser Zeit wuchs die Berufung zum Priesterleben und in der Zeit des Noviziates zog Heinrich Lemmens -wie er selber berichtet- den alten Menschen aus und den neuen Menschen an. So war dann auch der Tag der Priesterweihe, der 8. April 1934, ein wahrer Festtag im Leben von Pater Lemmens. Doch eine Knieverletzung verhinderte, dass sein Wunsch als Missionar in Übersee zu arbeiten Wirklichkeit wurde. Anstelle einer Bestimmung für die Mission erhielt Pater Lemmens 1935 den Auftrag, die Seminaristen und Spätberufenen in Speyer zu unterrichten.
Erst als auf Grund der politischen Entwicklung in Deutschland das Konvikt in Speyer geschlossen werden musste, erhielt Pater Lemmens doch noch die Erlaubnis in die Mission auszureisen.
Mit dem Schiff fuhr er am 24. April 1939 von Rotterdam nach Nigeria, seinem neuen Arbeitsfeld. Die Oberen der Präfektur Benue sandten den Neuling auf die Station Korinya. Doch dort konnte Pater Lemmens seinen Lebenstraum nur eine kurze Zeit leben. Der Zweite Weltkrieg machte ihn für die englische Kolonialverwaltung in Nigeria zum „feindlichen Fremden“. Wie die anderen deutschen Spiri-tanermissionare wurde er zunächst in Nigeria interniert und 1940 dann in ein Lager in Kingston auf der Insel Jamaika gebracht. Unter den 700 Internierten in dem Lager, zumeist Italienern und deutsche Marinesoldaten, fand Pater Lemmens schnell eine neue Aufgabe. Er unterrichtete wieder einmal. Denn die meisten der Inhaftierten waren - wie damals seine Schützlinge in Speyer - beinahe noch Kinder.
Nach neun Jahren durften Pater Lemmens und einige seiner Mitbrüder nach langen Verhandlungen der amerikanischen Spiritanerprovinz mit der englischen und amerikanischen Regierung in die USA einwandern.
Obwohl er nun wieder ein freier Mensch war, rückte der Traum des gebürtigen Aacheners als Missionar in Afrika oder Südamerika zu arbeiten, wieder einmal in weite Ferne. Denn in Amerika angekommen entsandte ihn der Obere der Provinz nicht in die Mission, sondern als Dozent an die spiritanereigene Duquesne-Universität in den USA. Das hieß für den inzwischen 40-jährigen jedoch zunächst einmal selber wieder die Schulbank zu drücken, um die Lehrerlaubnis für Philosophie zu erhalten.
Erst als er mit 70 Jahren von seiner Lehrtätigkeit an der Universität wieder entpflichtet wurde, konnte er seinen Traum als Missionar - jetzt in Puerto Rico - zu arbeiten noch einmal verwirklichen.
Doch auch dieses Mal fand dieser Traum ein vorzeitiges und jähes Ende. Das Augenlicht des sonst so rüstigen Mannes ließ so schnell nach, dass er innerhalb kurzer Zeit erblindete. Seinen Lebensabend verbrachte Pater Lemmens daher in Sarasota/ Florida. Seine Blindheit hatte ihn die Beziehung zu und das Interesse an allem, was in seiner Umgebung passierte, nie verlieren lassen und ihn mit dem inneren Auge sehend gemacht.
In Sarasota hielt sich der „Ruheständler“ mit langen Spaziergängen, Schwimmen und Schattenboxen auch körperlich in Form. Lebenslustig und geistig rege bis ins hohe Alter war er immer bereit dazu zu lernen.
Eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes machte schließlich noch einem Umzug notwendig, dieses mal nach Pittsburgh, wo Pater Lemmens verstarb. Er wurde am 28. Oktober auf dem St. Mary Cemetry, dem Friedhof der Spiritaner in Pittsburgh, beigesetzt.
Belinda Peters
Lesen Sie auch den Artikel über Pater Lemmens, der anläßlich seines seines 70jährigen Priesterjubiläums verfasst wurde....