Exequien und die Beerdigung finden am 16. März 2006 um 14.00 h in Knechtsteden/ Dormagen statt.
Unser Mitbruder P. Bernhard Hanisch wurde am 19. Juni 1929 als sechstes von acht Kindern der Eheleute Franz und Anna, geborene Langer in Bad Ziegenhals in Oberschlesien geboren.
Er sprach immer gerne von seiner Heimat, die er liebte, und hat bis zuletzt die Vertreibung nicht verwinden können, deren genaues Datum, den 9. Juni 1946, er nicht vergessen hat.
Es folgte eine ruhelose Zeit über Niedersachsen und Oldenburg, bis seine Familie im badischen Kippenheim, nördlich von Freiburg eine zweite Heimat fand.
Weil er Gefallen fand am Missionsberuf, bat er bei den Spiritanern um Aufnahme als Bruderpostulant, doch wechselte er bald zu den Spätberufenen nach Broich, von wo er in drei Jahren den Sprung in die Oberstufe in Menden schaffte. Nach dem Abitur und dem Noviziat in Heimbach machte er seine philosophischen und theologischen Studien in Knechtsteden. Am 1. Mai 1963 wurde er in Knechtsteden zum Priester geweiht.
Entsprechend seinem Wunsch ging er ein Jahr später nach Brasilien, wo er zunächst in einer Landpfarrei im Südstaat Santa Catarina, in Alfredo Wagner, eingesetzt wurde. Hier fand er, besonders in den kargen Außenstationen, zu denen er vielfach nur mit dem Pferd oder dem Esel unterwegs war, und wo es kein elektrisches Licht gab, noch die "romantische Seite der Mission", wie er im Nachhinein gerne sagte.
Nach drei Jahren holte man ihn in das kleine Seminar nach Salete, wo er Unterricht gab und im Internat als Konrektor seinen Dienst tat. Allerdings wäre er lieber in der Seelsorge geblieben, und so folgte er 1977, nach 10 Jahren im kleinen Seminar, sehr gerne dem Ruf der Oberen, die ihn in die Flussmission im Amazonasgebiet "Alto Juruá" entsandten.
Begeistert schreibt er von der Desobriga, der Seelsorgsreise auf dem Fluss, die ihn in den tiefsten Urwald führte. Doch schon nach drei Jahren holte man ihn in den Süden des Landes zurück, wo er wieder in der Seelsorge gebraucht wurde. Das alles ging nicht spurlos an ihm vorüber: Im Sommer 1998 erlitt er in Sao Paulo einen leichten Schlaganfall, was zunächst nicht bemerkt wurde. Er wurde nach Deutschland geschickt, wo er wohl infolge des Schlaganfalls in Speyer in ein fahrendes Auto lief und schwer verletzt blieb. Es sollten noch weitere kleinere Anfälle folgen, die ihn zum Pflegefall werden ließen. So fand er in Knechtsteden auf der Pflegestation "sein endgültiges Zuhause", wie er selbst schreibt.
Gerne saß er an der kleinen Voliere, schaute den Vögeln zu und spielte ihnen auf seiner Mundharmonika alle Volks- und Wanderlieder, die er selbst immer gerne gesungen hat.
Hellwach ging er bis zuletzt auf jedes zugeworfene Wort ein und ließ mit lustigen Bemerkungen seinen Schalk aufblitzen. Oft war er der erste, der auf Besucher zuging, und groß war seine Freude, wenn er etwa Brasilianer entdeckte, die er in fließendem Portugiesisch ansprach.
Wer ihn in seinen frühen Jahren kannte, wusste welch hervorragender Turner und Sportler er war. Lange hielt der den Schulrekord über 100 m, und an den Geräten hätte er in jedem Turnverein mitmachen können. So ist es nicht verwunderlich, dass er seine Behinderung nur schwer annehmen konnte, und dass er manchmal ungeduldig wurde. Fleißig machte er seine Übungen, den Fahrstuhl benutzte er eigentlich nie, denn er wollte wieder richtig gehen können. Das sollte ihm leider nicht beschieden sein.
Am 8. März erlitt er einen schweren Herzinfarkt, dessen Folgen er am 2. Fastensonntag, dem 12. März 2006 gegen Mittag im Krankenhaus in Hackenbroich erlag.
Wir seine Mitbrüder halten sein Andenken in Ehren und beten für ihn.
Pater Bruno Trächtler, CSSp