Mitteilung

Am 5. November 2001 verstarb Br. Hermann-Josef Stickelmann CSSp.

Wir gedenken
in Dankbarkeit und Liebe
unsres Mitbruders


      Geboren wurde Br. Hermann-Josef am 19.09.1906 in Brand bei Aachen. Nach dem Besuch der Volkschule äußerte Br. Hermann-Josef den Wunsch, Priester zu werden und studierte in Broich und Knechtsteden.
      Er hatte einen unglücklichen Unfall, so dass er das Studium im Jahre 1924 aufgeben musste. Da er aber Missionar werden wollte, trat er in Knechtsteden in das Brüderpostulat ein mit dem Wunsch, später als Bruder-Missionar in Afrika oder Brasilien zu arbeiten. Er erlernte das Maurerhandwerk.
      Nach der Profess im Jahre 1926 arbeitete er als Maurer in unseren Häusern in Speyer, Menden, Broich und Knechtsteden. Sogar in unserem damaligen Mutterhaus in Paris brauchte man sein Fachkönnen.
      Im Januar 1936 durfte er dann in unsere Mission am Oberen Jurua/Amazonasgebiet (Brasilien) ausreisen. Er war einer der ersten Pioniere, die ihren Fuß auf Neuland setzten und was hätte man ohne den tüchtigen Maurermeister Hermann-Josef getan. In allen Pfarreien unseres Missionsgebietes hat er die ersten Kirchen, Schulen, Pfarrhäuser und Schwesternkonvente gebaut. Er arbeitete unter den Bischöfen Ritter, Hascher und Rüth. Die Krönung seiner Facharbeit ist ohne Zweifel der Bau der Kathedrale in Cruzeiro do Sul, die er zusammen mit seinem Zimmermannkollegen Br. Eulogius Braun errichtete.
      Wer heute in Cruzeiro do Sul oder sonst in einer Pfarrei mit einer Maurerkelle umgehen kann, kann das, weil es einmal den Diözesanbaumeister Br. Hermann-Josef gab.
      Wenn er auch so wirklich ein erfülltes Leben hatte und volle Anerkennung bei den Mitbrüdern und der Bevölkerung besaß, hatte Br. Hermann-Josef Probleme. Es war nicht immer leicht, mit ihm umzugehen. Im Grund war es wohl ein gewisser Frust, der an ihm zehrte. Er wollte ja ursprünglich Priester werden. Viele Kopfschmerzen, Folgen des Unfalls, den er als Schüler hatte, hatten ihm diesen sehnsüchtigen Wunsch zunichte gemacht. Daran trug er viele Jahre, vielleicht sein Leben lang. Nach außen hin zeigte er es nicht. Er war ein tüchtiger Handwerker, machte sich aber auch sonst überall nützlich in Haus und Kirche, aber wer ihn näher kannte, spürte, dass seine Kompetenz im Baugewerbe für ihn ein Ersatz war für eine andere Art Baugewerbe, eben als Priester am Reiche Gottes zu arbeiten. Eine gewisse Befriedigung für ihn war, wenn er beim Gottesdienst das Harmonium spielen durfte, wenn er das Amt des Lektoren übernahm, wenn er in den letzten Jahren das Sakrament der Taufe spenden in der Pfarrei Tarauaca durfte, wo er Jahre zuvor Kirche und Haus gebaut hatte, oder wenn er die Taufregister führen konnte.
      Man hatte oft den Eindruck, dass er immer um Anerkennung rang. Er hatte sie als Brudermissionar und Fachmann, aber er hätte sie eben gerne als Priester gehabt, das spürte man. So war das Leben von Br. Hermann-Josef immer durch Spannungen gekennzeichnet. Als er schließlich - fast 80jährig - 1986 nach Knechtsteden zurückkam, waren wohl alle Sehnsüchte verflogen. Er kam innerlich zur Ruhe. Von da an war er für viele Obere und Mitbrüder der gute Geist des Hauses.
      Was ihn quälte, war ein Augenleiden, das ihn fast erblinden ließ. Br. Hermann-Josef trug mit großer Fassung sein Leiden und war für viele ein Beispiel der Gelassenheit und der totalen Hingabe an den Willen Gottes. Durch seine Hingabe an den Vater in seiner Arbeit als Maurermeister, im Ertragen seiner ungestillten Sehnsucht, in seiner Frömmigkeit und in seinem Beispiel als korrekter Ordensmann und Mitbruder hat er viel mehr zum Aufbau des Gottesreiches beigetragen, als er je ahnte.
Am Morgen des 5. November 2001 rief ihn der Herr, dem er ein Leben lang gedient hat, zu sich.
      Wir, seine Mitbrüder, und viele Menschen im Oberen Jurua verdanken im vieles und halten sein Andenken in Ehren.





Exequien und Beerdigung
waren in Knechtsteden
am 9. November 2001,
14.30 Uhr.
 
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