Ein Wechselbad der Eindrücke

Aus der Neuen Kirchenzeitung Nr. 19 vom 11.05.2008 Seite 14 -Autor: Emeka Nzeadibe


Rostock. Wenn zwei Welten, die sonst wenig miteinander zu tun haben, einander begegnen, kann sich etwas zum Guten bewegen. Eine solche Begegnung gab es im Rahmen der Firmvorbereitung der Christusgemeinde Rostock. 41 Firmanden machten sich auf den Weg ins Altenpflegeheim St. Franziskus und brachten sich in zwei Praktika ein. Ziel des Projekts war es, den Firmanden einen Einblick in die Lebensverhältnisse im Altenpflegeheim zu vermitteln und so Verständnis und Respekt zwischen den Generationen zu schaffen.

Ganz aktiv und unbefangen gingen die Jugendlichen auf die Senioren zu. Die Senioren ihrerseits freuten sich, dass so viele Jugendliche mehrere Stunden mit ihnen verbrachten. Sie konnten den Jugendlichen etwas für ihren Lebensweg mitgeben. Und sie erfuhren dabei, dass sie trotz Krankheit und Gebrechlichkeit gebraucht und geachtet werden. Während ihrer Besuche konnte es im Altenpflegeheim von Einsamkeit nicht die Rede sein. Die Jugendlichen erlebten, wie man mit einfachen Mitteln viel Freude machen kann. Erfahrungen zwischen "lustig" und "traurig" Maria Stüwe berichtet: "Nach einer kurzen Begrüßung führte uns die Pflegedienstleiterin Brigitte Bunke im ganzen Haus herum. Wir gingen zuerst in den dritten Stock, wo viele der Pflegebedürftigen an Altersdemenz leiden. Der Aufenthalt dort war einerseits sehr lustig, da alles in Bewegung war, andererseits fühlte ich Trauer. Ich war traurig darüber, dass die Demenzkranken niemanden mehr erkennen können, der ihnen vielleicht einmal sehr nahe stand." Niklas Kolukisaoglu hatte seine eigene Vorstellung von Altenheimen mitgebracht: "Meine Vorstellung von Altenheimen war meistens entweder ein altes umgebautes Gutshaus mitten in der Pampa oder eine Baracke irgendwo in der Stadt mit schlechter Abgasluft, die ohne Probleme in der Lage wäre, die Sterberate sofort zu erhöhen. Meine Vorstellungen lösten sich in Luft auf, als ich das Pflegeheim von außen und erst recht von innen sah. Selbst für mich, der bestimmt 60 Jahre zu jung für so ein Heim ist, war es richtig gemütlich." Gemütlich? Ja, auch das war einer der vielen, oft widersprüchlichen Eindrücke, die die jungen Besucher in der fremden Welt des Altenheims gewannen.

Was wird aus meiner Mutter oder meinem Vater? Bei dieser Erfahrung blieben die meisten der Firmanden nicht stehen. "Ich fand das alles amüsant", erzählt Johanna Klar, "aber wenn ich darüber nachdenke, wie sich die Angehörigen möglicherweise fühlen, wenn sie bei ihren Besuchen im Altenheim sehen, was aus ihrer Mutter oder ihrem Vater geworden war, finde ich das gar nicht mehr so witzig. Es macht mich jetzt eher betroffen". Nicht alle Bewohner des Franziskusheims sind aber von Demenz betroffen. Einige "waren geistig richtig gut drauf", so dass man sich sehr gut mit ihnen unterhalten konnte. "Ich habe dadurch interessante Sachen aus der vergangenen Zeit erfahren. Es war auch schön zu sehen, wie sehr sich die alten Menschen über unseren Besuch gefreut haben. Sie sind alle gekommen und wollten uns etwas zeigen oder sich mit uns unterhalten. Wir waren sicherlich eine willkommene Abwechslung in ihrem Heimalltag. Ich stelle mir das alltägliche Leben im Heim für die Angestellten sehr anstrengend vor. Besonders die seelische Belastung macht ihnen sicher zu schaffen," so Michaela Freitag. Am Ende der Praktika ist für Johanna Klar ein Bild im Gedächtnis geblieben. Es waren zwei ältere Frauen, die ans Bett gefesselt zusammen in einem Zimmer lagen und sich nicht rührten. Die eine, am Fenster liegend, stöhnte immer wieder und musste, so die Pflegedienstleiterin, künstlich ernährt werden. Die andere konnte zwar noch essen und trinken, verließ aber, wie ihre Mitbewohnerin, nie ihr Bett. "Als ich diese Frauen sah", erzählt Johanna, "wusste ich erst, wie gut es mir geht."
Emeka Nzeadibe CSSp.



  Pater Emeka Nzeadibe mit seinen Firmanden, die sich auf den Weg ins Altenpflegeheim St. Franziskus machten und
  sich in zwei Praktika einbrachten.
 
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