Unser Mitbruder Gottlieb wurde am 21 Januar 1937 als drittes Kind des Maschinensetzers Franz Brüstle und dessen Ehefrau Luise in Karlsruhe geboren. Obwohl er als Kind häufig krank war, konnte er 1946 im Konvikt St Heinrich in Donaueschingen aufgenommen werden. Hier machte er 1957 sein Abitur und legte nach dem Noviziat in Heimbach am 15. April 1958 die ersten Gelübde ab. Anschließend studierte er Philosophie und Theologie in Knechtsteden, wo er am. 1. Mai 1963 zum Priester geweiht wurde. Nach seiner apostolischen Weihe im Frühjahr 1964 fand er seine erste Arbeit zunächst im Konvikt St. Heinrich, in Donaueschingen als Präfekt, Ökonom und später auch als Superior.
Erst 1980 ging sein Wunsch in Erfüllung: er wurde für die missionarische Arbeit in Kamerun freigestellt. Dort hat er auf zwei Stationen in Minta und in Zoetele seinen Dienst getan. Wollte man Gottieb Brüstle kurz charakterisieren, so könnte man es tun mit dem Begriff des Schachspielers. Er hat sehr gerne Schach gespielt und hat es auch zu meisterlicher Fähigkeit gebracht.
Langes Nachdenken, genaues Vorausplanen der Dinge, Probleme auf einfache Gedankengänge zurückführen, manchmal zögerlich in den Entscheidungen, wenn zu viel Unsicherheiten da waren, wenn aber entschieden dann am Ball bleiben und die Dinge konseguent durchziehen; das hat er in seinem Leben immer durchgehalten, ob in Donaueschingen oder in der afrikanischen Pastoral. Was er tat, das tat er ganz, und immer galt sein Blick den Menschen. Er konnte lange diskutieren, konnte Grundsätze hochhalten und seine Gesprächspartner fast zur Verzweiflung bringen: wenn es aber darauf ankam, dann sah er den Menschen und versuchte ihm die frohmachende Erlösung vom liebenden Gott aufzuzeigen.

Zur klaren und manchmal sehr nüchternen Rationalität kam ein verschmitzter und oft hintergründiger Humor. Das Lächeln wich selten von seinen Lippen. Zu einem Scherz war er immer bereit, den er auch in manchen Diskussionen urplötzlich einfließen lassen konnte. Es war wohl diese Veranlagung, die ihm letztlich seine plötzliche Erkrankung und den schweren Leidensweg bewältigen half.
Im Juni 2000 kam er nach Deutschland, weil ihn die Magenschmerzen nicht mehr arbeiten ließen und in Kamerun keine Hilfe möglich war. Er wollte sich schnell kurieren lassen, um bald wieder in Zoetele zu sein. "Die Menschen warten und der Mitbruder schafft die Arbeit nicht alleine", war seine klare Antwort.
Ob er die Tragweite seiner Krankheit ahnte oder war es seine Verwurzelung im Glauben und die Kraft des Sakramentes, die er suchte? Am Tag, bevor er zur Operation ins Krankenhaus ging, ließ er sich während der Eucharistiefeier in der Kommunität Knechtsteden die Krankensalbung geben. Ein bewegendes Zeugnis für alle.
Froh erzählte er allen, nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus. daß die Operation gut verlaufen und er geheilt sei. Bald ginge es zurück nach Zoetele. Zuerst hatte er den Monat Dezember als Rückreisetermin ins Auge gefaßt, um an Weihnachten wieder in der Gemeinde zu sein; dann sprach er von der Rückkehr irgendwann im Frühjahr. Und dann, als die Schmerzen nicht nachließen und Kamerun nicht mehr in Frage kam, dachte er darüber nach, wo er in Deutschland noch etwas sinnvolles tun könnte. Schon gezeichnet vom Tod half er noch bei Gottesdiensten und im Beichtstuhl. Schließlich sagte er Ja zu seinem Tod. In der Oktav der Auferstehung des Herrn, am 20. April 2001 rief ihn der Herr zu sich.
Wir, seine Mitbrüder, Verwandten und Freunde halten sein Andenken in Ehren und beten für ihn.